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Düsseldorf
Deutsche-Bank-Aktie im freien Fall

Deutsche-Bank-Aktie im freien Fall - Sorgen werden offenbar größer
FOTO: ap
Düsseldorf. Der deutsche Branchenführer ist nach einem neuerlichen Kurssturz an der Börse nur noch 19 Milliarden Euro wert. Ein Übernahmekandidat wird er trotzdem nicht. Aber die Sorgen bei den Investoren sind offenbar größer geworden. Von Michael Braun und Georg Winters

Es gab Zeiten, in denen feierte sich die Deutsche Bank selbst als Fels in der Finanzkrisen-Brandung. Allein schon die Idee, die Bank könne um Staatshilfe bitten, empfand der damalige Vorstandschef Josef Ackermann schon als Majestätsbeleidigung. Alles Vergangenheit. Mittlerweile gibt die Bank schon selbst Beruhigungspillen raus, die die Finanzmärkte von der Stabilität des größten deutschen Geldhauses überzeugen sollen. Und sogar der Bundesfinanzminister springt ihr bei. Das alles hat die Börsen gestern nicht überzeugen können. Die Aktie verlor erneut mehr als vier Prozent und war wie am Montag einer der schwächsten Werte im Dax. Das Papier hat seit Jahresbeginn zwei Fünftel seines Wertes verloren. Eine Aktie im freien Fall.

Rund 19 Milliarden Euro ist Deutschlands größte Bank mittlerweile nur noch wert. Und wären da nicht die juristischen Altlasten, für die das Geldhaus immer noch Milliarden zurückgestellt hat, wären da nicht die hohen Eigenkapitalanforderungen an Banken, die einen möglichen Käufer belasten würden - man könnte fast davon ausgehen, dass der deutsche Primus ein Übernahmekandidat sein könnte. Es ist lange her, dass man aus diesem Blickwinkel über die Deutsche Bank gesprochen hat.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wurde gestern von der Finanzagentur Bloomberg mit der Bemerkung zitiert, es gebe "keine Sorgen um die Deutsche Bank." Muss ein Finanzminister so was sagen, wenn es keine Sorgen gibt? Auch die Bank selbst fühlte sich bemüßigt, ihre solide Kapitalausstattung zu betonen. Vorgestern, als ihre Aktie in der Spitze bis zu zwölf Prozent eingebrochen war, hatte die Bank abends eine Mitteilung veröffentlicht. In der stand grob übersetzt: "Wir können unsere Schulden bezahlen." Es sei eher ungewöhnlich, dass eine Bank sich so äußert, meint Philipp Häßler, Spezialist für Finanzwerte bei der Equinet Bank: "Die Investoren müssen schon extrem nervös sein."

Mitterweile hat Konzernchef John Cryan nachgelegt. "Sie können Ihren Kunden mitteilen, dass die Deutsche Bank angesichts ihrer Kapitalstärke und ihrer Risikoposition absolut grundsolide ist", hat Cryan der Belegschaft mitgeteilt. Das insinuiert, dass Cryan Fragen der Kunden in dieser Richtung fürchtet. Das ist kein Wunder, wenn man gerade erst einen Rekordverlust von knapp sieben Milliarden Euro hat verkraften müssen und die Anteilseigner jetzt schon faktisch die Dividende für zwei Jahre abschreiben müssen.

Bei den Anleihen-Gläubigern, über die jetzt gesprochen wird, geht es um Investoren, die spezielle Papiere der Deutschen Bank gekauft haben. Es sind Anleihen, die im Krisenfall zum Eigenkapital gezählt werden dürfen, also haften müssen wie Aktien. Diese eigenkapitalähnlichen Anleihen der Deutschen Bank verlieren vollständig ihren Wert, wenn bestimmte Eigenkapitalquoten unterschritten werden. Diese Sorte Wertpapier heißen CoCo-Bonds, ein Kürzel für die angelsächsische Bezeichnung Contingent Convertible Bonds. Die Halter dieser Bonds werden im Pleitefall als erste mit herangezogen, die Sparer mit ihren 100.000 Euro übersteigenden Einlagen als letzte.

Von Pleite ist bei der Deutschen Bank natürlich nicht die Rede. Aber: Die in Frage stehenden Anleihen des Unternehmens notierten gestern bei etwa 75 Prozent ihres Nominalwertes. Investoren rechnen also damit, ein Viertel verlieren zu können. Binnen einer Woche sind die Prämien für Policen, mit denen eine Forderung an die Deutsche Bank über 100.000 Euro versichert wird, von 1360 auf 2200 Euro hochgeschnellt. Der Finanzvorstand der Bank, Marcus Schenck, hatte vor zwei Wochen bei der Bilanzvorlage auch versichert, die Bank habe genügend Reserven für diese Anleihen, aber auch gesagt, die Bank müsse bei allem Tun "sicherstellen, dass wir nicht unter gewisse Schwellen fallen, die wir erfüllen müssen". Ganz dicke scheint es die Bank nicht zu haben.

Quelle: RP
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