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Düsseldorf
"Eine Stahl-Konsolidierung ist sinnvoll"

Düsseldorf. Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger hält Fusionen in der Branche für unausweichlich. Sollte es zu einer Konsolidierung kommen, wären weniger wettbewerbsfähige Standorte vom Aus bedroht. Von Kirsten Bialdiga und Maximilian Plück

Es sind schicksalhafte Tage für die deutsche Stahlbranche - und insbesondere für Thyssenkrupp. Das Management des Essener Konzerns ist nach Informationen unserer Redaktion derzeit in intensiven Gesprächen mit dem indischen Konkurrenten Tata Steel über ein mögliches Zusammengehen. Auch eine Fusion mit dem deutschen Konkurrenten Salzgitter ist noch nicht vom Tisch. An den Kapitalmärkten sorgten diese Nachrichten für Euphorie, die Aktie des Konzerns gewann in den vergangenen Tagen deutlich hinzu.

Am Donnerstagabend war es an Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger, sich vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung in Düsseldorf öffentlich zu den Plänen zu äußern. Ein schwieriges Unterfangen, schließlich will sich Hiesinger in den Gesprächen nicht die eigene Verhandlungsposition verbauen. Konkret wollte er sich nicht äußern. Nur soviel: "Es gibt strukturelle Themen in der Stahlindustrie, die wir nicht negieren können", sagte er. Die Stahlnachfrage werde in Zukunft nur unwesentlich wachsen. "Wir haben eine Überkapazität, die noch aus dem enormen Bedarf von 2008/09 kommt." Verschärft werde die Situation durch die hohen Importe aus China, teilweise auch aus Russland. "Und wir sehen nach vorne auch Bedrohungen durch die Neuregelung des EEG in Deutschland und dann insgesamt in Europa die Neudefinition des CO2-Handels." In diesem Umfeld müssten alle verantwortlichen Führungskräfte in der Stahlindustrie nach Lösungen suchen, sagte er. "Wir haben klar formuliert, dass wir eine Konsolidierung als sinnvoll betrachten. Und wir werden uns - wenn solche Lösungen möglich sind - aktiv aus einer Position der Stärke heraus darum bemühen."

Dass Thyssenkrupp komplett aus dem Stahlgeschäft aussteigen will, schloss der Konzernchef aus: "Meine persönliche Meinung ist, dass nicht einer den anderen kaufen wird. Dafür sind die Bilanzen und die freien Mittel der Unternehmen zu gering. Es wird wohl einen Zusammenschluss von Unternehmen geben, so dass diejenigen, die heute Besitzer sind, auch Anteilseigner eines Gemeinschaftsunternehmens wären. Das würde heißen, dass wir auch Beteiligte blieben." Mit anderen Worten: Thyssenkrupp würde sich auch mit einer Minderheit zufrieden geben.

Ob, wann und mit wem eine solche Lösung stattfinde, stehe noch nicht fest. Hiesinger sagte nur ganz allgemein: "Wenn wir glauben, dass wir ein tragfähiges Konzept haben, dann geht dieses an die Gremien - wir sind ein mitbestimmtes Unternehmen - und erst, wenn wir da sehen würden, da kann etwas entstehen, dann ist es Zeit, die Politik einzubinden", sagte Hiesinger. Nach Informationen unserer Redaktion ist die Politik informiert. In der Belegschaft wächst die Sorge, dass mit einem Partner Tata Arbeitsplätze in Nordrhein-Westfalen wegfallen könnten. So hatten der Konzernbetriebsrat, die Arbeitnehmervertretung der Stahlsparte und die Bezirksleitung der IG Metall Beschäftigungsgarantien, Standortsicherheit und Garantien für Mitbestimmungsrechte vom Management gefordert.

Hiesinger stellte mit Blick auf die Überkapazitäten in Europa klar: "Eine Konsolidierung würde bedeuten, dass weniger wettbewerbsfähige Standorte infrage gestellt werden müssten, weil man die besten Standorte durch eine bessere Auslastung optimieren würde." Es sei aber heute unmöglich zu sagen, welche Standorte bei einem solchen Szenario betroffen sein könnten.

Quelle: RP
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