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Düsseldorf
Digitalisierung - Chance auch für die alte Welt

Düsseldorf. In Düsseldorf diskutierte eine prominente Runde darüber, wie Europa wieder Anschluss finden kann. Von Florian Rinke

Günther Oettinger verspätet sich etwas, es ist ein Sinnbild für die europäische Digitalisierung, die bislang so viele Chancen hat liegen lassen. Europa wurde abgehängt von den US-Digitalfirmen, von Google, Facebook, Apple. Was kann der alte Kontinent tun, um wieder Anschluss zu finden? Darüber diskutierte der EU-Digitalkommissar gestern Abend mit Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger und dem Vorsitzenden der Atlantik-Brücke, Friedrich Merz. "Industrie 4.0 im Standortwettbewerb zwischen Deutschland, Europa und den USA" hieß das Thema der Veranstaltung der Atlantik-Brücke, die sich seit 60 Jahren um einen engen Austausch zwischen den USA und Europa bemüht.

Oettinger sieht in Europa noch vieles im Argen: Die Universitäten seien zu schlecht, es fehlten die europaweiten, grenzüberschreitenden Datenautobahnen. Die Unternehmen, speziell die Mittelständler, seien bei der Digitalisierung abgehängt worden. "Man könnte fast sagen: Wer in Europa noch kein Angebot von Google bekommen hat, muss einsehen, dass sein Laden stinklangweilig ist", scherzt Oettinger. Der Suchmaschinen-Betreiber sei längst ein Unternehmen geworden, das auch im Gesundheitsbereich forsche und selbstfahrende Autos auf die Straße bringen wolle.

Schlechtes Zeichen für ThyssenKrupp? Konzernchef Hiesinger lacht: "Wir haben noch kein Angebot bekommen." Sorgen macht ihm das nicht: "Die Industrie ist viel kleinteiliger, die Anforderungen sind extrem hoch." Darin liegen die Chancen für die Unternehmen aus der alten Welt. Technologisch werde man die Digitalisierung meistern, wichtiger sei aber, die enge Bindung zum Kunden nicht zu verlieren. In der Stahlsparte arbeite man bereits mit einem System, bei dem Kunden online Aufträge einbuchen und kurzfristig ändern könnten. Ähnliches solle es bald überall geben. Hiesinger: "Jede unserer Einheiten muss ein Pilotprojekt zu Industrie 4.0 machen und eins zu Big Data."

Friedrich Merz sieht Europa ebenfalls noch nicht abgehängt. Die Unternehmen seien technologisch immer noch stark, sagt er. Wichtig sei für die Zukunft jedoch, für mehr Datensicherheit zu sorgen: "Speziell mittelständische Unternehmen haben eine enorme Angst, Daten in der Cloud abzulegen.". Diese müsse man ihnen nehmen. Nur dann könne die Digitalisierung gelingen.

Quelle: RP
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