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Frankfurt
Neuer Absturz für die Deutsche Bank

Deutsche Bank: Neue Strafe und Kursabsturz
FOTO: Ferl
Frankfurt. Dem größten deutschen Kreditinstitut droht in den USA eine Zahlung von 12,5 Milliarden Euro. Die Aktie verliert mehr als acht Prozent. Von Georg Winters

Den Scherz von der Rechtsabteilung mit angeschlossener Bank können die Beschäftigten der Deutschen Bank nicht mehr hören. Aber an Tagen wie gestern kommt er einem automatisch wieder in den Sinn. Rund 14 Milliarden Dollar (rund 12,5 Milliarden Euro) verlangt das amerikanische Justizministerium von Deutschlands größter Bank - die xte Milliardenlast, die die Bank wegen Rechtsstreitigkeiten tragen muss. Der Grund diesmal: angebliche Tricksereien am amerikanischen Immobilienmarkt, dessen Zusammenbruch 2008 ein wesentlicher Auslöser für die weltweite Finanzkrise war und an dessen Kollaps die Deutsche Bank mit windigen Geschäften beteiligt gewesen sein soll.

Es geht um den Verkauf von teils unbesicherten Immobilienkrediten, die in Wertpapieren gebündelt wurden. Diese seien (nicht nur von der Deutschen Bank) ahnungslosen Käufern zum Verhängnis geworden, heißt es. Wobei man sich fragen kann, warum Banken, die zu den Käufern gehörten, so ahnungslos gewesen sein sollen.

Die juristische Baustelle in den Vereinigten Staaten ist beileibe nicht die erste, die sich für die Bank auftut. Aber jeder neue Fall versetzt der Aktie einen Schlag. Die Hiobsbotschaft gestern ließ den Kurs um mehr als acht Prozent abstürzen. Der Börsenwert des Unternehmens ist mittlerweile auf 18 Milliarden Euro geschmolzen. Darin dokumentiert sich ein Bedeutungsverlust, wie man ihn in einem solchen Ausmaß in Deutschland noch nicht erlebt hat, und der Branchenkenner immer öfter darüber spekulieren lässt, wann der einstige Stolz der deutschen Bankenlandschaft zum Übernahmekandidaten werden könne. Andererseits: Wer mag sich das bei den rechtlichen Lasten derzeit antun?

Das Unternehmen kämpft um einen Vergleich, und es hat schon in der Nacht zum Freitag versucht, Beruhigungspillen an die Finanzmärkte zu verschicken, wenn auch ohne großen Erfolg. "Die Deutsche Bank bestätigt, dass sie Verhandlungen mit dem US-Justizministerium aufgenommen hat. Ziel ist es, die zivilrechtlichen Ansprüche beizulegen, die das Ministeium erheben wird." Die Bank sei nach der 14-Milliarden-Dollar-Offerte des Ministeriums gebeten worden, einen Gegenvorschlag vorzulegen. Wie der aussehen könnte, ließ die Bank offen. Aber sie beabsichtige "auf keinen Fall, diese möglichen zivilrechtlichen Ansprüche in einer Höhe zu vergleichen, die auch nur annähernd der genannten Zahl entspricht".

Das Unternehmen will nicht mehr zahlen als andere Wettbewerber, die mit solchen Vergleichen die Kuh vom Eis bekommen haben. Angeblich hofft sie darauf, das leidige Kapitel mit einer Zahlung von dreieinhalb Milliarden Dollar schließen zu können, nachdem sie vor drei Jahren schon fast zwei Milliarden Dollar (etwa 1,7 Milliarden Euro) Entschädigung an die US-Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac gezahlt hat. Gelänge das nicht, fiele der Vergleich also höher aus, könnte die Bank zu einer Kapitalerhöhung gezwungen sein. Denn sie hat derzeit fünfeinhalb Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten zurückgestellt, und neben dem Streit in den USA gibt es ja noch die Diskussion um einen Geldwäsche-Verdacht in Russland, den Verdacht von Beihilfe zur Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit CO2-Zertifikaten, den möglichen Verstoß gegen Sanktionen gegen den Iran, einen Devisenskandal, und, und, und. Da könnten die fünfeinhalb Milliarden am Ende zu wenig sein.

Alles über sieben Milliarden Dollar wäre für die Deutsche Bank gefährlich, heißt es. "Die Deutsche Bank müsste sich dann Gedanken machen, ob sie im normalen Geschäft noch mehr Risiken abbauen kann. Wenn alle Stricke reißen, müsste sie ihre Kronjuwelen verkaufen - die Vermögensverwaltung - oder eine Kapitalerhöhung in Angriff nehmen", verlautet aus Investorenkreisen.

Quelle: RP
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