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Manfred Hoffmann
"Die Erzieherinnen stehen finanziell gut da"

Manfred Hoffmann: "Die Erzieherinnen stehen finanziell gut da"
VKA-Hauptgeschäftsführer Manfred Hoffmann will in Verhandlungen mit Verdi eine Lösung finden. FOTO: VKA
Düsseldorf. Manfred Hoffmann, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände, sprach mit unserer Redaktion über die schwierigen Verhandlungen im Sozial- und Erziehungsdienst.

Düsseldorf Heute werden in Düsseldorf die Tarifverhandlungen für die 240 000 Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst fortgesetzt. Begleitet werden diese von Verdi-Warnstreiks in Düsseldorf und Duisburg. Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands VKA, Manfred Hoffmann erklärt, warum die Gespräche so schwierig sind.

Gerade wurden neue Daten zum Überschuss präsentiert. Demnach hat der Staat genügend Geld, um die Erzieher besser zu bezahlen. Wieso zieren Sie sich dann so?

Hoffmann Wir sind ja zu Verhandlungen bereit, aber wir zieren uns gegen Forderungen, die bis zu 21-prozentigen Erhöhungen bei den Erzieherinnen führen würden. Was Verdi da vorschwebt, würde das Tarifgefüge im öffentlichen Dienst erheblich stören. Das können wir nicht zulassen. Die Erzieherinnen stehen gut da, weil wir 2009 schon deutliche Verbesserungen bei der Eingruppierung vorgenommen haben. Bei alledem muss man zudem immer im Hinterkopf haben, dass viele Kommunen nicht im Geld schwimmen.

Wie teuer wäre eine Eins-zu-eins-Umsetzung der Verdi-Forderung?

Hoffmann Wir sprechen über eine halbe Milliarde Euro allein für die Erzieherinnen. Das ist eine sehr heftige Forderung. Verdi verwechselt die Eingruppierungsverhandlungen mit einer Lohnrunde. Wir sind ja bereit über einzelne Veränderungen bei der Eingruppierung zu verhandeln, aber eine pauschale Erhöhung ist nicht drin.

Über welche Dinge könnten Sie verhandeln?

Hoffmann Wir reden ja zum Beispiel über die Bezahlung von Kita-Leitungen. Da muss man hinterfragen, ob eine Bezahlung ausschließlich auf Grundlage der Anzahl der Kinder noch zeitgemäß ist. Schließlich gibt es genügend neu hinzugekommene Aspekte. Bei den heutigen Verhandlungen werden wir dann auch über die Erzieherinnen und Erzieher reden.

Die Gewerkschaft Verdi argumentiert unter anderem damit, dass die Anforderungen für die Mitarbeiter gestiegen seien. Sind die Jobs im Sozial- und Erziehungsdienst schwieriger geworden?

Hoffmann Die Tätigkeiten sind wichtige Aufgaben. Wir schätzen das, was die Erzieherinnen leisten sehr. Wie überall haben sich Veränderungen ergeben, aber das haben wir schon 2009 berücksichtigt.

In den kommenden Jahren dürfte es für Sie schwieriger werden, geeignetes Personal für den Sozial- und Erziehungsdienst zu gewinnen. Wieso sträuben sie sich dagegen, die wichtigen Berufe attraktiver zu machen?

Hoffmann Es ist richtig, dass wir in den letzten Jahren durch zahlreiche politische Entscheidungen - also etwa den Rechtsanspruch auf die Betreuung von unter Dreijährigen - einen erheblich größeren Bedarf an Personal haben. Auf der anderen Seite haben wir aber nicht den Eindruck, dass der Beruf unattraktiv ist. Die Schulen sind voll. Und die Prognosen zeigen, dass wir nicht auf Dauer einen Erziehermangel bekommen. Es gibt regionale Unterschiede. In einigen Großstädten ist es aktuell schwierig, den Fachkräftebedarf im Sozial- und Erziehungsdienst zu decken.

Die Gewerkschaft Verdi hat bereits Pläne für weitere massive Warnstreiks in der Schublade. Wie beurteilen Sie die derzeit laufende Eskalation der Tarifauseinandersetzung?

Hoffmann Ich finde das bedauerlich. Dass Gewerkschaften Mitgliederwerbung betreiben, ist ja legitim. Aber in so einer frühen Verhandlungsphase derart massiv zu Warnstreiks aufzurufen, hat eine neue Qualität und ist ein Problem. Schließlich reden wir hier über eine gravierende Belastung für die Kinder und ihre Eltern.

Werden Sie es schaffen, zu den bereits vereinbarten Terminen fertig zu werden? Oder müssen wir uns auf einen Tarifkonflikt mit Streiks womöglich bis in den Herbst einstellen?

Hoffmann Wir werden alles Vertretbare dafür tun, um das zu vermeiden. Wenn die Gewerkschaften es aber darauf anlegen, werden wir einen langwierigen Tarifkonflikt nicht verhindern können. Ich kann nur an sie appellieren, sich auf ernsthafte inhaltliche Gespräche einzulassen.

Ist beim Sozial- und Erziehungsdienst eine Form von Schlichtung vorgesehen?

Hoffmann Wir haben keine Erfahrungen bei Schlichtungen in Eingruppierungsverhandlungen. Dafür ist das Thema zu kompliziert. So etwas macht nur in reinen Lohnrunden Sinn.

Sie werfen Verdi aber doch vor, die Eingruppierungsrunde zur Lohnrunde zu machen. Also doch ein Ansatz für eine Schlichtung?

Hoffmann Es bleibt dabei, wir müssen in ernsthaften Verhandlungen eine Lösung finden.

MAXIMILIAN PLÜCK FÜHRTE DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
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