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Düsseldorf
Erstes Knöllchen wegen Pokémon-Spiel

Düsseldorf. Für einen Autofahrer aus Bochum wird das neue Kultspiel teuer. Derweil ist die Aktie des Spielekonzerns Nintendo weiter angestiegen - obwohl eher andere das Geld machen. Experten warnen vor Risiken bei Haftung und Datenschutz. Von Reinhard Kowalewsky

Das neue Handyspiel Pokémon Go entwickelt sich zum Kult - und bringt auch Ärger. Dies zeigte sich gestern am zweiten Tag nach dem offiziellen Start des Angebotes in Deutschland. So wurde ein Paar am späten Abend bei Ludwigshafen von der Polizei überprüft - aber es hatte keinen Einbruch vorbereitet, wie von Anwohnern vermutet, sondern auf ihrem Display eingeblendete Pokémons gejagt. In Bochum kostete das Pokémon-Spielen einen Autofahrer 60 Euro - ein Polizist schrieb die Anzeige gestern früh um neun Uhr.

"Jede Nutzung eines Smartphones während der Fahrt ohne Freisprechanlage ist verboten", erklärt dazu das NRW-Innenministerium, "also auch Pokémon-Spielen." Wir beantworten die juristischen und ökonomischen Fragen zum Spiel der Saison. Dürfen Nutzer des Spieles fremde Grundstücke betreten? "Nein, das Hausrecht gilt für einen echten Zugang uneingeschränkt", erklärt Carsten Christmann, Anwalt bei der Neusser Kanzlei Backes und Partner.

Allerdings kann niemand den Spielern verbieten, digitale, virtuelle Figuren auf realen Grundstücken "unterzubringen" oder auch auf dem Display anzutippen - diese digitalen Köder sind ja nur auf dem Display und nicht real vorhanden. Gibt es Haftungsrisiken? "Wenn ein Pokémon-Spieler einen Unfall verursacht, weil er unaufmerksam auf eine Straße oder einen Fahrradweg läuft, kann das wegen möglicher Haftung teuer werden", warnt Jurist Christmann.

"Die Nutzer müssen ihre tatsächliche Umgebung im Blick haben und dürfen nicht nur auf das Display mit der virtuellen Umgebung und den eingeblendeten Figuren schauen." Wie groß ist das Datenschutzproblem? Die Anbieter haben zwar schnell reagiert, und den vollen Zugriff auf das Nutzerkonto von Google abgestellt. Aber Johannes Caspar als Datenschutzbeauftragter von Hamburg ist skeptisch: "Neben den Kontodaten werden weiter Standortdaten des Nutzers, Protokoll- und Nutzerdaten erhoben.

Die Gefahr, dass diese Daten missbräuchlich genutzt werden, kann man nicht ausschließen, zumal eine unabhängige Kontrolle nicht stattfindet." Er ergänzt: "Es beruhigt kaum, dass Informationen an Drittanbieter nur weitergegeben werden sollen, wenn damit kein Personenbezug verbunden ist. Im Zweifel wird dies in den USA in einer weit weniger strengen Weise ausgelegt als in Europa. Gerade auch bei Jugendlichen oder Kindern als Nutzern ist das Erheben von Bewegungsdaten eine sensible Angelegenheit.

" Wie gut verdient Nintendo am Pokémon-Rausch? Zumindest die Anleger sind euphorisch: Der Aktienkurs von Nintendo als Eigentümer der Rechte an den Pokémon-Figuren hat sich in wenigen Tagen praktisch verdoppelt - der Konzern ist mehr als zehn Milliarden Euro mehr wert. Tatsächlich verdient Nintendo aber nur bedingt viel Geld. So ist der reine Download des Spieles umsonst. Außerdem erhält der japanische Konzern nur einen Teil der Einnahmen, wenn Spieler sich in der App Extras wie Köder zum Anlocken von Pokémon kaufen.

Von einem Euro dieser Einnahmen gehen zunächst etwa 30 Cent an die Betreiber der App-Stores - also Apple und Google. Von den restlichen 70 Cent erhält Nintendo nach Schätzungen direkt zehn Cent und einen großen Teil von 30 Cent, die an die Rechtefirma "The Pokemon Company" fließen. 30 weitere Cent fließen an die Firma Niantic aus dem Umfeld von Google, die der eigentliche Anbieter von Pokémon Go ist. Hier ist Nintendo allerdings Miteigentümer.

Kann Nintendo auf weitere Einnahmen hoffen? Ja, zum einen sollen Firmen dafür bezahlen, wenn sie prominent in den digitalen Pokémon-Karten vorkommen - das kann einem Café viele Besucher bringen. Außerdem könnten weitere Nintendo-Spiele aufs Smartpone kommen. Bald will Nintendo das Armband Pokémon Go Plus auf den Markt bringen. Das 40 Euro teure Gerät ist eine Erweiterung des Spiels: Per Bluetooth mit dem Smartphone verbunden, zeigt es dem Spieler alle für die Pokémon-Jagd nötigen Informationen an - das Dauerstarren aufs Handy entfällt.

Quelle: RP
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