Die Telekom wollte undichte Stellen beim Management oder im Aufsichtsrat aufspüren
Immer wieder hatte der Journalist Reinhard Kowalewsky in dem Wirtschaftsmagazin „Capital“ über Telekom-Interna berichtet. In den Texten kamen besonders der frühere Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke und der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Zumwinkel schlecht weg.
Verdächtig war den Auftraggebern unter anderem der damalige Betriebsratschef Wilhelm Wegner.
Mit der Auswertung der Daten beauftragt wurde der Recherchedienst network.deutschland. Unter anderem wurden alle Festnetzdaten von verschiedenen Journalisten mit denen von drei Aufsichtsräten aus dem Arbeitnehmerflügel abgeglichen
Die Aufsichtsräte der Telekom aus dem Arbeitnehmerflügel erstatteten inzwischen Anzeige.
Die wichtigste Frage der Staatsanwaltschaft: Wer gab den Auftrag für die Bespitzelung?
Bisher gibt niemand bei der Telekom zu, von der Bespitzelung gewusst zu haben.
Der Chef des Recherchedienstes sagt, der Auftrag sei „von ganz oben“ erteilt worden. 2005 stand dem Unternehmen Kai-Uwe Ricke vor.
Doch auch der derzeitige Telekom-Chef René Obermann steht unter Verdacht: Schon im Sommer 2007 wurde der Telekom bekannt, dass ein Journalist bespitzelt worden war. Der Konzern informierte den betroffenen Journalisten jedoch nicht.
Die Rechtfertigung: Die Konzernleitung ließ ausrichten, man sei davon ausgegangen, "dass es sich um einen Einzelfall handelt."
Angeblich wurden im Auftrag der Telekom auch mehrere Journalisten beschattet und ein "Maulwurf" in die redaktion von "Capital" eingeschleust.
Wie groß das Ausmaß der Spitzelaffäre ist, ist noch nicht bekannt. Bisher hat die Telekom eingeräumt, dass 2005 und 2006 Telefonverbindungen ausgewertet wurden.
Zwei Zeitungen melden aber: Auch unter Ron Sommer wurden Journalisten ausgespäht.
Damals wurde eine von ehemaligen Geheimdienstlern betriebene Detektei beauftragt.
Möglich ist auch, dass die Telekom jahrelang ein Spitzelsystem gegen Journalisten und Spitzenkräfte unterhalten hat.