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Cupertino
Der iPhone-Hype steht vor dem Ende

Cupertino. Der erfolgreichste Technologiekonzern der Welt verliert an Schwung: Die neuen Smartphones verkaufen sich anscheinend schlechter als erwartet, die Apple-Watch läuft nur schlecht, und Wettbewerber holen auf. Von Reinhard Kowalewsky

Erinnert sich noch jemand an Nokia? Die Finnen waren von 1998 bis 2011 weltweit führender Handykonzern und mit mehr als 250 Milliarden Euro Börsenwert zeitweise der teuerste Konzern Europas. Sie spielen keine Rolle mehr.

Ein längst nicht ganz so drastischer Abstieg scheint nun Apple als viele Jahre lang erfolgreichstem Smartphonekonzern der Welt zu drohen: Das Unternehmen fahre die Produktion für die neuen iPhones 6S und 6 Plus S um rund ein Drittel herunter. Das meldet die japanische Wirtschaftszeitung Nikkei gestern. Grund sei eine unter den Erwartungen liegende Nachfrage. Die Geräte ähnelten zu sehr den Vorgängermodellen 6 und 6 Plus - also bleiben die Lager voll.

Als Reaktion rutschte die Aktie um zeitweise drei Prozent ab. Seit Mai vergangenen Jahres hat Apple sogar mehr als ein Viertel des Börsenwertes verloren. Statt 720 Milliarden Euro ist der Konzern nun 540 Milliarden Euro wert. Alleine für das Minus von 180 Milliarden Euro könnten VW, Siemens und Eon zusammen geschluckt werden.

Apple wird die zu hohe Abhängigkeit vom iPhone zum Verhängnis. Trotz iPad (Produktstart 2010) und trotz langsam anziehendem Verkauf der Mac-Computer hängen 75 Prozent des Gewinns am 2007 erstmals von Firmengründer Steve Jobs vorgestelltem Smartphone. Und während die neuesten Modelle weiter gute Kritiken bekommen, holen Samsung, Huawei und Andere auf. "Iphone und iPad waren bei ihrem Start revolutionäre Produkte", sagt Holger Neinhaus vom Düsseldorfer Beratungshaus SMP, "aber jetzt ist der Mehrwert der neuen Modelle längst nicht mehr so klar."

Was dies bedeutet, hat die Expertin Kathy Huberty von der New Yorker Bank Morgan Stanley kürzlich prognostiziert: Nachdem der Verkauf der iPhones seit dem Geschäftsjahr 2006/2007 von 12 Millionen Stück auf 231 Millionen Stück im Rekordjahr 2014/2015 hochschoss, könnten nun zwischen Oktober 2015 und Ende September diesen Jahres nur 218 Millionen Stück abgesetzt werden. Der Grund für die Schwäche seien die relativ hohen Preise der Geräte von teilweise mehr als 1000 Euro sowie eine gewisse Marktsättigung. "Es gibt für viele Eigentümer eines etwas älteren iPhones keinen zwingenden Grund, jetzt nachzukaufen", erklärt ein führender Telekom-Manager.

Keiner hat das Problem besser erkannt, als Apple-Chef Tim Cook selbst. Alleine 800 Forscher beschäftigt er, nur um die Kamera des iPhone zu weiteren Höchstleistungen weiterzuentwickeln - gerade Samsung hat hier aufgeholt. Weil die eigentlichen Geräte sich zunehmend ähneln, sollen Services und Apps weiteres Wachstum bringen sowie die Kunden binden - noch gestern meldete Apple, dass mit Apps alleine in 2015 zwölf Milliarden Euro umgesetzt wurden. Und um den Verkauf der Geräte anzukurbeln, können US-Kunden iPhones neuerdings sogar leasen - alle zwei Jahre erhalten sie dann ein neues Modell für eine feste Monatsgebühr.

Eine Stunde der Wahrheit steht am 26. Januar bevor: Apple wird die Zahlen für das Weihnachtsquartal verkünden. Es ist zu erwarten, dass der Rekord von 75 Millionen Stück aus dem Feiertagsgeschäft 2014 unterschritten wird, nachdem damals die breit bejubelte Gerätegeneration iPhone 6 und 6 Plus auf den Markt gekommen war.

Spannend zu erfahren wird auch sein, ob der durchschnittliche Preis pro iPhone von damals 640 Euro gehalten werden konnte. Weiter schweigen wird Cook wohl zur Verkaufszahl der Apple-Watch: Die einzige echte Innovation seit Cooks Amtsantritt im Jahr 2011 läuft bisher nur schwach.

Quelle: RP
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