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Düsseldorf
Düsseldorfer Hypothekenbank muss erneut gerettet werden

Düsseldorf. Der Sicherungsfonds der Privatbanken fängt die Düsseldorfer auf. Das Problem sind ausstehende Millionenforderungen in Österreich. Von Georg Winters

Bis 2008 war die Düsseldorfer Hypothekenbank (Düsselhyp) den meisten Normalsterblichen in Deutschland vermutlich kein Begriff. Doch inmitten der Finanzkrise geriet das Institut, das vor allem gewerbliche Immobilienfinanzierung in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Spanien betreibt, in die Schlagzeilen: Die Rating-Agentur Fitch hatte die Bank als "ohne externe Unterstützung nicht überlebensfähig" bezeichnet. Der Einlagensicherungsfonds der Privatbanken musste einspringen und den Fortbestand sichern. 2015 gibt es ein Déjà vu: Wieder hat Fitch den Daumen gesenkt, wieder übernimmt der Sicherungsfonds das Kommando.

Der Grund für die Not der Düsselhyp: Sie hält 350 Millionen Euro Anleihen der österreichischen Pleitebank Hypo Group Alpe Adria, die deren "Bad Bank" Heta wegen eines von der Regierung in Wien verfügten Zahlungsstopps vorerst nicht zurückzahlt. Wie anderen droht der Düsselhyp der Totalverlust ihres Investments. Bei einem Eigenkapital von 260 Millionen Euro (Stand: Ende 2013) kann man sich vorstellen, dass die Bank einen solchen Ausfall nicht überleben könnte. Und da sie sich vor allem über die Ausgabe von Pfandbriefen refinanziert hat, wären von einem Aus der Düsselhyp etliche Investoren betroffen.

"Das Problem ist gelöst. Der Einlagensicherungsfonds der privaten Banken stellt eine Garantie und schirmt die Heta-Anleihen ab, um die akuten Risiken zu beseitigen. Das Ziel ist die Übernahme der Düsseldorfer Hypothekenbank durch den Einlagensicherungsfonds", erklärte der private Bankenverband BdB. Für die Kunden der Bank habe die geplante Übertragung keine Auswirkungen.

Die Übertragung könnte schon in den nächsten Tagen vollzogen werden, heißt es in Bankenkreisen. Die zuständigen Gremien des Bankenverbandes stimmten gestern der Übernahme zu. "Mit der Übernahme ist die Fortführung der Bank im Interesse der Kunden und der Finanzmarktstabilität garantiert", erklärte Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes. Das Liquiditätsproblem der Bank sei gelöst worden. Nun gehe es darum, die Geschäfte mit geringerer Bilanzsumme fortzuführen.

Damit wird sich der US-Finanzinvestor Lone Star aus der Düsselhyp verabschieden - vermutlich für den symbolischen Kaufpreis von einem Euro. Dafür war Lone Star 2008 eingestiegen. Die Amerikaner wollten die Hypothekenbank eigentlich schon an ein Konsortium um den deutschen Banker Patrick Bettscheider verkauft haben. Doch Bettscheider soll angesichts der Probleme in Österreich vom Rücktrittsrecht Gebrauch gemacht haben.

Die Düsselhyp ist der gravierendste Fall unter den deutschen Banken. Doch sie ist nicht das einzige Institut, das wegen des Zahlungsstopps und der komplizierten Haftungsfrage in Sachen Heta-Schulden stöhnt. Die Hypo Real Estate nannte jüngst Wertberichtigungen von 120 Millionen Euro, die NordLB hat 380 Millionen Euro zurückgelegt, die Munich Re erwartet für das erste Quartal Belastungen in zweistelliger Millionenhöhe. Und die Düsseldorfer NRW.Bank hat nach bisher unbestätigten Informationen etwa 276 Millionen Euro im Feuer. Sie alle hat der Zahlungsstopp kalt erwischt. Einen Schuldenschnitt lehnen offenbar viele Heta-Gläubiger ab. Noch?

Quelle: RP
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