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Düsseldorf
Deutschlands größte Kapitalvernichter

Düsseldorf. Die Aktionärsschützervereinigung DSW hat ihre jährliche Negativ-Hitliste vorgelegt. Unrühmlicher Spitzenreiter ist ein chinesischer Anbieter von Mobilfunk-Datenkarten. Aber auch Große sind dabei: Eon, RWE und die Deutsche Bank. Von Georg Winters

Kursabstürze von Unternehmen, deren Aktien im Dax notiert sind, finden öffentlichkeitswirksamer statt als jene von Firmen aus der zweiten und dritten Reihe. So mancher Kapitalvernichter wird sogar erst durch die jährliche Statistik der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) einem breiteren Publikum bekannt. Vtion Wireless Technology ist so ein Fall. Die Chinesen, die sich auf ihrer Homepage als einer der drei führenden Anbieter von Mobilfunk-Datenkarten ihres Landes bezeichnen, haben 2015 fast 71 Prozent an Börsenwert verloren. Ein Umsatzeinbruch Mitte des vergangenen Jahres schickte die Aktie in den Keller. Zum Jahresende, so die DSW, seien die Papiere nicht einmal mehr zehn Prozent dessen wert gewesen, was Käufer Anfang 2011 hätten bezahlen müssen.

Nun ist die Behauptung überzogen, der Absturz habe sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit vollzogen. Aber der Aktienumsatz machte gestern beispielsweise nur ein Zehntel des Umsatzes mit RWE-Aktien aus - das nur als Einordnung. Nichtsdestotrotz wird Vtion in der DSW-Statistik als Nummer eins geführt. Die berücksichtigt die Kursverluste über ein, drei und fünf Jahre und gewichtet sie entsprechend unterschiedlich - den Verlust über zwölf Monate am schwächsten, jenen über fünf Jahre am stärksten. Berücksichtigt werden die Unternehmen, deren Papiere in einem der großen deutschen Aktienindizes gelistet sind.

Vtion hat in diesem Zahlenwerk sogar Solarworld hinter sich gelassen, den unrühmlichen Spitzenreiter der Jahre 2014 und 2015. Das einstige Vorzeigeunternehmern der Sonnenenergiebranche hat im vergangenen Jahr den Kursabsturz zwar gebremst, aber mehr auch nicht. Vor knapp drei Jahren rettete sich Solarworld vor der Pleite, wurde dann saniert. Die Umsätze wachsen, und der Verlust ist deutlich geschrumpft. Aber der Druck durch die US-amerikanischen Konkurrenten ist immer noch gewaltig. Da kann man als Investor schon mal Zweifel am Geschäftserfolg bekommen.

Das ist allerdings bei Aktionären jener Unternehmen, die gern noch Geld mit konventioneller Energieerzeugung verdienen würden, mitunter nicht anders. Und deshalb stehen in der Liste der 50 größten Kapitalvernichter auch die Branchengrößen RWE (Platz sechs) und Eon (20)- zwei von fünf Dax-Konzernen in der Negativ-Hitliste. Zwei weitere kommen aus der Bankbranche - die problembeladene Deutsche Bank (41), die binnen fünf Jahren zwei Fünftel ihrer Marktkapitalisierung eingebüßt hat, und die Commerzbank (33), die gar 70 Prozent an Börsenwert verlor - sowie der jüngst in den M-Dax abgestiegene K+S-Konzern (36). Die beiden Energieriesen aus Nordrhein-Westfalen leiden natürlich vor allem unter den Milliardenlasten von Energiewende und Konzernumbau ; K+S ist es zwar gelungen, den Übernahmeversuch des kanadischen Rivalen Potash abzuwehren, aber gerade dieser Erfolg hat den Kurs abstürzen lassen. Die Ernüchterung über den geplatzten Deal war bei den Aktionären groß.

Das Fazit von DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler: Auch Investments in große Konzerne mit vermeintlich erprobten Geschäftsmodellen seien nicht mehr zwingend sicher.

Quelle: RP
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