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Thorsten Dirks
"Die Marke E-Plus verschwindet"

Der Vorstandschef von Telefonica Deutschland bekennt sich zum großen Düsseldorfer Standort im neu fusionierten Konzern.

Herr Dirks, vor fünf Jahren bezog die damals von Ihnen geführte E-Plus hier am Düsseldorfer Flughafen die neue Zentrale. Wird die geschlossen, nachdem E-Plus Teil der Münchner Telefonica Deutschland wurde?

Dirks Nein, München ist Firmensitz. Düsseldorf ist auf Dauer Standort des Konzerns. Auch Hamburg als Kern unseres Festnetzgeschäfts spielt dauerhaft eine zentrale Rolle. Und alle zwei Wochen tagt das Management hier, und wenn wir am 24. Februar erstmalig die Zahlen des Gesamtunternehmens vorstellen, machen wir das ebenfalls in Düsseldorf.

Sind Sie als neuer Chef nach München umgezogen?

Dirks Natürlich bin ich viel in München, aber auch insgesamt häufig unterwegs. Darum hätte es sich auch nicht gelohnt, dass meine Familie umzieht. Und weil wir sowieso immer mehr über Videokonferenzen, Telefonate oder Mails kommunizieren, können wir das Unternehmen gut von mehreren Standorten aus führen. Die Welt wird digital -wir sind vorne dabei.

1600 von 9100 Vollzeitstellen fallen im Konzern bis 2018 weg. Ist Düsseldorf als eine der beiden Hauptzentralen mit am meisten betroffen?

Dirks Wir machen aus zwei Unternehmen eines, und da fallen überdurchschnittlich viele zentrale Verwaltungsaufgaben weg - beispielsweise bei Finanzen oder Personal. An welchem Standort wie viele Stellen entfallen, ist aber noch offen: Wir einigten uns ja am 3. Februar im Rahmensozialplan mit dem Betriebsrat darauf, betriebsbedingte Kündigungen wo möglich zu vermeiden: Also schlagen wir Mitarbeitern in betroffenen Abteilungen vor, ob sie das Angebot eines Aufhebungsvertrages annehmen. Wenn diese ablehnen, kann es gut sein, dass wir danach jemanden anderes ansprechen. Darum ist offen, an welchem Standort wie viele Kollegen gehen - abgesehen davon, dass ja bis zu 100 Mitarbeiter im Rahmen des "Freiwilligenprogrammes" auf eigenen Vorschlag gehen können.

Verschwindet die Traditionsmarke E-Plus?

Dirks Der Unternehmensname lautet Telefonica Deutschland. Das Unternehmen führt viele Marken. Unter dem Namen E-Plus sprechen wir schon lange keine neuen Kunden an - die Marke E-Plus verschwindet also langsam, aber das ist kein neuer Prozess.

Was haben die Kunden vom Zusammenschluss?

Dirks Wir werden wettbewerbsfähiger und können darum bessere Angebote machen. Dafür rüsten wir das Netz weiter auf. Da wir gemeinsam über zahlreiche Basisstationen verfügen, können wir daraus die besten Standorte auswählen und das Netz sehr engmaschig stricken und optimal an den wachsenden Kundenbedürfnissen ausrichten. Noch im ersten Halbjahr werden unsere Kunden von der gemeinsamen Netzstärke profitieren.

Bisher konzentrierten sich E-Plus und Telefonica auf das Privatkundengeschäft mit Marken wie Base oder Aldi Mobil.Das brachte die meisten Kunden hierzulande mit 45,9 Millionen Ende September. Bei den lukrativen Geschäftskunden ist die neue Firma aber abgeschlagen. Was nun?

Dirks Bei kleinen und mittleren Geschäftskunden haben wir aktuell nur zwölf Prozent Marktanteil. Da wollen wir langfristig einen fairen Marktanteil in einem Drei-Anbieter-Markt erzielen. Dafür stellen wir sogar Leute ein, um mittelständische Kunden stärker anzusprechen.

Die neue Telefonica Deutschland hat 1750 Shops, weil sie zwei Vertriebe integriert, die Telekom nur 1250. Wie stark senken Sie die Zahl der Shops?

Dirks Wir sprechen aktuell mit Drillisch über die Übernahme von Standorten aus einem Pool von über 500 Shops. Drillisch beabsichtigt nach eigenen Angaben, eine eigene Shopkette mit 150 bis 300 Standorten. Aber unabhängig davon ist es nur logisch, dass wir unser Filialnetz neu aufstellen müssen: Wir brauchen nicht wie auf der Hohe Straße in Köln neun Shops in nur einer Straße. Aber ich glaube gleichzeitig, dass hochwertige Shops bedeutsam bleiben.

Wie erklären Sie, dass der Aktienkurs von Telefonica Deutschland seit dem Börsengang im Oktober 2012 zwar kräftig schwankte, aber in der Summe nicht hochging, während Dax oder Deutsche Telekom um mehr als 40 Prozent hochgingen?

Dirks Ein Aktienkurs ist das Ergebnis von Angebot und Nachfrage und ist beeinflusst von der Marktentwicklung sowie makroökonomischen Effekten. Zudem haben wir im Zuge der Finanzierung der E-Plus-Transaktion im vergangenen Jahr die Anzahl der verfügbaren Aktien mehr als verdoppelt, was technische Effekte auf den Aktienpreis hat. Angesichts der sehr positiven Kursentwicklung seit Abschluss der Transaktion im Oktober kann man aber durchaus zufrieden sein

REINHARD KOWALEWSKY FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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