Filmindustrie: Deutschland kommt langsam aus dem Schatten hervor
VON STEPHAN SEEGER - zuletzt aktualisiert: 13.02.2006 - 13:23Düsseldorf (rpo). Am vergangenen Freitag wurde in Berlin das internationale Filmfestival „Berlinale“ eröffnet. Dabei kämpfen 26 Streifen um den „Goldenen Bären“, darunter auch vier deutsche Produktionen. Mit „Elementarteilchen“ von Regisseur Oskar Roehler ist am Samstag der erste deutsche Film über Leinwand gelaufen und wurde mit breiter Zustimmung und Applaus bedacht.
Doch was sind die deutschen Filme im Hinblick auf die schier übermächtige Konkurrenz aus Hollywood wert? Kann ein Moritz Bleibtreu auch außerhalb von Deutschland mit Schauspielgrößen wie Sigourney Weaver mithalten?
In den 90er Jahren durchlebte die deutsche Filmwirtschaft ihre schwärzeste Zeit. Immer mehr Produktionsfirmen investierten in ausländische Produktionen, deutsche Filme waren nicht gefragt. Doch mittlerweile hat sich das Blatt geändert. Deutsche Filme erfreuen sich in Europa und teilweise auch in den Vereinigten Staaten von Amerika immer größerer Beliebtheit. Die Tatsache, dass die deutschen Kinos im abgelaufenen Jahr die schlechtesten Umsatzzahlen seit Jahren vorwiesen, spricht ebenfalls für die deutschen Streifen. Hollywood hielt sich mit „großem Kino“ 2005 zurück, die „Global Player“ wie Paramount Pictures, Buena Vista oder Warner Bros. schienen sich auf den Erfolgen aus den vergangenen Jahren auszuruhen. Einzig der vierte Teil der Harry-Potter-Serie und die dritte Episode der „Star Wars“-Saga ließ die Kassen klingeln.
Die deutsche Filmindustrie nutzte die Chance und positionierte sich im internationalen Vergleich neu. Doch anders als die Macher in Hollywood dürfen sich deutsche Produzenten nicht auf den Lorbeeren ausruhen und müssen weitere Investitionsmöglichkeiten suchen. Dabei machen die Führungskräfte des Landes Mut auf eine rosige Zukunft. „Der European Film Market ist dieses Jahr erheblich gewachsen. Dieser Erfolg des wirtschaftlichen Standbeins der Berlinale zeigt, dass sich die deutsche Filmwirtschaft auf dem richtigen Weg befindet. Dies zeigen auch die vielversprechenden deutschen Beiträge im Wettbewerb, denen ich jeden Erfolg hier auf der Berlinale, aber auch an der Kinokasse wünsche“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Eröffnung der Filmmesse „European Film Market“ am Freitag in Berlin.
Auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann gibt die Richtung vor. „Durch internationale Co-Produktionen, die auf großen Messen wie dem European Film Market angebahnt werden, wird die deutsche Filmwirtschaft wettbewerbsfähiger“, sagt der Politiker auf der Internetseite der Bundesregierung. Neumann weiter: „Es müssen allerdings weiter attraktivere Anreize für private Investoren geschaffen werden. Wir führen derzeit intensive Gespräche mit der Filmbranche und Finanzexperten, um die Rahmenbedingungen für die deutsche Filmwirtschaft weiter zu verbessern.“
Vor allem die gestiegenen Investitionen in die Filmmesse zeigt, dass die deutsche Filmbranche immer weiter aufholt. Die Bundesregierung unterstützt den „European Film Market“ in diesem Jahr mit 1,2 Millionen Euro, die Berlinale wird mit insgesamt 7,5 Millionen Euro bezuschusst. Im Gegensatz zum Vorjahr hat sich die Zahl der Aussteller verdoppelt, zudem kommen immer mehr Messeteilnehmer aus den USA und Asien. Zudem hat sich die Ausstellungsfläche nach dem Umzug vom Potsdamer Platz in den Martin-Gropius-Bau im Gegensatz zu 2005 verdoppelt. Die Berlinale zeigt also, dass die deutsche Filmindustrie auf internationaler Bühne ernst genommen wird. Und vielleicht schaffte eine der vier Filme deutscher Produzenten ja eine Überraschung. Das wäre der nächste Schritt nach vorne.
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