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Mülheim
"Ohne Ministererlass wird Kaiser's zerschlagen"

Edeka - "Ohne Ministererlass wird Kaiser's Tengelmann zerschlagen"
FOTO: dpa, rwe lof
Mülheim. Sollte der Verkauf der Filialen an Edeka endgültig vom Tisch sein, sind laut Tengelmann 8500 Stellen in Gefahr. Von Maximilian Plück

Über der Tengelmann-Zentrale in Mülheim hängen an diesem Morgen dunkle Wolken - passend zur Stimmung bei der Bilanzpressekonferenz des Handelskonzerns. Zwar konnte Vorstandschef Karl-Erivan Haub ein "unterm Strich noch erfolgreiches Jahr 2014" verkünden. Doch die Unsicherheit, ob der Verkauf der angeschlagenen Kaiser's-Tengelmann-Märkte an Edeka doch noch gelingt, drückt auf die Stimmung.

Das Kartellamt hatte den Deal im April wegen wettbewerbsrechtlicher Bedenken untersagt. Einige Monate zuvor hatte es bereits verboten, dass Edeka und Kaiser's-Tengelmann sich beim Einkauf zusammentun und so bessere Preise erzielen können. Kaiser's selbst hat mit einem Marktanteil von nur 0,6 Prozent kaum Chancen, niedrige Preise durchzusetzen.

Für das Tengelmann-Management bleibt der Verkauf der defizitären Kaiser's-Märkte unausweichlich. "Ein Weitermachen ist für uns keine Option", stellte Haub erneut klar. Finanzchef Alfried Bührdel zufolge hat der Lebensmittel-Vollsortimenter der Konzernmutter mehr als 500 Millionen Euro Verlust in den vergangenen 15 Jahren beschert. Allein 2014 habe der Verlust 40 Millionen Euro betragen. "Und in diesem Jahr dürfte die Situation eher schlechter werden."

Nachdem das Kartellamt den Verkauf gestoppt hat, versucht Tengelmann ihn per Ministererlass doch noch zu ermöglichen: Bis Anfang September hat Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) Zeit, um die Vor- und Nachteile eines Verkaufs an Edeka abzuwägen und gegebenenfalls sein Veto einzulegen.

Die Stimmung in der Branche ist gereizt. Rewe, Nummer zwei im deutschen Lebensmittelhandel und selbst an den Kaiser's-Märkten interessiert, schaltete pünktlich zur Tengelmann-Bilanzpressekonferenz in mehreren überregionalen Tageszeitungen einen ganzseitigen Appell an die "lieben Freunde des Handels" - ein verbaler Frontalangriff auf Haub. Es müsse endlich Schluss sein mit dem falschen Spiel auf dem Rücken der Mitarbeiter, denn es gebe sehr wohl bessere Alternativen zur Übernahme durch Edeka, heißt es da. So stellte Rewe-Chef Alain Caparros klar, dass sein Unternehmen für einen Kauf der Kaiser's-Filialen zur Verfügung stehe. "Wir bieten die weitaus bessere Perspektive für die Mitarbeiter von Kaiser's Tengelmann", schrieb Caparros.

Haub tat das als "unseriös" ab. Es werde suggeriert, dass Rewe eine Genehmigung bekommen würde. "Dabei werden in der ablehnenden Begründung des Kartellamts an 70 Stellen Rewe und Edeka zugleich genannt." Wohl auch mit Blick auf die ausstehende Ministerentscheidung malte Haub ein düsteres Szenario: "Wenn der Ministererlass ausbleibt, bleibt uns nichts anderes übrig, als in die Zerschlagung zu gehen." Das könnte den Verlust von mehr als 8500 Arbeitsplätzen bedeuten. Die Abwicklung der Filialen müsste schnell geschehen und würde voraussichtlich bis Ende des kommenden Jahres dauern. Um die Zerschlagung zu finanzieren, müsste Tengelmann an anderen Stellen im Konzern sparen. Finanzchef Alfried Bührdel ergänzte, dass die Kernbereiche nicht angetastet würden.

Dass es im restlichen Teil des Unternehmens gut läuft, geriet fast zur Nebensache: Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen lag Haub zufolge bei rund fünf Prozent des Nettojahresumsatzes von 8,1 Milliarden Euro - also 405 Millionen Euro. Das Ergebnis liege auf Vorjahresniveau. Vor allem bei Obi und Kik läuft es rund. Auch setzt Tengelmann auf neue Geschäftsfelder. Die Immobilientochter etwa will sich mit dem Bau von 150 Studentenwohnungen in Köln an das Geschäft mit vorübergehend genutzten Wohnungen herantasten.

Quelle: RP
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