Milliardenschaden: Die "schmutzigen Geschäfte" der Apotheken
zuletzt aktualisiert: 20.07.2005 - 15:21Berlin (rpo). Zwischen dem Gesundheitsökonomen Karl Lauterbach und den deutschen Apotheken ist es zu einer handfesten Auseinandersetzung kekommen. Lauterbach wirft den Apotheken vor, reglmäßig überteuerte Medikamente zu verkaufen und dafür auch noch von den Pharmafirmen dicke Rabatte einzustreichen. Der jährliche Schaden soll bis zu drei Milliarden Euro betragen.
"Es ist das schmutzige Geschäft der Apotheker, das sie sich solche Geschenke machen lassen", sagte Lauterbach der "Berliner Zeitung". Den Schaden für das Gesundheitswesen schätzte er auf zwei bis drei Milliarden Euro im Jahr. Die Apotheker wiesen den Vorwurf am Mittwoch zurück und beschuldigten Lauterbach, mit unlauteren Zahlen zu operieren.
Seit der Gesundheitsreform können Ärzte statt eines bestimmten Medikaments nur den Wirkstoff verschreiben; die Apotheker sind gehalten, die günstigsten Arzneimittel abzugeben. Auch unter den Nachahmerpräparaten, den so genannten Generika, gibt es jedoch Preisunterschiede.
Zwei bekommen, eine bezahlen
Der Deutsche Generikaverband als Vertreter besonders preiswert anbietender Hersteller kritisierte in der Zeitung, dass die großen Konkurrenten den Apotheken Naturalrabatte in Form von Gratispackungen gewährten.
"Es ist nicht unüblich, dass Apotheker von diesen Firmen für jede bezahlte Packung eine weitere Packung geschenkt bekommen", sagte Verbandsvorsitzender Peter Kraus. Diese kostenlos bezogenen Medikamente rechneten sie später zum vollen Preis bei den Krankenkassen ab.
Lauterbach sagte, durch die Rabatt-Praxis der Pharmahersteller würden die Arzneimittelausgaben künstlich hoch gehalten. Der Berater von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt forderte eine radikale Reform des Verfahrens in den Apotheken. Er habe Schmidt vorgeschlagen, den Krankenkassen zu gestatten, per Ausschreibung den billigsten Hersteller unter Vertrag zu nehmen. Die Apotheken müssen dem Versicherten dann das Generika-Präparat aushändigen, das seine Kasse ausgewählt habe.
BKK rügt Pharma-Marketing zu Lasten der Kassen
Die Naturalrabatte seien reines Pharma-Marketing, das am Ende die Kassen bezahlen müssten, rügte der Bundesverband der Betriebskrankenkassen. BKK-Sprecher Florian Lanz sagte, den Krankenkassen entstehe dadurch jährlich ein Schaden von über 500 Millionen, nach Schätzungen von Branchenkennern bis zu einer Milliarde Euro.
Einige Apotheken seien offenbar nur auf die eigene Gewinnmaximierung aus. Die Methoden seien seit Jahren bekannt, doch seien den Kassen die Hände gebunden. Ihre Selbstverwaltung habe das Problem schon 2003 durch einen Rahmenvertrag zu lösen versucht, doch reichten ihre rechtlichen Möglichkeiten dafür nicht aus.
"Apotheker schädigen mit Einkaufsrabatten überhaupt nicht das Gesundheitssystem", hielt der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), Heinz-Günter Wolf, entgegen. Sie bekämen zwar auf die Warenbezüge für die Arzneimittelversorgung der gesetzlich Krankenversicherten Skonto und Rabatte von 450 Millionen Euro, gewährten den Krankenkassen aber gleichzeitig Verkaufsrabatte von 1,2 Milliarden Euro.
"Lauterbach kriminalisiert ohne Not einen ganzen Berufsstand", sagte Wolf. Er warf ihm vor, mit unfairen Mitteln zu kämpfen, und wies darauf hin, dass der Ökonom im Wahlkampf für ein Bundestagsmandat steht.
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