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Mönchengladbach
Einzelhändler verbünden sich mit Ebay

Mönchengladbach. Ausgerechnet der Online-Marktplatz Ebay hat in Mönchengladbach einen Feldversuch gestartet, um lokale Händler zu stärken. In Wuppertal gibt es ähnliche Ziele - doch die Projekte könnten kaum unterschiedlicher sein. Von Florian Rinke und Jan Schnettler

Der Deutschland-Chef von Ebay hält zwei Fotos in den Händen: Das eine zeigt eine Konzertaufnahme von 1995, auf der in die Luft gereckte Hände zu sehen sind, das andere eine von 2015, das in die Luft gereckte Smartphones zeigt. Kaum etwas symbolisiert den technologischen Wandel für Stephan Zoll so sehr wie diese Bilder. Und weil der Wandel auch vor dem Handel nicht Halt macht - schon jetzt recherchieren 40 Prozent aller Kunden vor dem stationären Einkauf im Internet - ist Mönchengladbach jetzt bei Ebay. Gemeint sind nicht die 400 gewerblichen Anbieter aus der Stadt, die den Online-Marktplatz bereits nutzen, sondern die mehr als 50 Einzelhändler, die unter dem Titel "Mönchengladbach bei Ebay" ein europaweit einzigartiges Pilotprojekt gestartet haben.

Der neunmonatige Feldversuch, bei dem Ebay mit der örtlichen Wirtschaftsförderung und der Hochschule Niederrhein kooperiert, ist dazu gedacht, die stationären Angebote um die Vorzüge des Online-Handels zu erweitern. Denn, das zeigte eine im Vorfeld durchgeführte Studie: Die Präsenz auf Online-Marktplätzen wie Ebay ist eine wichtige Reaktion auf das veränderte Einkaufsverhalten der Kunden. Und so machen sogar Filialisten wie Saturn in Gladbach mit. Von Autoteilen bis zum Futter für den Koi-Karpfen reicht die 200.000 Artikel starke Palette.

Die Anbieter eint: Sie hatten bisher zwar ihre eigenen Internetseiten, einige waren auch bei Facebook & Co. aktiv, aber Waren über das Internet verkaufen? "Schon die rechtlichen Fragen waren immer eine Hürde", sagt Rolf Krichel vom Kunsthaus Krichel: "Und ein eigenständiger Onlineshop würde nie solches Interesse hervorrufen." Ingrid Schrey von Lamm-Pion Ledermoden in Rheydt traute sich bisher nicht an das Thema Versand heran, will es nun ausprobieren. Denn sie alle ergänzen ihr Geschäft um neue Bezahl- und Lieferoptionen und profitieren zudem von einer erweiterten digitalen Zielgruppe.

Die Erfahrungen, die die Gladbacher Einzelhändler nun sammeln, haben viele in Wuppertal bereits hinter sich. Denn auch hier gibt es mit "Online-City Wuppertal" ein Projekt, mit dem der stationäre Handel gestärkt werden soll. Dazu wurde ein Online-Shop aufgebaut, in dem Einzelhändler ihre Produkte einstellen können. Rund 13.000 sind es laut den Organisatoren bislang. Kunden können diese online kaufen und sich sogar noch am selben Tag liefern lassen - oder diese an einem Abholschalter in der Innenstadt einladen. Zuletzt wurde mit dem "Talkontor" sogar ein Shop eröffnet, in dem Online-Händler Ladenfläche anmieten und ihre Waren in der "realen" Welt präsentieren können. "Das Talkontor ist ein Revitalisierungsprojekt für Leerstände", sagt Online-City-Organisator Andreas Haderlein: "Wir wollen hier Online-Händler auf die Fläche bringen."

Das Projekt hat bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt, in Mönchengladbach habe man sich dennoch bewusst für einen anderen Weg entschieden, sagt Gerrit Heinemann, Handelsexperte und Professor an der Hochschule Niederrhein: "Dort gibt es keine Businessplanung, kein Betreibermodell, kein institutionalisiertes System, das etwa die aktuelle Verfügbarkeit von Produkten anzeigt", sagt Heinemann. "Und, nicht zu vergessen: Die Händler, die bei uns mitmachen, werden nicht bloß in Wuppertal gefunden, sondern in der kompletten Ebay-Welt."

Genau das wollte man in Wuppertal jedoch nicht: "Uns geht es nicht darum, die Händler zu weltweiten Verkäufern zu machen. Damit müssten sie sich ja auch dem weltweiten Preiskampf stellen", sagt Andreas Haderlein, der sich über die Mönchengladbacher Initiative trotz der Kritik freut, jedoch auch die Unterschiede betont: "In erster Linie ist Online City-Wuppertal ein lokales Kaufkraftbindungswerkzeug und ein Weg, dem stationären inhabergeführten Handel Frequenz zuzuführen." Es geht um die Vernetzung von Online- und Offline-Handel. Erfolge gibt es bereits: Zwar wurden bislang online nur rund 100 Bestellungen mit einem durchschnittlichen Wert von 57 Euro aufgegeben, viele Einzelhändler berichten jedoch laut Haderlein, dass wieder mehr Kunden in die Geschäfte kommen - wohl auch, weil sie im Internet auf die Angebote aufmerksam wurden.

Darüber würden sich auch die Gladbacher Einzelhändler freuen. Noch ist die Ebay-Kooperation, die auch Beratung beinhaltet, nur ein Pilotprojekt bis Mitte 2016. Doch erweist es sich als Erfolg, soll es langfristig installiert und auch auf andere Städte ausgerollt werden.

Quelle: RP
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