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Frankfurt
Deutsche Bank: Millionen Fehlbuchungen

Frankfurt. Eine Software-Panne hat gestern viel Ärger ausgelöst. Kunden wurden Beträge doppelt abgebucht, Konten rutschten ins Minus, Kartenzahlungen waren teils unmöglich, Barabhebungen am Automaten auch. Die IT-Systeme sind veraltet. Von Michael Braun

Die Technikprobleme der Deutschen Bank haben nun auch die Kunden zu spüren bekommen. Im Online-Banking der Bank wurden gestern Umsätze doppelt dargestellt. Die Miete ging also etwa zweimal raus, oder eine Einzahlung wurde gleich zweifach gutgeschrieben. Es sei ein "Darstellungsproblem im Online-Banking" gewesen, beschwichtigte das Unternehmen. Die Kontosalden hätten immer gestimmt. Die Bank werde das Problem "schnellstmöglich" regeln. Die Kunden müssten nichts unternehmen.

Die Aufregung war groß. "Deutsche Bank bucht Geld doppelt ab. Kein Durchkommen bei Kundenservice. Was ist los?", hieß es bei Twitter, von "Pannen-Chaos" und "Aufruhr in der Filiale" war die Rede. Beim Blick auf das Konto dürfte manchem der Schreck in die Glieder gefahren sein: Am Mittwoch waren Miete, Stromkosten und Versicherungen doppelt abgebucht worden, teilweise rutschten die Konten ins Minus und sogar über geduldete Kreditgrenzen hinaus. Dann wurden Aufträge nicht mehr ausgeführt. An der Tankstelle hätten sie nicht mehr mit ihrer Debitkarte zahlen können, klagten manche; andere konnten sich auch am Automaten nicht mehr mit Geld versorgen. Insgesamt habe es durch die Panne rund 14 Millionen Doppelbuchungen gegeben, heißt es aus dem Umfeld der Bank. Eine gewaltige Zahl.

Das System habe in der Tat vereinzelt dafür gesorgt, dass Zahlungen nicht mehr rausgingen, bestätigte ein Sprecher des Unternehmens. Dabei sei in Wahrheit aber die Kreditgrenze für die Kunden noch nicht überschritten gewesen. Denn: "Keine dieser doppelt dargestellten Zahlungen ist tatsächlich erfolgt", teilte die Bank mit. Das "Darstellungsproblem" habe nur dazu geführt, dass "teilweise Einzahlungen und Abbuchungen doppelt gezeigt oder nicht abgebildet" worden seien. Die Postbank, immer noch im Besitz der Deutschen Bank, scheint von diesen Vorkommnissen nicht betroffen.

Das Problem ist andererseits nicht auf die Deutsche Bank begrenzt. Die frühere Citibank, die jetzt unter Targobank firmiert, hatte ihre Kunden Anfang Mai benachrichtigt: "Irrtümlich wurden bei einigen unserer Kunden Buchungen vom 3. Mai 2016 doppelt ausgeführt." Das sei korrigiert worden. Kunden, die automatisch gewarnt wurden, sie hätten ihren Kreditrahmen überzogen, bekamen gesagt: "Hinweise auf anlassbezogene Schreiben können Sie ignorieren." Es folgte eine Entschuldigung an die Kunden.

Die Deutsche Bank hat jedenfalls ein gewaltiges IT-Problem. Der Vorstandsvorsitzende John Cryan hatte schon früh festgestellt, dass ein Drittel der Systeme überaltert sei. Das Problem richten soll die neue IT-Chefin Kim Hammonds, eine frühere Managerin des amerikanischen Flugzeugbauers Boeing. Sie hatte kürzlich in einem Interview gesagt, die Zahl der Betriebssysteme von 45 auf vier reduzieren zu wollen. Die Technik müsse moderner und einfacher werden - "und das ziemlich rasch".

Quelle: RP
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