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Kritik von Verdi
Deutsche Post: Sonntagszustellungen ein "voller Erfolg"

Deutsche Post: Sonntagszustellungen ein "voller Erfolg"
Der Streik bei der Deutschen Post geht mittlerweile in die dritte Woche. FOTO: dpa, mg hpl
Bonn. Zu Beginn der dritten Streikwoche bei der Deutschen Post hat das Unternehmen seine von der Gewerkschaft Verdi scharf kritisierten außerplanmäßigen Sonntagszustellungen als "vollen Erfolg" bezeichnet. Über 11.000 "freiwillige Helfer" hätten sich an der Aktion beteiligt und Briefe sowie Pakete ausgeliefert, teilte der Konzern am Montag in Bonn mit.

Verdi sprach in Berlin von einer "betriebsintern angeordneten" Aktion und warf der Post den "flächendeckenden Einsatz" von Beschäftigten mit Werkverträgen vor, um das im Grundgesetz garantierte Streikrecht der eigenen Beschäftigten zu unterlaufen.

Die Gewerkschaft rief die Unternehmensführung erneut zu einer "konstruktiven Lösung" unter Beachtung aller "Aspekte" der Auseinandersetzung auf. Der bereits seit zwei Wochen andauernde Streik in der Brief- und Paketzustellung sowie den Verteilzentren ist zwar mit Lohnforderungen verknüpft, dreht sich aber maßgeblich um die Ausgliederung von mehreren tausend Paketzustellern in regionale Gesellschaften unter dem Dach der DHL Delivery GmbH. Dort werden sie nicht mehr nach dem Post-Haustarif bezahlt, sondern nach dem niedrigeren Tarif der Speditions- und Logistikbranche.

Die Post verteidigt diesen Schritt als notwendigen Schritt zum Erhalt ihrer Wettbewerbsfähigkeit am Markt. Die streikenden Gewerkschaften Verdi und DPV lehnen ihn ab und fordern stattdessen mehr Geld für sämtliche Zusteller. Verdi wirft dem Konzern vor, mit der Ausgliederung trotz anhaltender wirtschaftlicher Erfolge alte verbindliche Abmachungen zu brechen und befürchtet außerdem, das Modell werde Schule machen.

Verdi wirft der Deutschen Post unter anderem auch vor, zur Bewältigung der Streikfolgen auf Leiharbeiter mit sogenannten Werkverträgen zu setzen, auch aus dem Ausland. "Dieses Verhalten eines Dax-30-Konzerns ist beispiellos", erklärte deren Vizevorsitzende Andrea Kocsis. Sie rief Politik und Aufsichtsbehörden zum Einschreiten auf. Die Post ist teilweise im Besitz des Staates. Die KfW-Bankengruppe hält im Auftrag des Bundes noch 21 Prozent der Aktien des Unternehmens.

Die Zahl der Streikenden stieg nach Verdi-Angaben vom Montag auf rund 30.000 Tarifbeschäftigte. Der Ausstand ist unbefristet. Nach Angaben der Post kommen die meisten Sendungen trotzdem an. Auch in der dritten Streikwoche werde das Unternehmen sein Versprechen halten und 80 Prozent der Briefe und Pakete pünktlich zustellen können, erklärte der Konzern.

(AFP)
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