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London
Eon startet Aufspaltung mit Sparprogramm

London. Der Konzern schickt die Kraftwerkstochter Uniper mit Milliarden-Schulden an den Start. Die muss nun sparen - auch beim Personal. Verdi fordert die Einhaltung des Kündigungsschutzes. Die Dividende soll insgesamt sinken. Von Antje Höning

Für Mitarbeiter und Aktionäre von Eon beginnt der Neustart mit Sparen. Das wurde gestern beim Kapitalmarkttag in London deutlich, wo Eon-Chef Johannes Teyssen und Uniper-Chef Klaus Schäfer den Spaltungsbericht vorstellten. Eon will demnach seinen Aktionären gut 53 Prozent der Uniper-Aktien ins Depot legen. Die anderen 47 Prozent will Eon aus steuerlichen Gründen noch bis Ende 2017 halten. Mittelfristig will man sich komplett trennen. "Obwohl sich das Umfeld weiter eingetrübt hat, ist die Spaltung der richtige Weg", so Teyssen.

Folgen für Mitarbeiter Den 15.000 Uniper-Mitarbeitern steht wegen des Verfalls der Strompreise gleich ein Sparprogramm bevor. "Wir können nicht bloß auf eine Erholung der Märkte hoffen, sondern müssen aktiv gegensteuern", sagte Finanzvorstand Christopher Delbrück. "Es wird auch notwendig sein, die Personalkosten zu senken." Zudem will Uniper Beteiligungen für zwei Milliarden Euro verkaufen. Alle Maßnahmen sollten schnell greifen und bis 2018 abgeschlossen werden. Heilige Kühe werde es nicht geben, so Delbrück. Wo und wie viele Stellen wegfallen sollen, soll im zweiten Halbjahr feststehen.

Immerhin sind Kündigungen bis 2020 ausgeschlossen, allenfalls drohen Abfindungen oder Transfergesellschaft. "Wir konnten erreichen, dass alle Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen von Eon auf Uniper übertragen werden. Demnach sind betriebsbedingte Kündigungen auch für die Uniper-Mitarbeiter ausgeschlossen", sagte Andreas Scheidt, Vorstand der Gewerkschaft Verdi, unserer Redaktion. "Wir gehen fest davon aus, dass der Vorstand von Eon und von Uniper sich an die Zusagen halten." Scheidt erwartet, dass Uniper sich beim Sparen vor allem Zentralfunktionen wie die Verwaltung anschauen werde.

Folgen für Aktionäre Die Aktionäre müssen sich insgesamt auf weniger Dividende einstellen. Zwar will Eon für 2015 wie versprochen 50 Cent je Aktie zahlen. Doch dann dürfte es abwärts gehen: Für 2016 will Eon 40 bis 60 Prozent des Konzernüberschuss ausschütten, der zwischen 600 Millionen und 1,0 Milliarde liegen soll. Das bedeutet eine Dividende zwischen 13 und 31 Cent pro Eon-Aktie. Hinzu kommen 200 Millionen Euro, die Uniper für dieses Jahr zahlen will, was umgerechnet zehn Cent bedeutet.

Analysten wie Sven Diermeier von Independent Research warnen: "Uniper braucht eine attraktive Dividenden-Rendite, um als Aktie überhaupt interessant zu sein. Eine große Wachstumsstory hat das Unternehmen nicht." Mit Kohle- und Gaskraftwerken ließen sich keine großen Sprünge mehr machen.

Zudem hat Uniper wenig Spielraum für Neues, die Mutter bürdet der Tochter 4,7 Milliarden Schulden auf. Gemessen an ersten Ankündigungen viel, meint Diermeier. Er geht dennoch davon aus, dass die Aufteilung tragbar ist. "Eon muss ein Interesse daran haben, dass es Uniper gut geht." Schließlich wolle Eon später noch etwas für die Restbeteiligung bekommen. Beide brauchen zudem eine gute Bonitätsnote ("Investment Grade"), um günstige Konditionen bei Krediten und Handelspartnern zu behalten.

Folgen für Kunden und Steuerzahler Geschäftspartner der 33 Millionen Eon-Kunden bleibt Eon. Das Vertriebsgeschäft bleibt (wie die anderen Zukunftsgeschäfte Netze und Ökostrom) bei der Mutter. Die neue Eon macht zwei Drittel ihres Gewinns mit reguliertem (also stabilen) Geschäft. Einzig die deutschen Atomkraftwerke, die Teyssen nach dem Widerstand der deutschen Politik behält, bleiben ein Problem. Das aber soll mit Hilfe des Steuerzahlers gelöst werden, der Staat soll das Endlager übernehmen.

Anders sieht es bei Uniper aus, die gegen das Image als Resterampe ankämpfen muss. Uniper übernimmt (neben dem Handel) alle Problemgeschäfte wie Kohle- und Gaskraftwerke und Russlandgeschäft. Uniper-Chef Schäfer setzt nun auf das Prinzip Hoffnung - und den Staat. Die weltweite Energienachfrage werde anziehen, Kohle und Gas noch bis 2025 über 65 Prozent des Strommixes ausmachen. "Wir wollen Stütze der erneuerbaren Energien sein." Allerdings können auch Uniper-Blöcke mit einem Börsenstrompreis von 20 Euro nicht leben. Schäfer fordert vom Staat ein "neues Marktdesign", sprich: Der Stromkunde soll zusätzlich für die Bereitstellung von Kraftwerken zahlen.

Nun läuft die Zeit. Am 8. Juni entscheidet die Hauptversammlung. Für eine Abspaltung sind 75 Prozent Zustimmung nötig. Im Herbst soll dann die Uniper-Aktie an der Börse starten.

Quelle: RP
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