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USA kauften Louisiana von Frankreich
Der größte Immobiliendeal lief vor 200 Jahren
New Orleans (rpo). Der noch bis heute größte Immobiliendeal ist vor 200 Jahren in Paris über die Bühne gegangen: Damals kauften die USA von Paris das Louisiana-Territorium und verdoppelten ihre Staatsfläche.

Der vornehm gekleidete Herr stapfte undiplomatisch einfach über den Rasen und spionierte durch das Fenster der Pariser Villa. Als die Beobachteten den Zuschauer bemerkten, jagten sie ihn jedoch nicht davon. Im Gegenteil: Sie luden den Mann zum Cognac und hatten wenig später den größten Immobiliendeal der Geschichte eingefädelt: Vor 200 Jahren - am 30. April 1803 - kauften die USA von Frankreich das Louisiana-Territorium und verdoppelten auf einen Schlag ihre Fläche.

Ausgehandelt hatten das Geschäft Frankreichs Finanzminister Francois de Barbé-Marbois, Washingtons Botschafter Robert Livingston und der Sondergesandte und spätere US-Präsident James Monroe. So ganz klar waren die Besitzverhältnisse über den riesigen Landstreifen westlich des Mississippi jedoch nicht. Die Franzosen hatten zwar die gut zwei Millionen Quadratkilometer offiziell in Besitz genommen. Kolonisiert wurde das Territorium, vier Mal so groß wie das Mutterland, jedoch abgesehen von einem schmalen Küstenstreifen um New Orleans nie. 1762 trat Ludwig XV. das Areal an die Spanier ab.

Kein Problem für die sich gerade entwickelnden Vereinigten Staaten. "Deren eherne Gesetze, keine Einmischung in europäische Angelegenheiten und Garantie eines freien Welthandels, waren durch das niedergehende Spanien nicht bedroht", sagt der Kieler Historiker Ulrich Matthée. Doch was man in Washington nicht wusste: In einem Geheimabkommen hatte Madrid 1800 das ohnehin nicht zu verwaltende Gebiet an Paris zurückgegeben.

Dort regierte derweil ein Konsul namens Napoleon Bonaparte. Der wollte seine Expansionsgelüste auch in der Neuen Welt ausleben. Ein 20 000 Mann starkes Expeditionskorps sollte zunächst einen Aufstand auf Haiti niederschlagen und dann das Louisiana-Territorium endgültig in Besitz nehmen. Doch das Gelbfieber raffte das Heer dahin.

Die Amerikaner waren gewarnt. Die damals traditionell guten Beziehungen zum ebenfalls revolutionären und der früheren Kolonialmacht Großbritannien feindlich gesonnenen Frankreich verdunkelten sich deutlich. Selbst Präsident Thomas Jefferson, großer Anhänger der französischen Revolution, sprach von einem "natürlichen Feind". Auch wenn an einen Krieg nicht zu denken war standen die Zeichen auf Konflikt.

Den wiederum konnte Napoleon nicht brauchen. Der Konsul sah, dass er das gigantische Gebiet nicht besiedeln, geschweige denn verteidigen konnte. "Statt einer zweiten Front in Übersee war dem nachmaligen Kaiser eine gefüllte Kriegskasse für eine Invasion Englands wichtiger", betont Historiker Matthée. Und so schickte der Korse de Barbé-Marbois mit unterschiedlichen Angeboten zu den Amerikanern.

Schließlich einigte man sich auf 60 Millionen Franc - 18 Millionen Dollar. 15 Millionen sollte Washington überweisen, für drei Millionen Dollar verzichteten die Amerikaner auf Ansprüche an die Franzosen. Abgestimmt mit Jefferson hatten Livingston und Monroe das Millionen- Geschäft nicht. Wie auch, hätte doch die Nachricht mit Segelschiff und Pferd fast zwei Monate gebraucht - für einen Weg. Doch ein Grundstückspreis von einem Cent für 1000 Quadratmeter gab den Gesandten recht.

Louisiana folgte Florida

Mit einem Schlag war die junge Nation doppelt so groß. 13 Staaten entstanden später auf dem Territorium. Mehr noch: "Mit einem Male öffnete sich für die junge Nation die Verlockung einer Großmachtstellung", unterstreicht der Kieler Professor. "Mit dem "Louisiana-Purchase" zementierten die USA den Anspruch, sich von Küste zu Küste auszubreiten."

Innerhalb von nicht einmal 100 Jahren gelang das. 1819 trat Spanien Florida ab. Mexiko verkaufte 1848, nach dem verlorenen Krieg nicht freiwillig, ein ähnlich großes Areal wie einst Louisiana. Mit England einigte man sich über das Oregon-Territorium und 1867 kaufte die USA schließlich Alaska. Der heute größte Staat wurde erst 1959 offiziell ein Bundesstaat.

Französische Einflüsse sind im Südosten der USA noch immer unübersehbar. Zahlreiche Städtenamen wie Baton Rouge sind französisch und auch die alte Architektur erinnert eher an Südfrankreich als an Amerika. Bis weit ins 20. Jahrhundert waren sogar die Münzen zweisprachig.

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