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Berlin
Die Zuckerberg-Show: "Mögt mich!"

Berlin. Bei einem "Townhall Meeting" in Berlin beantwortet der Facebook-Chef ausgewählte Fragen ausgewählter Nutzer. Von Daniel Fiene

In der Arena Berlin, einer ehemaligen Omnibus-Fabrik unweit des Treptower Parks, hängen vor schwarzen Vorhängen Motivations-Plakate. "Scheitere härter" ist auf einem zu lesen. Und auf einmal steht er da, auf der kleinen Bühne: Mark Zuckerberg. Sonst ist der Chef des sozialen Netzwerks Facebook bei seinen Auftritten extatischen Jubel gewohnt. Doch in Berlin erhält der Internet-Milliardär bei seinem "Townhall Meeting" - einer Art Bürgersprechstunde - nur höflichen Applaus. Die 1000 handverlesenen Gäste bekommen dafür auf kritische Fragen auch nur vage Versprechungen und unkonkrete Gedanken.

Dabei hatte Zuckerberg im Vorfeld kaum etwas dem Zufall überlassen. Vor zwei Wochen hatte er die Fragen schon auf seinem Facebook-Profil eingesammelt. Kritisches wurde zwar nicht abgelehnt, jedoch wurden die Personen ausgesucht, die die Fragen stellen durften. So hatte sich Student Jonas Umland aus Potsdam mit einer Frage zum Thema Umgang mit Hasskommentaren beworben. "Wenige Tage später kam dann die Zusage, die Frage auf der Veranstaltung persönlich an Mark richten zu können", erzählt Umland. Facebook wollte die Frage nicht verändern. Allerdings sollte er sie so stellen, wie bei der Anmeldung. Zuckerbergs Antwort stellt den Studenten nur zum Teil zufrieden: "Ich fand es sehr gut, dass Mark klar sagte, dass es ein Problem gibt. Allerdings hätte ich mir gewünscht, wenn er gesagt hätte, wie Facebook exakt stärker gegen Hasskommentare vorgehen möchte."

"Wir müssen einen besseren Job machen", sagte Zuckerberg zum Umgang mit den Hassbotschaften. In seinen Nebensätzen versteckte er ein paar Details, die das Netzwerk bisher lieber verschwieg. 200 Kontrolleure, die über die Bertelsmann-Tochter Arvato in Berlin beschäftigt werden, prüfen jetzt zusätzlich gemeldete Kommentare. Weltweit sollen es einige Hundert sein — was angesichts der fast 1,6 Milliarden aktiven Nutzer extrem wenig ist. Beim Thema Privatsphäre lobte er die Deutschen, da sie das Thema weltweit voranbringen würden. Er mied es allerdings, auf die Enthüllungen von Edward Snowden und die aktuelle Debatte zwischen Apple und der US-Bundespolizei FBI um die Freigabe von verschlüsselten Smartphone-Daten einzugehen.

Dafür äußerte sich der Facebook-Gründer zur Flüchtlingskrise. Er lobte ausdrücklich die Haltung der Bundesregierung: "Die USA sollten sich Deutschland zum Vorbild nehmen." Nebenbei kündigte Zuckerberg an, dass demnächst alle Nutzer Zugriff auf eine bisherige Promi-Funktion bekämen und dann Live-Videos übertragen könnten.

Immer wieder stellte Zuckerberg einen Bezug zu Deutschland her. "Berlin und Facebook sind sich sehr ähnlich", erklärte er. "Beide sind zu einem Prozent fertig. Dieser Status gefällt mir sehr."

Das scheint Zuckerberg auch von seinem eigenen öffentlichen Bild zu glauben, an dem er kräftig feilt. Er postet verstärkt private Inhalte auf seiner Facebook-Seite und beantwortete in Berlin viele private Fragen. "Ich weiß jetzt, dass er sehr gerne Vater ist und seine Tochter badet und sein Hund nicht neidisch ist. Ich fand es inhaltlich leider sehr dünn", zog Teilnehmerin Lina Timm als Fazit. "Ich hätte gerne ein bisschen etwas über technische Innovationen gehört. Insgesamt bleibt bei mir der Eindruck, dass Zuckerberg keine Pläne verraten wollte. Die Strategie dahinter war eher, ihn als total sympathischen Typen rüberkommen zu lassen. Das haben sie geschafft."

Quelle: RP
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