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Wirtschaft Im Wandel Bits-To-Dots (2/20)
Die Spezialisten für Musterverpackungen

Jahrelang haben die Berrenbaums Folienverpackungen hergestellt. Dann brach das Geschäftsmodell weg. In der Krise erfand sich das Familien-Unternehmen neu. Heute liefert Bits-to-dots an große Hersteller wie Henkel und Haribo. Von Florian Rinke

Langenfeld Mit einem Ruck reißt Andrea Berrenbaum die beiden Schranktüren auf: Windeln, Würstchen, Waschmittel. Auf sechs Regalbrettern steht ein Supermarkt im Mini-Format. Ein Markenprodukt reiht sich an das nächste, manches kommt einem bekannt vor, anderes nicht. "Einiges davon war gar nicht für den deutschen Markt bestimmt", sagt die Unternehmerin. Dann schließt sie die Türen und geht in die benachbarte Halle, wo gerade für einen Schokoladen-Hersteller die Folie für eine überdimensionale Praline bedruckt wird.

Die Supermarkt-Produkte und die Riesen-Praline gehören zum Geschäft des Langenfelder Unternehmens Bits-to-dots, das es beinahe gar nicht gegeben hätte. Denn um zum erfolgreichen Hersteller von Musterverpackungen zu werden, mussten die Berrenbaums erstmal durch eine tiefe Krise gehen: die Insolvenz. 14 Jahre ist es her, dass sie das Familienunternehmen aufgeben und unter anderem Namen neu starten mussten. Doch die Erinnerungen an diese Zeit sind immer noch frisch. "Wir haben damals viel verdient, aber auf Hartz-IV-Niveau gelebt, weil alle Banken Geld von uns wollten", sagt Frank Berrenbaum. "Ohne den Kredit meiner Eltern hätten wir es nicht geschafft", sagt Andrea Berrenbaum. "Es war nicht leicht, die Insolvenz als Kind mitzuerleben. An einem Tag hatte man noch ein normales Leben, und am nächsten war alles anders", sagt Tochter Meike Berrenbaum.

1952 hatte Hubert Berrenbaum damit angefangen, Verpackungen für die Solinger Stahlwaren-Industrie herzustellen, für Scheren, Messer, Besteck. Die Folie wurde damals noch mit einer Art Lötkolben verschmolzen, natürlich in Handarbeit. "Damals war eine Folienverpackung noch etwas ganz besonderes", sagt Andrea Berrenbaum: "Die hat das Produkt richtig aufgewertet." Das Geschäft lief gut, und es ging weiter aufwärts, als Sohn Frank 1969 in den Betrieb einstieg und ihn mit erst 19 Jahren übernahm. Sein Vater, der erst spät aus dem Krieg heimgekehrt war, setzte sich zur Ruhe, fortan arbeitete Frank Berrenbaum daher für den Betrieb - und das Maschinenbaustudium. "Ich war der einzige Student, der sein Zimmer selbst mieten konnte", erinnert er sich heute lachend. Unter Frank Berrenbaum wurde die Produktion automatisiert. Aus der Folienverpackung wurde ein Massenprodukt.

Doch ab den 80er-Jahren wurde das Geschäft schwieriger. "Es war ein schleichender Prozess", sagt Frank Berrenbaum. Denn die Solinger Hersteller begannen, ihre Produktion nach Asien zu verlagern und dort zu verpacken. "Nach und nach sind uns immer mehr Kunden weggebrochen", sagt Berrenbaum. Also verkaufte die Familie 1999 die alten Maschinen, setzte fortan auf den Digitaldruck, mit dem die ersten Musterverpackungen gedruckt wurden. Doch schon drei Jahre später führte ein Streit mit einem Drucker-Hersteller für die Berrenbaum GmbH in die Insolvenz. "Damals habe ich von meinen Eltern gelernt, dass man scheitern kann - und trotzdem gestärkt aus so einer Krise herausgeht", sagt Meike Berrenbaum. Aufgeben kam für die Familie nicht infrage. Fortan konzentrierte sie sich auf die Produktion von Musterverpackungen, Andrea Berrenbaum kaufte mit einem Kredit ihrer Eltern die Druckmaschinen aus der Insolvenzmasse und meldete ein neues Unternehmen an: Bits-to-dots.

"Für Muster wurde damals eigentlich nichts bezahlt", sagt Andrea Berrenbaum. Doch aus ihrer Erfahrung wussten die Unternehmer, dass diese Muster für viele Firmen viel Arbeit bedeuteten. Viele Drucker seien nicht auf so kleine Stückzahlen ausgelegt. Doch die Drucker der Berrenbaums konnten genau das, weil Frank Berrenbaum sie immer wieder selbst optimierte. "Die großen Folienhersteller waren froh, dass sie die Arbeit abgeben konnten,", sagen die Beerenbaums. In der Nische kehrte der Erfolg zurück. Heute druckt Bits-to-dots Musterverpackungen für große Konsumgüterhersteller und verschickt die Muster möglicher künftiger Kassenschlager in 65 Länder weltweit. Das zwölfköpfige Team steht für Wachstumsraten von 20 bis 40 Prozent. "Als Jugendliche habe ich völlig ausgeschlossen, den Betrieb zu übernehmen", sagt die 25-jährige Meike Berrenbaum. Inzwischen hat sie ihre Meinung geändert. Genau wie ihre Eltern wird sie die Verantwortung allerdings nicht alleine tragen. Auch ihr Freund ist inzwischen Teil von "Bits-to-dots". Der Supermarkt im Wandschrank kann weiter wachsen.

Quelle: RP
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