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Jackson Hole
Die Anleger-Welt blickt nach Jackson Hole

Jackson Hole. In dem Tal in den Rocky Mountains treffen führende Ökonomen zusammen, um über die Geldpolitik zu streiten.

Umringt von schneebedeckten Bergen liegt in dem malerischen Tal Jackson Hole eine gut 8600 Seelen zählende Stadt mit Namen Jackson. Zwei Veranstaltungen prägen Jahr für Jahr den Terminkalender der kleinen Ortschaft im US-Bundesstaat Wyoming: zum einen das Literaturfestival des Autors Warren Adler, aus dessen Feder der mit Michael Douglas und Glenn Close verfilmte Roman "Der Rosenkrieg"stammt. Von ungleich größerer Bedeutung ist Veranstaltung Nummer zwei: Die Federal Reserve Bank (Fed) lädt die wichtigsten Notenbankchefs der Welt ein, um über die Zukunft der Geldpolitik zu beraten. In diesem Jahr könnte es auch heißen: um darüber zu streiten.

Stoff für verbale Schlagabtausche gibt es zuhauf: Die Bazooka- und Nullzinsstrategie von Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), ist ein Beispiel. Während Europas oberster Währungshüter seine Strategie des billigen Geldes mit dem Verweis auf die angespannte Situation in einigen Euroländern verteidigt, wächst das Lager seiner Kritiker. Gerade erst holte Deutsche-Bank-Chef John Cryan in einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt" die verbale Keule raus: Es könne nicht sein, dass die Finanzaufseher höhere Sicherheitspolster von den Banken forderten, für diese zusätzlichen Reserven dann aber Strafzinsen verlangten.

Dem Deutsche-Bank-Chef zufolge verfehlt Draghis Politik nämlich ihr Ziel: "Unternehmen halten sich aufgrund der anhaltenden Unsicherheit mit Investitionen zurück und fragen kaum mehr Kredite nach", schrieb Cryan. Dabei gilt die Ankurbelung der schwachen Kreditvergabe im Euroraum als eines der wichtigsten Ziele der Euro-Notenbanker. Nicht nur die Banken litten, so der Chef der Deutschen Bank. "Auch für die Sparer und deren Altersvorsorge sind die Folgen fatal." Tatsächlich steigt auch hierzulande die Sorge, dass Banken und Sparkassen schon bald Strafzinsen auch von Privatkunden verlangen könnten.

Doch nicht nur Draghis Politik sorgt für Gesprächsstoff. Auch Gastgeberin Janet Yellen bekommt zunehmend Schwierigkeiten, angesichts der guten wirtschaftlichen Lage in den USA die Niedrigzinsen zu rechtfertigen. Kritik kommt vor allem aus den eigenen Reihen. So plädierte die US-Notenbankerin Esther George für eine moderate Zinserhöhung. Dank Fortschritten bei der Inflation und am Arbeitsmarkt sei es an der Zeit, die Leitzinsen anzuheben, sagte die Präsidentin des Fed-Ablegers von Kansas City. "Das bedeutet nicht, dass es schnell gehen muss", ergänzte die Notenbankerin, die als Einzige bei der Sitzung der Fed im vergangenen Monat gegen die Beibehaltung der Zinsrate gestimmt hatte. Eine weitere Erhöhung hat in der US-Notenbank Fed zuletzt immer mehr Anhänger gefunden. Beim jüngsten Treffen des Führungsgremiums im Juli konnte es sich jedoch nicht zu einer Straffung der Geldpolitik durchringen. Mit Spannung wird Yellens für heute angesetzte Rede erwartet.

(maxi)
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