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Erdöl-Dynastie
Die Rockefellers entdecken ihr grünes Gewissen

Die Rockefellers entdecken ihr grünes Gewissen - Ausstieg aus fossilen Brennstoffen
Rockefeller mal sechs im Jahr 1937 (von links): John D. Rockefeller sowie seine Söhne David, Nelson, Winthrop, Laurance und John D. III. FOTO: Rex Features
Düsseldorf. Die für ihren sagenhaften Reichtum bekannte Erdöl-Dynastie will ihre ExxonMobil-Anteile loswerden. Der Konzern reagiert verärgert. Von Maximilian Plück

Fossile Energieträger sind nicht mehr en vogue. Der Stromkonzern Vattenfall ist gerade bemüht, seinen Braunkohletagebau in der Lausitz loszuwerden. Schmutzige Kohleverstromung passt so gar nicht zum Image des grünen Energieerzeugers, so das Kalkül der Schweden. Auch der Münchener Versicherungskonzern Allianz hatte jüngst erklärt, nicht mehr in Bergbau- und Energieunternehmen investieren zu wollen. Und so passt die Nachricht aus New York ins Bild, dass der 1967 gegründete Rockefeller Family Fund (RFF) seine Anteile am Rohstoff-Riesen ExxonMobil loswerden will. Begründung: dessen "moralisch verwerfliche Geschäftspraktiken".

Dieser Sinneswandel entbehrt nicht einer gewissen Ironie, waren es doch gerade die fossilen Rohstoffe, die der amerikanischen Familie ihren legendären Reichtum bescherten. Erdöl-Mogul John D. Rockefeller besaß in seinem Todesjahr 1937 laut "Forbes Magazine" ein sagenhaftes Vermögen in Höhe von 1,53 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der USA - umgerechnet auf die heutige Zeit wären das 257 Milliarden Dollar. Das entspräche gleich dreimal den kompletten Kosten, die im vergangenen Jahr durch alle Katastrophen rund um den Globus entstanden sind.

Die Rockefeller-Erben, inzwischen vor allem eher Mäzenen denn Unternehmer, hatten wohl schon länger mit einem Rückzug aus dem Geschäft mit fossilen Brennstoffen geliebäugelt: 2010 hatte der ebenfalls zur Familie gehörende Rockefeller Brothers Fund (RBF) erklärt, man werde sich stärker bei den erneuerbaren Energien engagieren, 2014 dann - der Fonds war damals 860 Millionen Dollar schwer - kündigte er den schrittweisen Rückzug aus den fossilen Energien an. Zunächst sollte das Portfolio um Anlagen in Kohle und Ölsand bereinigt werden, die anderen fossilen Brennstoffe kamen auf den Prüfstand.

Dass nun auch der RFF seine ExxonMobil-Anteile auf den Markt werfen will, hat eine besondere Dimension, handelt es sich doch um ein Ur-Rockefeller-Unternehmen. Die US-Regierung ließ John D. Rockefellers Monopolgesellschaft Standard Oil 1911 aus kartellrechtlichen Gründen zerschlagen. Die Firmen Exxon (ehemals Standard Oil of New Jersey) und Mobil Oil (ehemals Standard Oil Company of New York) gründeten sich und fusionierten erst 1999 nach geänderter Rechtslage wieder zum größten Öl-Konzern der Welt - im Prinzip einer Wiederauferstehung von Standard Oil.

Konzern reagiert verschnupft

Der in Texas beheimatete Konzern reagierte verärgert auf den angekündigten Ausstieg des RFF. ExxonMobil stößt sich vor allem an den schweren Vorwürfen des Fonds. Dieser hatte behauptet, Exxon habe über Jahrzehnte versucht, die Risiken des Klimawandels zu verschleiern: "Es gibt Anzeichen, die nahelegen, dass das Unternehmen seit den 80er Jahren darauf hinarbeitete, die Öffentlichkeit zum Ablauf des Klimawandels zu verwirren", erklärte die wohltätige Organisation. Man habe daher nun entschieden, auf Distanz zu gehen und sich von den Exxon-Aktien zu trennen. "Wir können nicht mit einem Unternehmen in Verbindung gebracht werden, das gegenüber dem öffentlichen Interesse scheinbar so eine Verachtung an den Tag legt." Im November hatten US-Medien berichtet, dass die Staatsanwaltschaft in New York gegen Exxon ermittle. Der Konzern wird verdächtigt, Studien zu den Folgen des Klimawandels manipuliert zu haben.

Der Rohstoff-Multi returnierte die Vorwürfe: "Der Rückzug ist nicht überraschend, da sie bereits eine Verschwörung gegen uns finanzieren", sagte ein Exxon-Sprecher. Der RFF stelle seinerseits Mittel für "gezielt irreführende" Berichte über Exxons Forschung zum Klimawandel bereit, so der Sprecher, ohne jedoch Belege dafür zu nennen.

Neben der moralischen dürfte der Ausstieg auch eine finanzielle Dimension haben. Schließlich lässt sich mit fossiler Energie - insbesondere mit Öl - wegen des Preisverfalls weniger Geld verdienen. Die ExxonMobil-Aktie hat seit dem Sommer des Jahres 2014 knapp 20 Prozent an Wert verloren. Wie viele Anteile der Fonds gegenwärtig noch hält, ließ er offen.

Quelle: RP
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