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Digitalkonferenz
Die Digital-Trends der SXSW

Austin. 35.000 Besucher aus mehr als 100 Nationen gehen jedes Jahr fünf Tage im texanischen Austin auf die Suche nach den neuesten digitalen Entwicklungen. Wir stellen die wichtigsten Trends des Festivals South-by-Southwest (SXSW) vor. Von Michael Bröcker und Daniel Fiene

Mitten in der texanischen Wüste kommt im März regelmäßig die Tech-Elite zur weltgrößten Digitalkonferenz zusammen. In 1200 Foren und Diskussionsrunden debattieren die Teilnehmer über digitale Trends, von empathischen Robotern über Drohnen-Helikopter bis hin zu den neuesten Apps, etwa der App, die Ersatzpersonen für das Anstehen in einer Schlange vermittelt. Erstmals besuchte dieses Jahr auch ein amtierender US-Präsident das Festival: Barack Obama. Wir haben uns in Austin umgesehen.

Virtuelle Realität (VR) Das Trend-Thema des Jahres. Zwei Dutzend Foren befassten sich mit den dreidimensionalen Fantasie-Welten, Geräte-Hersteller wie Samsung und Oculus ließen die Besucher mit speziellen VR-Brillen durch virtuelle Landschaften spazieren. McDonald's versetzte Freiwillige in eine virtuelle Happy Meal Box. Nicht nur große internationale Konzerne wollen Vorreiter der neuen Entertainment-Welt werden, auch Deutsche mischten in Texas mit. Das Hamburger Unternehmen SpiceVR kombiniert die Drohnentechnik mit 360-Grad-Videos, mit der Berliner App Splash können Nutzer aus einfachen Handy-Videos 360-Grad-Ansichten bauen. Dafür gab es sogar den Start-up-Preis. Experten sind sich sicher, dass die Technologie in naher Zukunft so ausgefeilt sein wird, dass die Nutzer per Knopfdruck mit einer gewöhnlichen Brille in die Parallelwelten fliehen können. Die "Washington Post" nahm die Zuschauer auf der Messe auf eine Reise zum Mars mit.

Roboter-Autos Google-Chefentwickler Chris Urmson musste in Austin den ersten Unfall eines seiner autonom fahrenden Testautos mit einem Bus erklären. Ein Softwarefehler. Den Siegeszug der Technologie dürfte das aber nicht aufhalten. Zwei Millionen Kilometer haben die Google-Autos schon abgespult. "Und mit jeder Fahrt werden die Autos besser." Menschen würden im Straßenverkehr immer mehr Fehler machen, sagt Urmson. Der deutsche Unternehmer Dirk Ahlborn stellte sein Hyperloop-Konzept vor, einen selbst fahrenden Raketenzug, ursprünglich erdacht von Tesla-Erfinder Elon Musk.

On Demand Der mobile und digital affine Kunde ist anspruchsvoll und ungeduldig. Produkte müssen möglichst sofort verfügbar sein, die Bestellung soll bequem und einfach über das Smartphone funktionieren. Kommuniziert wird nur noch über Messenger. Die Millennials, die 18- bis 35-Jährigen, ziehen laut einer US-Studie etwa 200 Mal am Tag das Smartphone aus der Tasche. Neue Apps und Plattformen greifen Branchen wie Handel, Tourismus, Verkehr, Gastronomie und Finanzen massiv an. AirBnB und Uber sind nur die prominentesten Beispiele. "Mobile first" reicht als Strategie für viele schon nicht mehr aus. Mobile only wäre passender. Und die Millennials sind mächtiger, als man denkt. Ihr Verhalten werde von anderen Generationen adaptiert, berichtet die Agentur JW Thomson aus einer internationalen Studie. "Bisher versuchte die ältere Generation, die jüngere zu prägen", sagt Thomas Knüwer von der Düsseldorfer Digitalberatung KPunktNull. "Das ist jetzt andersherum."

Datensicherheit Vor zwei Jahren noch als "europäisches Spezialthema" von US-Unternehmern belächelt, erlangen die Themen auf den Bühnen der SXSW immer größere Bedeutung, etwa eine viel besuchte Veranstaltung zur Sicherheit der Gesundheitsdaten. Firmen investieren in sichere Cloud-Lösungen, und die Messenger-App Snapchat, die Nachrichten mit spielerischen Elementen wie animierten Grafiken und Videos verknüpft, ist auch deswegen die Nummer eins bei Teenagern, weil sie Nachrichten automatisch löscht. Viel Gegenwind erfuhr US-Präsident Barack Obama, als er in seiner Eröffnungsdiskussion um Verständnis warb, dass die US-Regierung zur Strafverfolgung auf die verschlüsselten Daten privater Smartphones zugreifen müsse.

Hasskommentare In Deutschland kontrovers diskutiert, in den USA ein Randthema. Wenn es darum geht, Hass und Hetze in den Kommentarspalten zu begrenzen, setzen Plattformen wie Facebook und Youtube auf die Selbstreinigungskräfte der Nutzer. Wie sagte es die Ethik-Chefin von Facebook, Monika Blickert: "Die Hasskommentare sind nicht das Problem, sondern der zugrundeliegende Hass." So entzieht man sich der Verantwortung.

Gründer-Mentalität Gelassen, optimistisch, technologiefreundlich. So zeigt sich die US-Techbranche auf der Messe, die neben Konferenzen und Diskussionsrunden auch die Freizeit nicht zu kurz kommen lässt. Es geht ungezwungen und locker zu, man tauscht sich offen über Projekte und Produkte aus, die Unternehmen laden zu Barbecue, Comedy-Abend oder Karaoke. Krawatten und Sakkos sind tabu. So gedeiht eine Innovationskultur.

Und sonst? Die deutsche Delegation war so groß wie nie. Vor allem Investoren, Medienmanager und Vertreter von Kommunikationsunternehmen (darunter Vodafone) waren präsent. Im Deutschen Haus trafen täglich Start-up-Gründer (meistens aus Hamburg, Berlin oder Köln) mit den übrigen Kollegen aus der Heimat zusammen. Das traditionelle Barbecue auf einer Ranch im Landesinneren gehört für viele zum Pflichtprogramm. 48 deutsche Gründer nahmen am offiziellen Gründer-Wettbewerb des Festivals teil.

Quelle: RP
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