| 09.49 Uhr

Barcelona
Die Welt-Vernetzer von Rhein und Ruhr

Barcelona. Telekom, Huawei, aber auch viele Start-ups haben in NRW ihren Sitz - kein anderes deutsches Bundesland hat eine so starke Telekommunikationsindustrie. Dies zeigt sich auch auf der globalen Mobilfunkmesse in Barcelona. Von Reinhard Kowalewsky

Geht es um die Trends der Telekommunikation, geht der Blick oft zuerst in die USA oder nach Asien. Dabei zeigt sich bei der Mobilfunkmesse in Barcelona: Auch NRW braucht sich nicht zu verstecken. Drei Beispiele:

Virtual Reality erlaubt die dreidimensionale Betrachtung von Ereignissen - auch das Düsseldorfer Start-up A4VR mischt da mit. Es organisierte beim Songwettbewerb "Voice of Germany" einen Blick hinter die Kulissen per virtueller Realität. Jetzt sucht es neue Partner auf der Mobile World, dem wichtigsten Branchentreffen weltweit.

Die Telefonkonzerne werden zweitens künftig Milliarden Maschinen und Gegenstände miteinander verknüpfen. Hier spielt die Düsseldorfer Cumulocity mit ihren 40 Mitarbeitern eine wichtige Rolle: Die Ausgründung des Nokia Netzwerkgeschäftes hat den Industriestandard entwickelt, damit Mini-Funksender in Maschinen miteinander kommunizieren können. Geschäftsführer Bernd Groß ist zufrieden: "Viele Telefon- und Computerfirmen aus der ganzen Welt kaufen unsere Software ein, im vergangenen Jahr hat sich der Umsatz verdreifacht."

Aber auch für ganz banale Anwendungen gibt es aus NRW eine Lösung: Die 2Direct GmbH aus Schalksmühle im Sauerland verkauft Selfie-Stangen ab 7,99 Euro das Stück - das bringt zusammen mit anderem Zubehör für Smartphones wie Akkus oder Kopfhörer einen Umsatz von 30 Millionen Euro im Jahr, Tendenz steigend. "Wir haben die Ideen und unser Vertriebsnetz", sagt Claudio Oliveira, zuständiger Manager für den Aufbau neuer Geschäfte, "und bauen lassen wir günstig in China."

Die drei Firmen bestätigen, wie wichtig NRW als eines der Zentren der globalen Telekommunikationsindustrie ist. Knapp 90 der rund 2000 Ausstellerfirmen in Barcelona haben mindestens einen Standort in NRW - kein anderes Bundesland ist so stark vertreten. Mindestens 40.000 Menschen in NRW arbeiten in Telekommunikationsfirmen - inklusive Software- und Computerunternehmen kommen so mindestens 200.000 Arbeitsplätze zusammen.

Die Bonner Telekom ist größter Festnetzkonzern Europas und mit rund 160 Millionen Kunden einer der größten Mobilfunker der Welt. Vodafone Deutschland ist mit 15.000 Jobs zweitgrößtes Branchenunternehmen in Deutschland - fast 6000 der 14.000 Jobs sind in Düsseldorf und Ratingen. Am Rhein testet der Weltkonzern Vodafone jedes neue Smartphone. Und der Branchendritte Telefónica Deutschland hat eine seiner zwei Zentralen am Flughafen Düsseldorf, weil hier die 2014 übernommene E-Plus war - Vorstandschef Thorsten Dirks ist präsent in Barcelona.

Aber die Giganten sind nur ein Teil der Telekommunikationsszene. So ist mit Secusmart auch einer der weltweit führenden Entwickler von Sicherheitssoftware für Smartphones in Barcelona vertreten. Mit Software von Avinotec überträgt Straßen.NRW Live-Bilder von den Autobahnen ins Internet - jetzt suchen die Kölner in Barcelona Auftraggeber auch im Ausland, um etwa Sportveranstaltungen aufs Handy zu übertragen. Dabei hilft auch die Landesregierung, die für 15 Firmen wie auch Secusmart, Cumulocity und A4VR einen weiß gestrichenen Gemeinschaftsstand inklusive Verpflegung organisiert hat. "NRW ist Telekommunikationsstandort Nummer Eins in Deutschland", sagte NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) beim Besuch des Standes. Das wolle man demonstrieren.

Das registriert man auch im Ausland: Wegen der Nähe zu den Telefonkonzernen haben Chinas größte Anbieter für Smartphones und Netzwerke, Huawei und ZTE, ihre Europa- beziehungsweise Deutschland-Zentrale in der NRW-Landeshauptstadt untergebracht. Dies merkt man sogar bei der Anreise: Im Flugzeug von Düsseldorf nach Barcelona war knapp jeder zweite Passagier Chinese.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Barcelona: Die Welt-Vernetzer von Rhein und Ruhr


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.