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Kassel
Die Baustellen von K+S

Kassel. Der Kali-Konzern steigt in Kürze aus dem Dax ab. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Trinkwasser im großen Stil verunreinigt zu haben. Und nun wirft auch der Chef hin. Von Timo Lindemann

Dünger aus dem hessisch-thüringischen Kali-Revier gehört zu den besten der Welt, die Zusammensetzung aus Kalium, Magnesium und Schwefel ist laut K+S einzigartig. Bereits seit mehr als 100 Jahren fördert der Noch-Dax-Konzern Kali aus dem Boden im Grenzgebiet um die Werra. Doch auch wenn die Welt kaum auf Dünger verzichten kann, plagen die Kasseler große Probleme.

Das wurde gestern bei der Vorlage der Bilanz deutlich. Im laufenden Jahr werde der Gewinn deutlich unter dem Vorjahreswert liegen, teilte der Konzern mit. Der Umsatz dürfte leicht zurückgehen. 2015 war der Gewinn (Ebit) um 22 Prozent auf 782 Millionen Euro gestiegen. Der Umsatz kletterte um neun Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. "Angesichts der Herausforderungen dürfte die Bilanz noch das Erfreulichste sein", sagt Thomas Hechtfischer, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Justiz Da ist die Anklage gegen K+S-Chef Norbert Steiner und den Aufsichtsratsvorsitzenden Ralf Bethke. Die Staatsanwaltschaft im thüringischen Meiningen wirft ihnen Gewässerverunreinigung und unerlaubten Umgang mit Abfällen vor. Es geht um 9,5 Millionen Kubikmeter Salzabwasser, die K+S von 1999 bis 2007 in eine poröse Gesteinsschicht gepumpt haben soll. Dadurch habe K+S das "Trinkwasser nachhaltig verunreinigt", so die Staatsanwaltschaft. Das Unternehmen hält die Vorwürfe für unbegründet. Das Landgericht Meiningen muss nun prüfen, ob es die Klage zulässt.

Aktionäre Die Anteilseigner sind sauer. Nach einem kurzzeitigen Höhenflug während des Übernahmeversuchs des Kali-Riesen Potash liegt der Aktienkurs seit dem Rückzug der Kanadier Anfang Oktober 2015 deutlich unter dem vorherigen Niveau. Mitte Februar fiel der Wert bis auf unter 18 Euro. Der Vorstand werde große Probleme haben, zu erklären, dass der Konzern mehr wert sei als die von Potash in Aussicht gestellten 41 Euro je Aktie, sagt Hechtfischer. "Das ist schwer zu begründen."

Politik Auch ist noch nicht klar, ob K+S im hessisch-thüringischen Kali-Revier von 2017 an überhaupt wie bislang produzieren darf. Für die Verlängerung der sogenannten Verpressungserlaubnis muss das Unternehmen nach Angaben des Regierungspräsidiums Kassel in den nächsten Monaten nachweisen, dass ein 3D-Modell funktioniert - dieses soll zeigen, dass Trink- und Grundwasser bei der Versenkung der Lauge nicht gefährdet werden. Die aktuelle Erlaubnis läuft Ende 2016 aus. Sollte es keine neue geben, könnte dies zu einer Einschränkung der Produktion führen. "Das hätte Auswirkungen auf die deutschen Standorte", betont Hechtfischer.

Börse Dagegen ist der Abstieg aus dem Dax kaum mehr als eine Randnotiz. Die Deutsche Börse hatte entschieden, dass der einzige Rohstoffwert zum 21. März vom Medienunternehmen ProSiebenSat.1 ersetzt wird. "K+S bleibt im MDax ein gutes Unternehmen. Unsere mittel- bis langfristigen Perspektiven bleiben auch als Mitglied im MDax weiter positiv", sagte der K+S-Sprecher.

Weltmarkt Und damit nicht genug. Analysten sehen den derzeit niedrigen Kali-Preis als größte Herausforderung für K+S. Zudem richtet sich der Blick zunehmend auf das Milliardenprojekt "Legacy". Die Kali-Mine in Kanada, die in diesem Jahr in Betrieb gehen soll, gilt für K+S als Lebensversicherung. Hechtfischer allerdings sagt, der derzeitige "unterirdische" Kali-Preis liege unterhalb der Schmerzgrenze für "Legacy".

(dpa)
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