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Düsseldorf
Die traurigen Aktionäre der Metro

Düsseldorf. Die Hauptversammlung billigt die deutliche Dividendensteigerung, aber die Kursentwicklung bleibt enttäuschend. Von Georg Winters

Elf Prozent Dividendensteigerung sind für Aktionäre kein Grund, in maßlose Traurigkeit zu verfallen. Insofern könnten sich Anteilseigner des Handelskonzerns Metro über die Ausschüttung von einem Euro je Stammaktie für das Geschäftsjahr 2014/15 eigentlich freuen. Doch bei einigen Miteigentümern der Metro war gestern in der Hauptversammlung die Enttäuschung deutlich spürbar - Enttäuschung darüber, dass der Konzern in den vergangenen sechs Jahren ungefähr 40 Prozent seines Wertes verloren hat, Enttäuschung darüber, dass es bei der Dauerbaustelle Real nicht recht voranzugehen scheint, Enttäuschung darüber, dass sich bei manchen kein rechtes Gefühl dafür einstellen mag, auf welchem Streckenabschnitt sich die Metro auf ihrem Weg des Umbaus gerade befindet.

Für Konzernchef Olaf Koch ist die Sache klar. Er sieht die Neupositionierung abgeschlossen, wird nicht müde, die Fortschritte bei Cash& Carry und Media Saturn zu betonen, verweist immer wieder darauf, dass Real Deutschland immer noch eine wichtige Rolle spielt in der Strategie des Konzerns, aber wegen der hohen Personalkosten gegenüber einigen Wettbewerbern so sehr im Nachteil sei. Real verdient bei einer Ebit-Marge von 1,1 Prozent nicht mal seine Kapitalkosten. Und ob die angestrebte Margenverbesserung auf zwei Prozent ausreichen würde, die Profitabilitätsansprüche der Eigentümer zu befriedigen, darf bezweifelt werden.

Einer dieser Eigentümer ist der Duisburger Familienclan Haniel, der in Franz Markus Haniel bis gestern auch den Aufsichtsratsvorsitzenden stellte. Doch die Zeiten, in denen das Familienimperium von der Ruhr der beherrschende Faktor bei der Metro war, sind vorbei. Haniel hat den Posten des Chefkontrolleurs abgegeben und ist künftig im Kontrollgremium durch seinen Finanzvorstand Florian Funck vertreten - aber "nur" noch als einfaches Mitglied. Künftig wird Jürgen Steinemann den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen. Der 57-Jährige leitete bis September des vergangenen Jahres den Schweizer Konzern Callebaut, den weltgrößten Hersteller von Schokolade und Kakaoprodukten. Neben ihm zieht unter anderem die Deutsche-Bank-Managerin Karin Dohm in den Aufsichtsrat ein.

Haniel gehört zu jenen, die am meisten unter dem Kursverfall der Metro-Aktie leiden. Allein in den vergangenen fünf Jahren hat sich der Preis mehr als halbiert. Es bleibt die Hoffnung darauf, dass die Börse Kochs Wachstumspläne honoriert. Gestern verlor die Aktie erneut zwei Prozent und notierte unter 24 Euro. Dass sie im kommenden Jahr gleich ein Viertel zulegt und damit den Zielwert der Aktionärschützerin Jella Benner-Heinacher (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz) erreicht ("30 Euro plus"), ist erst einmal nur Wunsch.

Dabei ist Koch von seiner Wachstumsstrategie überzeugt wie eh und je. Die Veräußerung der Galeria-Kaufhof-Märkte und der Verkauf des Großhandelsgeschäfts in Vietnam haben Milliarden gebracht, und einen Teil davon will der Vorstandsvorsitzende in aussichtsreiche Unternehmen und neue Ideen investieren. Die Metro sei "sowohl bilanziell als auch finanziell bestens für eine neue Phase des Wachstums aufgestellt", sagte Koch, der die Nettoverschuldung auf 100 Millionen Euro zum Jahresende gedrückt hatte.

Doch auch Koch weiß um die Unsicherheiten des Handelsgeschäfts, vor allem außerhalb der Euro-Zone und hier besonders in Russland. Die Rubel-Schwäche hat den Konzern Umsatz gekostet, und der frühere Plan für einen Börsengang der russischen Cash&Carry-Märkte ist verworfen worden. "Wir haben uns von dem Gedanken getrennt", sagte Koch gestern. Das Vorhaben sei "unter den aktuellen Bedingungen nicht sinnvoll". In Russland steht etwa jeder elfte Cash&Carry-Markt-weltweit.

Quelle: RP
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