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Vodafone-Chef Hannes Ametsreiter
"Es gibt keine Pläne für den Abbau von Stellen"

Düsseldorf. Im Interview spricht Vodafone-Chef Hannes Ametsreiter über die Zukunft des Standorts Düsseldorf und fordert mehr Einsatz beim Ausbau des schnellen Internets von der Politik. Von Michael Bröcker und Reinhard Kowalewsky

Als Österreicher sind Sie der erste nichtdeutsche Chef von Vodafone Deutschland und haben es anders alle Vorgänger in den erweiterten Weltvorstand geschafft. Warum?

Ametsreiter Mit dieser Entscheidung würdigt Vodafone die Bedeutung von Vodafone Deutschland als größte Landesgesellschaft. Die Belegschaft kann das als klares Signal verstehen: London baut stark auf Düsseldorf und Vodafone Deutschland insgesamt.

Gefällt Ihnen Düsseldorf?

Ametsreiter Die Stadt liegt wie Wien am Fluss. Ich kann gut am Rhein laufen gehen. Düsseldorf ist eine äußerst elegante Stadt. Ja, die Stadt gefällt mir.

Gibt es weiteren Jobabbau?

Ametsreiter Es gibt keinerlei Pläne für einen größeren Abbau von Stellen. Zum Teil holen wir sogar ausgelagerte Mitarbeiter wieder rein. Aber wie jedes gut geführte Unternehmen prüfen wir stets und in allen Bereichen, wo wir sparen können – und bei jeder Ausgabe, ob sie wirklich nötig ist.

Wird Arbeit nach München verlagert, immerhin leben Sie da mit Familie?

Ametsreiter Nein, da gibt es keine Ambitionen. Und ich bin normalerweise auch montags bis donnerstags in Düsseldorf – freitags ist dann für München eingeplant. Schließlich ist da das wichtige Zentrum unseres Festnetzgeschäftes mit der früheren KabelDeutschland.

Früher war Vodafone unter dem Namen D2 Privat cool und Marktführer beim Mobilfunk, nun hat die Telekom Sie beim Mobilfunk überholt.

Ametsreiter Vodafone ist zurück, um anzugreifen. Die rote Rennmaschine kommt wieder auf Touren. Unser Mobilfunknetz hat sich im letzten Jahr besser entwickelt als die der zwei Wettbewerber – und im Sprachnetz sind wir die klare Nummer 1. Im Mobilfunk und bei DSL gewinnen wir erstmals nach Jahren wieder deutlich Kunden hinzu. Und im Kabelgeschäft zeigen wir starke sieben Prozent Wachstum. Hier bieten wir heute schon großflächig 200 Megabit/Sekunde, erhöhen jetzt auf 400 Megabit. Zum Jahresende bieten wir die ersten 1000 Megabit – da kommt so schnell keiner mit.

In NRW ist aber Unitymedia dominierendes Kabelunternehmen. Wann übernehmen Sie die Firma so wie davor Kabel-Deutschland?

Ametsreiter Sie verstehen sicher, dass ich mich als Manager eines börsennotierten Unternehmens zu solchen Fragen nicht äußern kann.

Wenn Kabel so toll ist, würden Sie Kunden in NRW raten zu Unitymedia zu wechseln?

Ametsreiter Natürlich nicht. In den drei Bundesländern, in denen wir nicht mit Kabel unterwegs sind, können wir den Kunden ein DSL Angebot über bis zu 100 Mbit machen, das wir immer attraktiver gestalten. Über Vodafone TV erhalten sie hier bereits 80 Sender, davon viele in HD genau wie eine Mediathek mit über 6000 Filmen und Serien auf Abruf.

Können Sie sich vorstellen, mit Unitymedia oder anderen Firmen wie Glasfaser Deutschland zu kooperieren, um nicht mehr auf die von Ihnen bespotteten "musealen Kupferdrähte" der Telekom angewiesen zu sein?

Ametsreiter Wir kooperieren in Bayern schon heute mit Kommunen, um Glasfaser zu legen.Eine Kooperation mit Unitymedia war nie Thema. Andere Kooperationen schließe ich nicht aus.

Sie halten nichts vom Breitbrandprogramm der Bundesregierung, das bis 2018 ein Tempo von 50 Megabit für jeden Haushalt anpeilt?

Ametsreiter Das Ziel von 50 Megabit ist doch eigentlich von der Realität im Kabelnetz längst überholt. Andere Länder setzen auf Glasfaser, Deutschland investiert Milliarden in die alte Kupfertechnologie. Ein Irrweg. Deutschland liegt beim Glasfaserausbau hinter fast allen relevanten Ländern. Vor uns sind sogar Länder wie Kasachastan und Vietnam.

Mit Vectoring rüstet die Telekom auf.

Ametsreiter Aufgerüstet wird hier eine veraltete Kupfertechnik, die künftig kaum mehr als 100 Megabit bringen wird. Ein falscher und für Deutschlands digitale Zukunft schädlicher Weg. Denn der Weg in die Gigabitgesellschaft führt nicht über alte Kupferklingeldrähte. Über Vectoring will der Ex- Monopolist im Ortsnetz wieder neue Monopole aufbauen. Es darf nicht sein, dass die Telekom die Netze wieder so dominiert, wie es die Bundesnetzagentur nun erlauben will. Wir hoffen, dass die EU-Kommission da noch ein Signal Richtung Wettbewerb gibt. Derzeit laufen zahlreiche Europaabgeordnete dagegen Sturm. Auch für sie ist Vectoring ein "Holzweg".

Der Glasfaser gehört die Zukunft?

Ametsreiter Ja. Ohne Zweifel. Damit Deutschland seine Rolle als führender Industriestaat verteidigt, müssen wir flächendeckend auf Glasfaser setzen. Glasfaser ist das Rückgrat der Gigabit Gesellschaft. Und das Fundament für 5G, der neuesten Mobilfunkgeneration, in der neue industrielle Anwendungen genauso Realität werden wie selbst fahrende Autos. An diesem neuen Netz forscht Deutschland führend. Aber so ein Netz braucht auch gigabitschnelle Datenleitungen.

Was muss die Politik tun?

Ametsreiter Wir brauchen einen "Plan G" für Deutschland, einen Plan für die kommende Gigabit-Gesellschaft. Länder, die heute schon deutlich schneller sind als wir, haben es vorgemacht: mit guten Konzepten und intelligenter Förderung. In Schweden fördert die Politik seit Jahren den Glasfaserausbau ganz gezielt, in Deutschland fördert sie nur Kupfer. In Portugal bekommt der Wettbewerb umfangreichen Zugang zu allen Leerrohren des dortigen Monopolisten, wo dann ohne Baggerei Glasfaserkabel verlegt werden können. In Deutschland ist das kaum der Fall. Und in meinem Heimatland Österreich fördert der Staat den Anschluss von Mobilfunkstationen an Glasfaser – als Grundvoraussetzung für das kommende 5G. All diese Konzepte brauchen wir auch hier.

Wird oder soll Mobilfunk der nächsten Generation das Festnetz ersetzen?

Ametsreiter Wir können mit 5G ein Übertragungstempo von bis zu zehn Gigabit bringen – das ist wirklich schnell. Aber um große Datenmengen für viele Kunden gleichzeitig durchzuleiten, ist der Ausbau des ultraschnellen Festnetzes unverzichtbar. Und die Kunden wollen das: Jeder zweite unserer Kabel-Kunden bucht inzwischen ein Tempo von 200 Megabit und mehr – und das, obwohl wichtige datenintensive Zukunftsentwicklungen wie Virtual-Reality erst starten.

Was tun Sie im Mobilfunk, um voranzukommen?

Ametsreiter Ab 14. April öffnen wir unser ultraschnelles LTE Netz für alle Privatkunden, bestehende wie neue, Vertrags- wie Prepaidkunden. Sie alle können dann mit maximaler LTE Geschwindigkeit surfen. Das ist ein Paukenschlag für Deutschland. Zudem erhöhen wir das Datenvolumen für Neukunden in den Red-Tarifen deutlich. Und: Noch in diesem Monat heißt es Goodbye Roaming: Dann schaffen wir für Neukunden und Vertragsverlängerer in den meisten Tarifen die Roamingzuschläge in der EU ab.

Ab Juni 2017 fällt EU-Roaming sowieso weg.

Ametsreiter Ja, und unsere Kunden erleben Reisen ohne Roaming-Aufpreis schon jetzt. Wir sind in sehr vielen Ländern in Europa als Betreiber aktiv – und davon sollen unsere Kunden profitieren.

Vermiesen Sie sich nicht das Preisniveau, wenn Sie höhere Leistung in Pakete packen statt Zuschläge zu verlangen?

Ametsreiter Wir setzen als Strategie immer stärker auf Paketangebote: Schon heute buchen immer mehr Kunden TV, superschnelles Internet und Mobilfunk inklusive vieler Extras in einem Bündel. Wir werden darum auch RedOne weiter entwickeln. Damit können wir uns speziell von Discountern gut absetzen und Millionen anspruchsvolle Kunden für uns gewinnen.

Was sonst soll Wachstum bringen?

Ametsreiter Im Kabelgeschäft wachsen wir nach wie vor stark. Aber wir wollen in allen Kernbereichen wieder wachsen: Im Mobilfunk genauso wie im Festnetz bei DSL – genau wie im Machine-to-Machine-Geschäft, also der Anbindung von Maschinen mit Mobilfunk. Hier sind wir schon jetzt Weltmarktführer. Wir haben viele Millionen Anschlüsse und wachsen bereits jetzt um 30 bis 40 Prozent. Gemäß allen Experten wird es in einigen Jahren dutzende Milliarden an Machine-to-Machine-Verbindungen geben.

Ist Ihr Haus in München vernetzt?

Ametsreiter Das Ausprobieren technischer Innovationen ist eine Leidenschaft von mir. Auch in unserer Wohnung in Wien: Die Heizung kann ich da vom Smartphone aus steuern, genauso wie Licht und Jalousien.

Bedroht es Ihr Geschäft, wenn es künftig mit der E-Sim einen fest eingebauten Mobilfunkchip gibt, der jederzeit zwischen Netzen wechseln kann statt wie die bisherigen Sim-Karten fest an eine Firma gebunden zu sein?

Ametsreiter Nein, wir haben als erster Mobilfunkkonzern weltweit ja eine Smart-Watch von Samsung mit der E-Sim ausgerüstet. Die E-Sim ist eine tolle Sache, um noch kleinere Mobilfunkgeräte auf den Markt und das Machine-to-Machine Geschäft weiter in Schwung zu bringen.

Aber Apple oder Samsung könnten Sie erpressen und Preise drücken, indem sie damit drohen, Millionen künftig in Smartphones eingebaute E-Sims der Kunden von einem Tag auf den anderen in ein anderes Netz umzuschalten.

Ametsreiter Die Mobilfunkindustrie hat über die GSMA weltweite Standards für die E-Sim festgelegt. Bei diesen wird nur der Kunde entscheiden, ob und wie er den Mobilfunkbetreiber wechselt, nicht der Lieferant seines Smartphones. Wir setzen hier auf Kooperationen mit allen Smartphone Herstellern. Denn Telekommunikation war immer dann stark, wenn es einheitliche Standards gab. Insellösungen führen selten zum Erfolg.

Das Gespräch führten Michael Bröcker und Reinhard Kowalewsky

Quelle: RP
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