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Kolumne Die Ökonomin
Die Lehren aus Fukushima

Die Lehren aus Fukushima
FOTO: RP
Vor fünf Jahren kam es zur Atomkatastrophe. Das hat auch Deutschland verändert. Heute gibt es kaum eine Energie, die Steuerzahler oder Stromkunden nicht subventionieren. Von Antje Höning

Am 11. März 2011 bebte in Japan die Erde. Die Flutwelle riss Häuser, Straßen und Menschen mit. Im Atomkraftwerk Fukushima kam es zur Kernschmelze. 10.000 Menschen verloren ihr Leben. Japan kämpft bis heute mit den Folgen der Verstrahlung. Doch von der Atomkraft lässt das rohstoffarme Land nicht ab. Anders Deutschland. In einer Reaktion zwischen Panik und Populismus ließ die Kanzlerin 2011 sieben Meiler sofort abschalten und verkündete den Komplett-Ausstieg bis 2022. Seither ist für Energiebranche und Stromkunden nichts mehr, wie es war. Die Lehren:

Erstens: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Man kann Merkels Wende mit gutem Grund kritisieren, doch Politik setzt nun mal den Rahmen. Und an den passten sich die Konzerne viel zu spät an. Jahrelang sahen sie dem Verfall ihres Geschäftsmodells zu. Eon hat seit 2011 zwei Drittel seines Wertes verloren, RWE fast 80 Prozent. Nun versuchen beide, per Aufspaltung aus der Krise zu kommen, Untergang nicht ausgeschlossen.

Luftaufnahmen des Atomkraftwerks Fukushima FOTO: AFP

Zweitens: Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf. Heute gibt es kaum eine Energie, die nicht vom deutschen Steuerzahler oder Stromkunden subventioniert wird: Ökostrom-Umlage für Windräder, Milliarden für Braunkohle-Reserve, Steinkohle-Subventionen (noch), Milliarden fürs Atom-Endlager. Konzerne nehmen Arbeitnehmer und Städte in Geiselhaft, um Staatshilfe durchzusetzen.

Drittens: Wer A sagt, muss auch B sagen. Das fällt vielen Klimafreunden schwer. Alle wollen den Ökostrom-Ausbau (auf 60 Prozent bis 2050), aber keiner Masten vor der Tür. Dabei sind neue Strom-Autobahnen zwingend, um Windstrom von der Küste in die süddeutschen Industriezentren zu bringen. Fukushima ist noch lange nicht vorbei.

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