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Stiftung Warentest
Dispozinsen noch zu hoch

Berlin. Stiftung Warentest klopfte mehr als 1400 deutsche Banken und Sparkassen auf Höhe und Transparenz ihrer Dispozinsen ab. Ergebnis: Fast alle Institute informieren ihre Kunden gut, verlangen aber noch immer zu viel Geld. Von Oliver Burwig

Trotz der anhaltenden Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank langen deutsche Banken ihren Kunden bei den Dispozinsen immer noch kräftig in die Tasche. Der jährliche Test aller Sparkassen und Banken durch die Finanzexperten der Stiftung Warentest dokumentiert, dass die Institute ihre Zinssätze zwar besser ausweisen als im Vorjahr (dazu sind sie seit März auch verpflichtet), aber immer noch zu hohe Zinsen fordern. Die schwarzen Schafe mit Dispozinsen jenseits der 13 Prozent sind vor allem Filialbanken im ländlichen Raum, deren Kunden oft keine Alternativen außer Online-Banking haben. Am schlechtesten schneiden wie im Vorjahr Volks- und Raiffeisenbanken ab.

Im Schnitt haben die 1433 Sparkassen und Banken ihre Dispozinsen seit 2015 um 0,3 Prozentpunkte gesenkt. "Das ist aber immer noch zu hoch", sagt Stephanie Pallasch, die die Warentest-Studie leitete. Es sei zwar positiv zu bewerten, dass die durchschnittlichen Dispozinsen knapp unter die Zehn-Prozent-Marke gefallen seien, angesichts der extrem niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt aber noch wesentlich tiefer liegen müssten. Einen Idealwert, an dem Verbraucher sich bei der Suche nach einer passenden Bank orientieren könnten, will Pallasch aber nicht nennen: "Dispozinsen sind kein eigenes Produkt, sondern immer nur im Gesamtpaket des Girokontos zu beurteilen." So würden einige Banken bei sogenannten Premiumkonten mit niedrigen Dispozinsen locken, die aber durch höhere Kontoführungsgebühren wieder aufgefressen würden. Verbraucher sollten bei der Wahl ihrer Bank auch darauf achten, ihr Geld kostenlos abheben zu können.

Weitere Kniffe der Kreditinstitute sind Pallasch zufolge, keinen fixen Zinssatz, sondern unverbindliche Zinsspannen ("siebeneinhalb bis zwölf Prozent") anzugeben oder die Dispo- oder geduldeten Überziehungszinsen (die Kunden beim Überschreiten des vertraglichen Disporahmens zahlen müssen) bonitätsabhängig zu berechnen. Mitunter werde der Dispozins auch an Werte wie den Drei-Monats-Euribor gebunden, die dem Bankkunden unbekannt seien.

Bei unverhohlen hohen Zinsen und fehlenden anderen Filialbanken wie im Fall der Rosbacher Volksbank (Rhein-Sieg-Kreis), die mit 13 Prozent Dispo- und 18 Prozent Überziehungszinsen die drittschlechtesten Zahlen im Test aufwies, rät Pallasch zu günstigeren Online-Direktbanken: "Es kommt natürlich immer darauf an, wie viel Beratung ein Kunde braucht." Wer dafür nur ein- oder zweimal im Jahr eine Filiale besuchen müsse, könne dafür auch in Kauf nehmen, "ein oder zwei Dörfer weiter" zu fahren.

Seit im März alle deutschen Geldinstitute mit eigener Website verpflichtet sind, ihre Dispo- und Überziehungszinsen online zu stellen, gibt es laut der Studie (einsehbar unter www.test.de/thema/dispozinsen) noch immer knapp 30, die ihre Zinssätze nicht eindeutig aufführen. Die Vierländer Volksbank in Hamburg macht sogar online gar keine Zinsangaben. "Die Banken haben es trotz der massiven Berichterstattung so lange hinausgezögert, wie sie konnten, ihre Zinsen offenzulegen", sagt Pallasch. Gleichzeitig weist die Finanzexpertin darauf hin, dass Kunden die Mitarbeiter der Banken auch selbst damit konfrontieren müssten, wenn Zinsen nicht einsehbar oder zu hoch seien. "Wir hoffen auch, dass der Wettbewerb und die neue Transparenz dafür sorgen werden, dass die Zinsen auf ein vernünftiges Maß sinken", so Pallasch.

Die Frage, welche Behörde die Transparenzpflicht eigentlich kontrolliert, konnten gestern weder das Bundes- noch das NRW-Justizministerium beantworten. Die Sachlage sei zu "differenziert", hieß es mehrere Stunden nach der Anfrage unserer Redaktion aus Berlin. Wenn ein Institut das Gesetz nicht beachte, könne ein Kunde in der Regel einen entstandenen Schaden einklagen, heißt es in Justizkreisen.

Quelle: RP
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