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Gartengeräte
Die Laut-Sauger sind wieder da

Gartengeräte: Die Laut-Sauger sind wieder da
Einige verteufeln ihn, andere schätzen den Laubsauger als nützlichen Helfer. FOTO: RPO
Düsseldorf. Kein Gartengerät polarisiert so sehr wie der Laubsauger. Der Trend zu den elektro- oder benzinbetriebenen Helfern ist ungebrochen, obwohl ihr Nutzen von Kritikern bezweifelt wird und der Lärm manch gute Nachbarschaft strapaziert. Von Oliver Burwig

Mit bis zu 300 Kilometern pro Stunde blasen sie Rasenschnitt und welkes Laub weg, sie können saugen, wo der Gärtner sonst nur harken kann, und stehen in der Kritik, seit sie durch idyllische Herbstlandschaften röhren. Laubsauger und -bläser versprechen eine Arbeitserleichterung, Gartenbaubetriebe und Kommunen setzen auf sie, die Zahl ihrer Anbieter wächst. Gärtner können sich ihren windigen Helfer auch online kaufen und finden dabei eine Auswahl vor, die sich preislich zwischen 35 Euro und vierstelligen Beträgen entfaltet. Dabei ist von Billigheimern abzuraten, und wer ein Profigerät kauft, muss sich auch damit an die Spielregeln halten.

Zwischen 20 Uhr abends und 7 Uhr morgens darf in Ortschaften kein lautes Gerät benutzt werden, Sonn- und Feiertage sind tabu. Das sieht die Bundesverordnung für Lärmschutz vor. Laubbläser sind darin sogar als eigener Posten aufgeführt, ihre Nutzung ist zusätzlich auf die Zeit von 9 bis 13 Uhr und 15 bis 17 Uhr begrenzt. Viel Zeit zum Blätterpusten bleibt Berufstätigen da nicht, sagt Claudia Bernau vom Umweltamt Düsseldorf: "Es bleibt eigentlich nur der Samstag." Kommunen und Betriebe können bei außergewöhnlichen Umständen allerdings eine Sondererlaubnis beantragen. Privatleuten rät sie zu Besen und Rechen, auch zum Schutz der Gesundheit. Denn neben Lärm - bei einigen Geräten bis zu 110 Dezibel, das Niveau eines Presslufthammers - sorgen Laubsauger bei trockenem Wetter auch für Staub, der nicht eingeatmet werden sollte.

Markt ist hart umkämpft

Weder Schutzbrille noch Gehör- oder Mundschutz sind Pflicht, Geräte mit einer Lautstärke über 75 Dezibel müssen aber das Kopfhörer-Symbol zeigen, erklärt Hubert Behner vom Industrieverband Garten. 80 bis 100.000 Geräte werden ihm zufolge in Deutschland jährlich verkauft, die meisten an Unternehmen. Etwa die Hälfte der Laubsauger und -bläser seien Benziner, der Rest Elektrogeräte mit Kabel oder Akku. Zahlen des Instituts für Handelsforschung in Köln belegen, dass die meisten Kunden Baumärkte und Fachhandel dem Onlineshop vorziehen: Von 18 Milliarden Gartengeräten wurden 2015 nur 600 Millionen im Internet gekauft. "Diese Zahl hat sich seit 2005 verfünffacht", sagt Behner. Der Anteil der Hobbygärtner unter den Kunden habe sich jedoch nicht merklich erhöht.

Wer sich bei Amazon auf die Suche macht, entdeckt neben Herstellern wie Bosch, Gardena, Makita und Husqvarna auch unbekanntere Marken wie Akita oder Ikra, die ihre Produkte zum Teil für unter 40 Euro anbieten. Entsprechend durchwachsen fallen die Kundenbewertungen aus. Der Akita LSH 2600 (günstigstes Angebot: 39,97 Euro) wurde 520 mal bewertet, mehr als 100 mal als durchschnittlich oder schlecht. Der Sauger teile mit vielen anderen Billigmodellen ein Problem: Der Auffangsack, in den das Laub gesaugt wird, sei zu schlecht verarbeitet.

Auch große Marken sparen mitunter am falschen Ende: Der Bosch ALS 25 (73,50 Euro) fällt in vielen Bewertungen negativ auf, weil das Häckslerrad, das die Blätter zerkleinert, aus Plastik gefertigt und als Ersatzteil nicht zu bekommen sei. Beim Gardena Ergojet 3000 (73,95 Euro) werden Reißverschluss und Haltbarkeit des Auffangsacks kritisiert. Viele Kunden vermelden aber auch, mit den genannten Saugern gute Erfahrungen gemacht zu haben - oft allerdings schon nach ein- oder zweimaliger Benutzung.

Gefahr für die Umwelt

"Wer billigt kauft, kauft zweimal", sagt Philipp Heldt von der Verbraucherzentrale NRW. Auch für Privatanwender sei durchaus ein Profigerät zu empfehlen, da bei Markenprodukten Ersatzteile leichter und länger zu beschaffen seien. "Wenn der Laubsauger nur gelegentlich gebraucht wird, kann man ihn sich ja auch mit seinen Nachbarn teilen", schlägt Heldt vor. Obwohl er die Geräte als "ungemein praktisch" einschätzt, warnt Heldt auch vor den Umweltbelastungen: Viele nützliche Kleintiere würden weggesaugt und getötet, und auch im Blasbetrieb bringe man den Lebensraum Garten durcheinander.

Die Stiftung Warentest hat Laubsauger noch nie in ihre Tests aufgenommen, zu den Gründen macht sie keine Angabe. Die Vergabestelle der Umweltplakette "Blauer Engel" nimmt eine deutliche Ablehnungshaltung ein: "Laubsauger sollten nicht im privaten Bereich eingesetzt werden", sagt Elke Kreowski. Noch nie habe ein Laubsauger den "Engel" bekommen. Durch die Entwicklung wesentlich leiserer Akkugeräte könne sich das aber bald ändern: "Wir prüfen das derzeit."

Quelle: RP
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