Übernahme von Karstadt: Deutsche Bank unterstützt Investor Berggruen
zuletzt aktualisiert: 29.08.2010 - 11:17Frankfurt (RPO). Die Deutsche Bank unterstützt eine Übernahme von Karstadt durch den deutsch-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen. Zuvor hatte Berggruen der Deutschen Bank vorgeworfen, sie unterstütze das Gegenangebot des italienischen Kaufhausbetreibers Borletti.
"Wir werden die Lösung Berggruen weiterhin konstruktiv unterstützen, denn sie erscheint uns derzeit als die sicherste für Karstadt", sagte der für das Deutschland-Geschäft zuständige Vorstand Jürgen Fitschen der Tageszeitung "Die Welt". Berggruen hatte der Deutschen Bank vorgeworfen, sie unterstütze das Gegenangebot des italienischen Kaufhausbetreibers Maurizio Borletti, das jedoch von Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg kategorisch abgelehnt wird.
Fitschen ließ Sympathie für Borletti erkennen, wies Berggruens Vorwürfe aber erneut zurück. Berggruen sei offenbar nervös und versuche die Übernahme zu beschleunigen. "Nach den zahlreichen Gesprächen, die wir miteinander hatten, muss Herr Berggruen wissen, dass es anders ist, als er gesagt hat. Wir tun weiterhin alles für eine gute Zukunft von Karstadt", betonte der Deutsche-Bank-Vorstand. Die Immobilienfondstochter der Bank, RREEF, gehört neben Fonds von Goldman Sachs dem Konsortium "Highstreet" an, von dem Karstadt die meisten der 120 Warenhaus-Immobilien gemietet hat.
Zustimmung bis Donnerstag
Der Milliardär Berggruen braucht bis nächsten Donnerstag die Zustimmung von Highstreet und all dessen Gläubigern, um die seit mehr als einem Jahr insolvente Kette übernehmen zu können. Erst am Donnerstag treffen sich die Gläubiger einer Anleihe, mit der Highstreet den Kauf der Immobilien finanziert hat. "Vieles spricht (...) dafür, dass eine Einigung erzielt wird", sagte Fitschen.
Bei den Mezzanine-Kapitalgebern, die in Highstreet investiert haben, scheine das wegen deren komplexer Struktur etwas schwieriger. Dennoch gab sich der Vorstand zuversichtlich: "Die wirtschaftliche Logik spricht dafür, dass es eine Einigung zwischen Highstreet und den Mezzanine-Investoren geben wird."
Brüderle mahnt Einigung an
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle appellierte an die Beteiligten, sich zu einigen. "Beide dürfen nicht die Nerven der Mitarbeiter weiter strapazieren, sondern müssen zu einem soliden Deal kommen", mahnte der FDP-Politiker in der "Wirtschaftswoche". "Der Staat kann und wird nicht Teil dieses Deals sein." Auch Bundearbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte sich mehrfach in die Gespräche eingeschaltet.
Deutsche-Bank-Vorstand Fitschen bleibt dennoch skeptisch, ob Berggruen die Kette mit 25.000 Arbeitsplätzen auf Dauer erhalten kann. "Das ist nicht einfach. Ich kann nur hoffen, dass er einen tragfähigen Geschäftsplan hat, damit eine dauerhafte Rettung von Karstadt gewährleistet wird", sagte er.
Die Vorstellung von einem Warenhauskonzerns aus Karstadt und den ebenfalls zum Verkauf stehenden Kaufhof-Warenhäusern von Metro hat er nicht aufgegeben: "Die Deutsche Warenhaus AG ist als Denkmodell prinzipiell weiter auf dem Tisch." Goldman Sachs hatte lange an einer solchen Fusion gearbeitet, aber wegen des langwierigen Insolvenzverfahrens Branchenkreisen zufolge zunächst aufgegeben.
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