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Düsseldorf
Bahn könnte 3500 Stellen im Güterverkehr streichen

Deutsche Bahn könnte 3500 Arbeitsstellen im Güterverkehr streichen
Die Bahn will Verladebahnhöfe schließen und Stellen abbauen. FOTO: dpa, lus fpt lof
Düsseldorf. Der Konzern will jeden dritten Verladebahnhof schließen. Betroffen sind vor allem Nord- und Ostdeutschland.

Wenn heute die Deutsche Bahn in Berlin ihre Bilanzzahlen vorlegt, wird das kein einfacher Auftritt für Rüdiger Grube. Schon vorab war durchgesickert, dass der Bahnchef einen Milliardenverlust verantworten muss - den ersten seit zehn Jahren. Grund sind der schleppende Konzernumbau und die angeschlagene Güterverkehrssparte. Dort drohen massive Einschnitte. Nahezu jeder dritte Verladebahnhof soll künftig nicht mehr angefahren werden.

Wie aus Konzernkreisen verlautete, würde sich die Zahl der betroffenen Beschäftigten auf etwa 3500 summieren. Das wären 18 Prozent der derzeitigen Belegschaft. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Berufung auf ein internes Papier, von der Schließung seien vor allem der Norden und Osten der Republik betroffen. Eine Projektgruppe der Bahn unter Einschluss der Unternehmensberatung McKinsey hatte sogar den Abbau von bis zu 5000 Stellen ins Auge gefasst. Eine Bahn-Sprecherin sagte, die wirtschaftliche Lage des Konzerns werde sich auch auf das Personal auswirken.

Gewerkschaft positioniert sich gegen Rotstift-Politik

Alle Maßnahmen würden zunächst mit Vertretern der Arbeitnehmer diskutiert, interne Unterlagen nicht kommentiert. Die Liste mit dem Vermerk "Wegfall" enthält 498 Verladestellen, die größere wie Bamberg-Hafen mit fast 200.000 Tonnen oder den Saarbrücker Rangierbahnhof mit über 400.000 Tonnen Güterumschlag umfasst. Es trifft demnach aber vor allem kleinere.

Gestern beriet der Aufsichtsrat die Pläne der Konzernführung. Alexander Kirchner, Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und stellvertretender Aufsichtsratschef, sagte unserer Redaktion, die Vertreter der Gewerkschaft hätten sich dabei klar gegen die beabsichtigte Rotstift-Politik der DB AG positioniert. "Erst nach Vorlage der von der EVG eingeforderten Langfriststrategie können Maßnahmen zum Konzernumbau vom Vorstand beschlossen werden", sagte Kirchner. Bis dahin seien alle geplanten Schritte ausgiebig und ergebnisoffen mit den innerbetrieblichen Interessenvertretern zu diskutieren.

Im Mittelpunkt der Sitzung stand das Projekt "Zukunft Bahn". Für Grube ist der Erfolg der Strategie von essenzieller Bedeutung. Der Vertrag des 64-Jährigen läuft Ende 2017 aus. Grube selbst dürfte eine weitere Amtszeit anstreben, um sein Ziel - "den größten Konzernumbau in der Geschichte der Deutschen Bahn AG" - auch zu vollenden.

(maxi/RP)
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