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Düsseldorf
Geldmaschine Ebay wird 20 Jahre alt

Die kuriosesten Ebay-Auktionen
Die kuriosesten Ebay-Auktionen FOTO: dpa
Düsseldorf. 157 Millionen aktive Käufer shoppen beim bekannten Versteigerungshaus. Doch der Verkauf von Paypal hat den Konzern geschwächt. Von Reinhard Kowalewsky

Von welchem Unternehmen bekomme ich zu Hause am meisten Mails? Es ist wohl der Versteigerungsgigant Ebay. Versucht man beispielsweise, für ein Rennrad zu bieten, meldet eine Mail direkt, wenn ein anderer Interessent ein höheres Angebot einreicht. Kurz nach der Auktion kommt erneut eine Mail und meldet ähnliche Angebote. Dann wiederum soll ich mit Sonderaktionen zum Ausräumen des Kellers motiviert werden. Und natürlich gibt es auch beim weltgrößten Versteigerungshaus einen Sommerschlussverkauf - Fahrradklingeln oder Gartentische zum angeblichen Spezialpreis.

Die Beispiele zeigen, dass Ebay sich in zwei Jahrzehnten zum Allround-Handelshaus weiterentwickelt hat. Das Ebay-Auktionsprinzip "drei, zwei, eins - meins" hat sich ein Stück weit überlebt. Die Beispiele bestätigen auch, dass sich der Konzern heute in einer Sackgasse befindet: Der reine Weiterverkauf von Waren durch Privatpersonen spielt längst nicht mehr die dominierende Rolle. Und auch als Marktplatz für andere Internetanbieter ist Ebay längst nicht mehr so gefragt. Amazon nimmt dem Rivalen große Teile des Neuwaren-Geschäftes weg, während sich im Internet zunehmend Spezialanbieter wie Zalando (für Kleidung) neben den zwei US-Giganten profilieren.

All das überschattet den heutigen, 20. Geburtstag von Ebay. Dennoch ist Ebay eine Erfolgsgeschichte - die mit einem defekten Laserpointer begann. Am 3. September 1995 bot der damals 28-jährige Gründer Pierre Omidyar über seine Website AuctionWeb (Versteigerungsnetz) diesen an. Einige Tage später gab es den ersten Zuschlag für 14,83 Dollar. Omidyar fragte den Käufer, ob er sich klar sei, ein defektes Gerät erworben zu haben - aber alles war in Ordnung und die Dinge nahmen ihren Lauf. 1996 stellte Omidyar den ersten Mitarbeiter ein, 1997 benannte er das Unternehmen in Ebay um. Heute hat der Konzern einen Börsenwert von 29 Milliarden Euro und 34 000 Mitarbeiter weltweit.

Beim Aufstieg profitierte Ebay vom sogenannten Netzwerkeffekt: Weil mittlerweile 157 Millionen aktive Käufer über die Plattform immer wieder Waren bestellen, wird speziell gebrauchte Ware dort wiederum bevorzugt angeboten. Und weil die Auswahl mit mittlerweile rund 800 Millionen Angeboten an einem üblichen Tag praktisch unermesslich groß ist, lockt dies wiederum Käufer an. Und das bereits 1997 eingeführte Bewertungssystem für Käufer und Verkäufer erhöht die Kundenbindung: Wer einmal eine gute Bewertung erreicht hat, will davon auch künftig profitieren.

Ein einschneidendes Jahr ist 1998. Im September ging das Unternehmen an die Börse. Bei einem Ausgabepreis von 18 Dollar schoss die Aktie am ersten Tag auf über 47 Dollar hoch. Gründer Omidyar wurde auf einen Schlag zum Milliardär. Heute konzentriert er sich auf die Rolle als linksliberaler Mäzen und finanziert unter anderem die Website "The Intercept", die mit Unterlagen des Geheimnisverräters Edward Snowden Enthüllungen über den US-Geheimdienst NSA verbreitet.

In Deutschland legte Ebay nebenbei den Grundstein für den Reichtum der Samwer-Brüder: Der US-Konzern kaufte ihnen 1999 für über 50 Millionen Dollar den gerade gegründeten Ebay-Klon Alando ab. Die Deutschen hatten Ebay entdeckt und die Idee schneller als das Original in Deutschland umgesetzt.

Trotz massenhaft Kunden ist die Stimmung im Unternehmen schlecht. Denn im bisherigen Konzern sorgte zuletzt vor allem der Bezahldienst Paypal für Wachstum. Doch der wurde im Juli nach 13 Jahren unter einem Dach wieder zum eigenständigen Unternehmen, weil Investoren auf die Abspaltung drängten. Ihre Logik: Als eigenständiger Betrieb kann Paypal mehr Geld erwirtschaften als als Anhängsel von Ebay. Weil Paypal mit 42 Milliarden Euro deutlich mehr wert ist als der frühere Mutterkonzern, war die Abspaltung offensichtlich klug - schwächte aber Ebay.

Denn nun muss der Konzern sich dem brutalen Wettbewerb im Online-Handelsgeschäft ohne den steten Geld-Zufluss aus dem profitablen Paypal-Geschäft stellen. Die Gewinne von PayPal erwiesen sich schon einmal als große Hilfe, als der milliardenschwere Zukauf des Kommunikationsdienstes Skype hohe Abschreibungen erzwang. Ebay hatte gehofft, die Gemeinschaft aus Verkäufern und Käufern auch kommunikativ zu vernetzen - das erledigt nun unter anderem Facebook mit mehr Erfolg.

Quelle: RP
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