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Mannheimer wird zum Sanierungsfall: Erster Lebensversicherer seit 50 Jahren vor Pleite

zuletzt aktualisiert: 26.06.2003 - 20:17

Mannheim/Berlin (rpo). Mit der Mannheimer steht der erste Lebensversicherer seit 50 Jahren vor der Pleite. Nachdem ein brancheninterner Sanierungsplan gescheitert war, hat die Mannheimer das Neugeschäft mit Lebensversicherungen eingestellt.

Sie wird zum ersten Fall für die Branchen-Auffanggesellschaft Protektor. Das teilte die Mannheimer Versicherungsgruppe am Donnerstagabend mit. Protektor wird die fast 345.000 Verträge der Lebensversicherungs-Kunden weiter erfüllen. Derzeit werde die Übergabe an die Auffanggesellschaft vorbereitet. Für die Mannheimer Krankenversicherung AG und die Schaden- und Unfallsparte Mannheimer Versicherung AG bestehe kein Anlass aufsichtsrechtliche Maßnahmen. Dies habe die Finanzaufsicht BAFin bestätigt.

Am Vortag war der Rettungsversuch der Versicherungsbranche für die angeschlagene Mannheimer Gruppe gescheitert. Damit wurde die erste Pleite eines deutschen Lebensversicherers seit mehr als 50 Jahren zu einer realistischen Option. Die unter hohen Verlusten leidende Lebensversicherung ist der Hauptgrund für die Schieflage der gesamten Gruppe. Für die Krankenversicherung mit rund 11 000 Verträgen signalisierte die Branche bereits die Bereitschaft zu einer Lösung. Für die Schaden- und Unfallsparte mit rund 760 000 Verträgen bei der Mannheimer gibt es bisher keine Brancheninstrumente zur Abfederung.

"Die Branchenlösung ist gescheitert, weil ein wesentlicher Teil der Versicherer signalisiert hat, daran nicht teilzunehmen", sagte die Geschäftsführerin des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Gabriele Hoffmann, am Donnerstag der dpa. Die im SDAX notierte Aktie brach bis zum Abend um 42,36 Prozent auf 4,15 Euro ein.

Stille Lasten brachten Schieflage

Die Lebensversicherung AG, die Ende 2002 nach eigenen Angaben 344.500 Verträge verwaltete, hatte zum Ende des ersten Quartals stille Lasten von rund 238 Millionen Euro ausgewiesen. Sie hätte rund 370 Millionen Euro frisches Eigenkapital benötigt. "Diese Schieflage gefährdet auch die Holding", räumte ein Sprecher der Mannheimer AG Holding am Donnerstag ein. Als Konsequenz aus der Finanzkrise war der Vorstandsvorsitzende der Mannheimer Versicherung, Hans Schreiber, vor zwei Wochen zurückgetreten.

Von den rund 120 deutschen Lebensversicherern hätten nach Hoffmanns Angaben so viele einer Kapitalspritze für die Mannheimer Lebensversicherung AG zustimmen müssen, dass mindestens 90 Prozent des Marktanteils repräsentiert worden wären. "Diese Quote wurde nicht erreicht." Hoffmann wollte einen Bericht der "Financial Times Deutschland" (Donnerstag) weder bestätigen noch dementieren, wonach sich die Axa Deutschland, die Swiss Life/Rentenanstalt sowie Zürich Leben und Deutscher Herold gegen das Sanierungskonzept gesperrt hatten.

Kundengelder sind nicht gefährdet

Die Gelder der Kunden seien nicht gefährdet, betonte Hoffmann. Die von der Versicherungsbranche für Notfälle gegründete "Protektor Lebensversicherung AG" werde bestehende Lebensversicherungs-Policen in jedem Fall fortführen. Auch die Kunden der Krankenversicherung sollen keinen Schaden erleiden, hieß es. "Den bei der Mannheimer privat Krankenversicherten geht kein Euro an Alterungsrückstellung verloren", sagte der Geschäftsführer des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV), Christian Weber, dem "Tagesspiegel" (Freitag). Einzelheiten nannte er nicht.

Die Hamburg-Mannheimer Versicherung sah sich unterdessen gezwungen zu betonen, dass sie trotz der ähnlichen Namen nichts mit der Mannheimer zu tun habe. Einige Radiosender hätten die beiden Unternehmen verwechselt, hieß es. Die Hamburg-Mannheimer habe eine "solide und krisenfeste" Kapitalausstattung.


 
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