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Düsseldorf
Ein Riss geht durch die Deutsche Bank

Überblick: Die Baustellen der Deutschen Bank
Überblick: Die Baustellen der Deutschen Bank FOTO: dpa, ab rho vfd vfd
Düsseldorf. Deutschlands größtes Geldhaus steht offenbar vor einem radikalen Wandel: Börsengang des Privatkundengeschäfts, Verkleinerung des Investmentbankings, stärkere Ausrichtung auf große Firmenkunden und die Vermögensverwaltung. Von Georg Winters

Eine Universalbank ist eine Bank, die die gesamte Bandbreite von Bank- und Finanzdienstleistungsgeschäften anbietet. Eine globale Universalbank macht diese Geschäfte auf der ganzen Welt. Insofern kann man den Umbau bei der Deutschen Bank einfach analysieren: Das Unternehmen bleibt eine Universalbank und eine globale Bank. Von globaler Universalbank kann nicht mehr die Rede sein. Deutschlands größtes Geldhaus steht offenbar vor einem radikalen Wandel. Niemand mag das bisher offiziell bestätigen, aber es wird seit Langem darüber spekuliert. Offiziell hat Aufsichtsratschef Paul Achleitner gestern nur bestätigt, dass der Vorstand dem Kontrollgremium am Freitag mehrere Modelle vorgelegt hat. Aber es seien noch keine Entscheidungen gefallen, genaue Informationen werde es im zweiten Quartal geben. Wahrscheinlich wird das vor dem 21. Mai sein, dem Tag der Hauptversammlung.

Nach dem, was bisher durchgesickert ist, könnte dieser Wandel die größte deutsche Bank an mehreren Stellen nachhaltig verändern:

- Das Privatkundengeschäft (einschließlich der Deutschen Postbank) mit Massegeschäft, Selbstständigen sowie kleinen und mittelständischen Kunden könnte entweder in den Konzern integriert oder an die Börse gebracht werden - in Teilen oder komplett. Das Geschäft, das in Zeiten niedriger Zinsen und starker Regulierung unter Margendruck steht, soll noch schlanker werden. Schon ein Teilverkauf wäre ein klares Zeichen für schwindende Bedeutung des Massengeschäfts im Konzern. Allerdings wäre das aus Arbeitnehmersicht wohl immer noch besser als die vollständige Integration, die vermutlich deutlich mehr Jobs kosten würde.

- Auch im Investmentbanking - die Sparte, die zuletzt immer noch fast die Hälfte zum Vorsteuergewinn beitrug und ein Zukunftspfeiler bleibt - wird weiter gespart, weil die Maßstäbe der Regulierer immer härter werden. Der Eigenhandel mit Aktien und Anleihen warf zwischenzeitlich deutlich weniger ab als früher. Andererseits könnte das Kapitalmarktgeschäft einschließlich Börsengängen deutlich zulegen.

- Gleichzeitig wird die Bank deutlich stärker als bisher auch auf große Firmenkunden und die Vermögensverwaltung konzentriert.

Noch ist nichts offiziell. Aber unterm Strich sieht es schon so aus, als werde die Deutsche Bank faktisch in zwei Teile zerfallen. Auf der einen Seite stünde ein verkleinertes Privatkundengeschäft, das irgendwann auch komplett wegfallen könnte. In der globalen Finanzkrise erstrahlte es vor Jahren neu, weil es niedrige, aber stabile Ergebnisbeiträge ablieferte. Das reicht nicht mehr. Auf der anderen Seite stehen Investmentbanking, Vermögensverwaltung, Zahlungsverkehr. Die drei Bereiche warfen 2014 etwa vier Fünftel des Vorsteuergewinns ab. Der Anteil des Privatkundengeschäfts dagegen ist binnen zwei Jahren um die Hälfte geschmolzen.

Fazit: Ein Riss geht durch die Deutsche Bank. Und ohne dass sie dies beabsichtigt hätte, spielt sie jenen Politikern in die Hände, die das Trennbanken-System durchsetzen wollen. Hinter dieser Forderung verbirgt sich (einfach formuliert) die These, dass Kleinsparer mit ihren Einlagen nicht mehr für die internationalen Risiken einer weltweit operierenden Bank haften sollen. Darüber wird heftig debattiert.

Natürlich wird auch dieser Konzernumbau spürbare personelle Konsequenzen bei der Deutschen Bank haben. Das dürfte vermutlich vor allem im Privatkundengeschäft gelten und demzufolge die Postbank in erheblichem Ausmaß treffen. Sowohl der bisherige Alleineigentümer als auch mögliche neue (Mit-)Aktionäre der Retail-Bank haben höhere Renditeansprüche, als die Sparte derzeit zu leisten imstande ist. Motto: Wenn es bei den Erträgen nicht rauf geht, müssen wir bei den Kosten weiter runter.

Insgesamt ist die Nachsteuerrrendite bei drei Prozent eher dürftig. Dass die Bank diese Kennziffer 2015 plangemäß auf zwölf Prozent steigern wird, bleibt wohl Wunschdenken. Hier muss sie aber besser werden - nur das lockt Aktionäre.

Quelle: RP
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