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Bremen
Ermittlung gegen Thyssen, Airbus, Telekom

Bremen. Die Staatsanwaltschaft Bremen beschuldigt vier Manager, die eigentlich für saubere Geschäfte sorgen sollten. Sie wirft den Managern vor, Korruption bei einer Tochter von Thyssenkrupp und Airbus nicht gestoppt zu haben. Von Reinhard Kowalewsky

Wegen Bestechung beim Bremer Rüstungsunternehmen Atlas Elektronik hat die dortige Staatsanwaltschaft ihre Untersuchungen ausgeweitet. Sie ermittelt nun auch gegen drei Manager der Mutterkonzerne Airbus und Thyssenkrupp und will klären, ob diese sich als Verantwortliche für sauberes Management ("Compliance") strafbar gemacht haben. Das erfuhr unsere Redaktion aus informierten Kreisen. Die Manager hätten es möglicherweise versäumt, beim gemeinsamen Joint-Venture Atlas Elektronik dafür zu sorgen, dass es zu keinen Straftaten kommt. Wie bereits berichtet, ermittelt die Justiz auch gegen Telekom-Vorstand Thomas Kremer, der früher Chief Compliance Officer von Thyssenkrupp war.

Es geht überwiegend um den Verdacht, dass Atlas zwischen 1998 und 2014 türkische Militärs bestochen haben könnte, um Aufträge beispielsweise für Torpedos zu erhalten - darum wurden Büros von Atlas im Januar durchsucht.

Dabei sind die Vorwürfe gegen die beschuldigten Manager teilweise sehr konkret. Die drei Manager von Thyssenkrupp und Airbus sollen im Mai 2007 an einem Treffen teilgenommen haben, bei dem externe Anwälte auf fragwürdige Beraterhonorare in Zusammenhang mit dem Verkauf von Rüstungsgütern in die Türkei aufmerksam machten. Doch anstatt Strafanzeigen zu stellen und die Geschäftsbeziehungen zu beenden, lief alles weiter: Es wurde keine Strafanzeige gestellt, und die Zahlungen von Provisionen liefen weiter. Eine einzelne Zahlung soll dabei fünf Millionen Euro ausgemacht haben, recherchierte die Justiz.

Obwohl Telekom-Vorstand Kremer bei dem Treffen nicht dabei war, ist auch er Beschuldigter in dem Verfahren. Dies begründen die Staatsanwälte damit, dass er als damals für Compliance zuständiger Manager von Thyssenkrupp als "Garant" dafür geradestehen muss, dass im ganzen Unternehmen für sauberes Management gesorgt wird. Zudem unterstellen die Staatsanwälte es als sicher, dass Kremer als Leiter der Compliance-Organisation von Thyssenkrupp informiert worden sein musste, dass Mitarbeiter seiner Organisation fragwürdige Geschäfte weiter hinnahmen. "Ein harter Vorwurf", so Compliance-Experte Frank Hülsberg von der Kanzlei Warth & Klein Grant Thornton.

Immerhin scheinen die Staatsanwälte ein Schriftstück gefunden zu haben, in dem festgehalten wurde, dass im Mai 2007 keine Strafanzeige gestellt wurde, um schlechte Schlagzeilen und möglichen Schadenersatz zu vermeiden.

Airbus und Thyssenkrupp bestätigen die Ermittlungen und erklären, sie wollten die Justiz bei ihrer Arbeit unterstützen. Sie gingen aber von einer Unschuld der betroffenen drei Manager aus.

Auch Kremer weist jede Schuld von sich. Es sei abwegig, ihn als Compliance-Verantwortlichen des Konzerns strafrechtlich dafür verantwortlich zu machen, was im gesamten Unternehmen und erst recht bei Tochterfirmen vor sich gehe, erklärte Kremer bereits vor einigen Wochen. Würden die Staatsanwälte so überall vorgehen, würde sich niemand mehr finden, der als Jurist in Unternehmen für sauberes Management sorge. Er selbst ist promovierter Volljurist und wird vom Düsseldorfer Rechtsanwalt Sven Thomas vertreten.

Zu seiner Entlastung weist der 58-Jährige auch darauf hin, Thyssenkrupp und Airbus hätten nach der Übernahme von Atlas im Jahr 2006 selber darauf gedrängt, dass alle fragwürdigen Geschäfte aufgedeckt würden. Man habe die Staatsanwaltschaft sogar selbst auf Probleme hingewiesen, was diese aber ignoriert habe. Das war aber nach Angaben von Thyssenkrupp und der Staatsanwaltschaft erst im Jahr 2010 der Fall - und da ging es um Vorgänge in Griechenland.

Ziehen sich die Ermittlungen hin, wird das für den Telekom-Vorstand unangenehm: Im Sommer steht eigentlich die Verlängerung seines 2017 auslaufenden Fünf-Jahres-Vertrages an. Bisher hat ihm Telekom-Aufsichtsratschef Ulrich Lehner das Vertrauen ausgesprochen - allerdings wegen der Arbeit bei der Telekom. "Würde Kremer angeklagt, würde es schwierig", meint ein führender Manager des Konzerns.

Quelle: RP
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