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München
Deutsche-Bank-Chef Fitschen will Freispruch

München. Der Manager will sich im Münchener Wirtschaftsprozess ebenso wenig auf einen Deal einlassen wie der Staatsanwalt.

Die Staatsanwaltschaft lässt im Strafprozess gegen den Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, und vier weitere Top-Banker nicht locker. Gestern stellte die Anklagebehörde erneut einen umfassenden Beweisantrag, um ihren Anklagevorwurf wegen versuchten Prozessbetrugs im Fall Kirch zu untermauern: Antrag Nummer 38. Eine Einigung gilt in dem festgefahrenen Prozess nach mehr als zehn Monaten als ausgeschlossen: Während die Staatsanwaltschaft ihre Anklage durch das Verfahren voll und ganz bestätigt sieht, rechnen Anwälte mit einem Freispruch.

Gespräche über eine Einigung, einen sogenannten Deal, gibt es angesichts dieser entgegengesetzten Positionen auch nicht: Der Vorsitzende Richter Peter Noll erklärte, er habe in den vergangenen Tagen zwar mit fast allen Prozessbeteiligten telefoniert. "Eine Verständigung war aber weder der Gegenstand noch das Ziel der Besprechungen." In den Gesprächen sei es vielmehr um Ausführungen der Staatsanwaltschaft an den vergangenen Verhandlungstagen gegangen.

Mit dem englischen Begriff "Deal" werden im Strafprozess Absprachen zwischen Verteidigern, Gericht und Staatsanwaltschaft über den Strafrahmen für Angeklagte bezeichnet. In Wirtschaftsprozessen kommen derartige Deals relativ häufig vor. Auch im Deutsche-Bank-Prozess war daher anfangs über eine mögliche Verständigung spekuliert worden. Noll erteilte diesen Spekulationen mit seiner Erklärung eine klare Absage. Die Verteidiger hatten von Anfang an klargestellt, dass das Ziel des Verfahrens ein Freispruch sei.

Fitschen steht zusammen mit seinen Vorgängern Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie zwei weiteren ehemaligen Top-Bankern seit April 2015 vor Gericht. Alle fünf sollen Richter hinters Licht geführt haben, um Schadenersatzforderungen für die Pleite des Medienkonzerns Kirch zu vermeiden. Eine Entscheidung könnte nach Ostern fallen: Der letzte Verhandlungstag soll der 25. April sein.

(dpa)
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