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Mountain
Digital-Konzerne überrollen deutsche Firmen

Mountain. Diese Woche präsentieren Google und Co. Zahlen. Sie schaffen enorme Werte mit wenig Leuten. Das Grundeinkommen wird Thema. Von Reinhard Kowalewsky

Welche Frage wird diese Woche bei den US-Technikkonzernen am meisten für Aufregung sorgen? Hat Apple im Weihnachtsquartal weniger iPhones verkauft als im Jahr davor, als die neue 6er-Serie auf den Markt kam? Viele Marktkenner erwarten gesunkene Verkäufe, weil die überarbeiteten 6-S-Geräte nur minimal besser sind - und weil die Konkurrenz wie Samsung aus Korea zunehmend mächtig aufholt. Am Dienstag wird Apple-Chef Tim Cook die Zahlen verkünden - wir können gespannt sein.

Tatsächlich würde ein Rückschlag von Apple aber nur die Übermacht der US-Technikgiganten übertünchen. Apple, Google, Amazon und Facebook sind mit 1,3 Billionen Euro gemeinsam fast 400 Milliarden Euro mehr wert als die 30 wichtigsten deutschen Konzerne. Den Amerikanern wird mit ihren 406.000 Mitarbeitern eine höhere künftige Wertschöpfung zugetraut, als sie Siemens, Daimler, VW und 27 andere deutsche Konzerne mit 3,9 Millionen Menschen schaffen.

Die Ungleichheit hat Methode. "Software wird zunehmend wichtiger als Hardware", sagte Telekom-Chef Tim Höttges. Im Buch "The Second Machine Age" beschreiben die Bostoner Forscher Andrew McAfee und Erik Brynjolfsson, wie Roboter die Produktion zunehmend steuern, während Computer so "intelligent" werden, dass sie immer schwierigere Aufgaben selbst übernehmen. Das Thema ist so wichtig, dass es zum offiziellen Hauptthema beim aktuellen Weltwirtschaftsforum im Schweizer Davos wurde. "Stoppen kann man die Digitalisierung nicht. Wer sich ihr in den Weg stellt, wird überrollt", verkündet martialisch Bill McDermott, Vorstandschef von SAP, Deutschlands und Europas größtem Softwarekonzern. "Wenn man an allen Grenzen von der Zukunft umzingelt wird, muss man nachgeben", ergänzt Travis Kalanick, Chef des digitalen Autovermittlungsdienstes Uber, der die klassische Taxi-Branche ersetzen will. Wohin die Reise geht, zeigen am besten Apple, Facebook und Google.

Insgesamt hat Apple 110.000 Mitarbeiter, die Hälfte der Beschäftigten arbeitet relativ schlecht bezahlt in den Apple-Shops rund um die Welt. Wenige zehntausend Experten verdienen weit über 100.000 Euro im Jahr, die Kollegen in den Fabriken der chinesischen Partner nur einige hundert Euro im Monat. Noch extremer hat Facebook das Prinzip des minimalen Personaleinsatzes für ein maximales Ergebnis perfektioniert. Nur 12.000 Beschäftigte hat das Unternehmen. Fast die ganze Arbeit der inhaltlichen Pflege erledigen die Nutzer des Netzwerks - und Facebook profitiert davon mit reingeschalteter Werbung.

Wenig menschliche Arbeit, extreme Digitalisierung, ein neuer Sprung der Produktivität - das ist der Trend der neuen industriellen Revolution. Google ist dabei ohne Zweifel einer der Vorreiter: Als reine Suchmaschine ist Google nichts anderes als ein gigantisches Softwareprogramm. Geld wird verdient mit Werbung - und dieser Werbeplatz wird digital versteigert. Ein ähnlicher Sprung nach vorne steht vielen Fabriken bevor: Maschinen bestellen heute schon ihren Nachschub selber - Stichwort "Industrie 4.0".

Schöne neue Welt der digitalen Produktion? Viele Experten sind skeptisch, weil sie den Verlust von Millionen von Arbeitsplätzen befürchten. Im Fachbuch "The Second Machine Age" fordern die Autoren eine deutlich bessere Bildung der Bevölkerung, damit diese auf höherwertige Tätigkeiten und auf Dienstleistungen umsatteln kann. Ein Grundeinkommen für alle Bürger könne notwendig werden, schlägt Telekom-Chef Tim Höttges vor - mit Gewinnen, die aus digitaler Wertschöpfung besteuert werden, sagt er. Rückendeckung gibt es für diesen Vorschlag von Bernd Leukert, Vorstand von SAP: "Davon würden auch jene profitieren, die höhere Gehälter beziehen. Wenn wir an dieser Stelle nichts tun, droht die Gesellschaft auseinanderzubrechen."

Quelle: RP
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