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Wien
Erdöl ohne Ende

Wien. Der niedrige Ölpreis lässt Verbraucher jubeln, setzt die Industrie aber unter Druck. Die Opec hat die Entscheidung um eine Verknappung der Förderung verschoben. Von Ludwig Krause

Trotz hohen Drucks im Ölmarkt haben sich die Mitgliedstaaten der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) nicht auf eine Verknappung der Fördermengen einigen können. "Wir können derzeit keine Zahlen festlegen und haben beschlossen, die Entscheidung auf kommendes Jahr zu verschieben", sagte Opec-Generalsekretär Abdalla Salem El-Badri beim halbjährlichen Treffen der Mitglieder in Wien. Gerüchte um eine Ausweitung der Fördermengen hatten gestern den Ölpreis absacken lassen. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um zwischenzeitlich bis zu 2,7 Prozent auf 42,67 Dollar je Barrel.

Warum ist der Ölpreis so niedrig? "Es gibt derzeit einfach mehr Öl auf dem Markt, als gebraucht wird", sagt Klaus-Jürgen Gern, Rohstoffexperte vom Institut für Weltwirtschaft (IFW) in Kiel. Während Rekordmengen gefördert werden, ist die Nachfrage eher schleppend. "Die Krisen in China und Schwellenländern wie Brasilien sind ein großer Faktor", sagt Gern. Außerdem haben Industrieländer auf die hohen Ölpreise der Vergangenheit reagiert und verstärkt auf Gas gesetzt. Die Ölpreise liegen derzeit etwa in der Nähe der Tiefstände der Wirtschaftskrise in den Jahren 2008 und 2009.

Wie groß ist der Einfluss der Opec? Das Kartell liefert weltweit ein Drittel des Rohöls und besitzt rund drei Viertel der bekannten Reserven. Indonesien kehrt als 13. Mitglied wieder in den Kreis der Opec zurück, trotzdem ist der Einfluss in den vergangenen Jahren spürbar zurückgegangen. Andere Nationen befeuern die Konkurrenz. So hat die rasante Entwicklung der Erdölförderung durch Fracking in den USA den Markt in jüngster Vergangenheit drastisch verändert.

Warum verknappt die Opec nicht ihre Fördermengen? Um den Preisverfall aufzuhalten, könnten die Mitgliedstaaten der Opec einfach weniger fördern. "Dennoch sind sie dazu übergegangen, ihre Strategie zu ändern", sagt Gern. Die Staaten nehmen den Verfall in Kauf, weil sich die Förderung von Erdöl durch Fracking oder aus der Tiefsee erst ab einem bestimmten Preis pro Barrel lohnt. So versucht man, Konkurrenten wirtschaftlich auszutrocknen. Die Frage ist, wie lange die Opec-Staaten die niedrigen Preise selbst noch verkraften können. Das offizielle Förderziel von 30 Millionen Barrel pro Tag wurde zuletzt konsequent überschritten, weil die Nationen auf jedes verkaufte Barrel angewiesen sind. Auch der Iran will nach Lockerung des Wirtschaftsembargos wieder Öl fördern. Der irakische Ölminister Adil Abd al-Mahdi sagte, die Organisation sei nicht allein dafür verantwortlich, mit Verknappung die niedrigen Preise zu steigern. Andere Länder würden ihre Förderung dann einfach erhöhen.

Wer ist der Gewinner? Neben Importeuren und Unternehmen, die auf große Mengen Erdöl angewiesen sind, profitieren vor allem die Verbraucher. Sie merken die Preise direkt, zum Beispiel beim Heizen oder an der Zapfsäule. Aber auch indirekt, etwa beim Kauf energieintensiver Nahrungsmittel wie Weizenprodukte. Wer mehr Geld in der Tasche hat, kann das auch ausgeben. Davon profitiert dann zum Beispiel der Einzelhandel.

Wer ist der Verlierer? "Aus unserer Sicht sollte der Erdöl-Preis nicht noch deutlich weiter abrutschen", sagt IFW-Experte Gern. Nicht nur ölfördernde Nationen, sondern auch die beteiligten Unternehmen leiden unter den Niedrigpreisen. Bleibt der Kurs langfristig so niedrig, wird außerdem der Druck von energieintensiven Unternehmen genommen, nach alternativen Energien zu forschen. So hat die Umwelt das Nachsehen.

Wie entwickelt sich der Ölpreis? "Wir erwarten, dass das Angebot langsamer als bisher steigen und die Nachfrage gleichzeitig etwas wachsen wird", sagt Gern. Auch die Weltwirtschaft werde sich wieder erholen. Einen Anstieg auf das Niveau der vergangenen Jahre erwartet das IFW mittelfristig aber nicht.

Quelle: RP
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