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Brüssel/Düsseldorf
Google sucht sich am liebsten selbst

Das Google-Imperium
Das Google-Imperium FOTO: AP
Brüssel/Düsseldorf. Die EU-Kommission wirft dem Internetkonzern Machtmissbrauch vor. Kritiker warnen, dass die Suchfunktion letztlich sogar die Demokratie gefährde. Von Florian Rinke und Christopher Ziedler

Fast alle suchen damit - auch Margrethe Vestager. "Ich oder meine Kinder nutzen Google, weil es ein gutes Angebot ist", sagt die Dänin: "Wer hätte nicht gern ein so erfolgreiches Unternehmen?" Mehr als 90 Prozent Marktanteil bei der Internetsuche in den meisten EU-Staaten sprechen für sich. Das ist der Grund, warum sich Vestager auch beruflich als EU-Wettbewerbskommissarin für Google interessiert - der US-Konzern hat schließlich "fast ein Monopol".

Weil damit nach dem europäischen Wettbewerbsrecht auch bestimmte Pflichten einhergehen, untersucht die Brüsseler Kommission seit nunmehr vier Jahren, ob Google der "Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung" vorzuwerfen ist. Nun ist Europas oberste Wettbewerbsbehörde zu der Auffassung gelangt, dass dies der Fall ist. Dem Unternehmen wurde aus Brüssel eine offizielle Beschwerde übermittelt, auf die es innerhalb von zehn Wochen antworten muss.

Die Behörde wirft Google vor, sein Quasi-Monopol bei der Internetsuche zu missbrauchen, um Konkurrenten in anderen Bereichen zu benachteiligen. So taucht beispielsweise bei jeder Produktanfrage ein Kasten des Dienstes "Google Shopping" ganz oben auf der Seite auf - selbst wenn andere Angebote der Suchanfrage mehr entsprächen. "Google platziert seinen Preisvergleichsdienst systematisch an besonders sichtbarer Stelle, unabhängig von der Relevanz", schreibt die EU-Kommission. Dies hat massive ökonomische Auswirkungen, weil die Nutzer - wie Studien belegen - das erste Suchergebnis mit großem Abstand am häufigsten anklicken.

Kritiker sehen darin nicht nur eine Benachteiligung von Unternehmen, sondern auch eine Gefahr für die Demokratie. "Das Problem ist, dass Mehrheitsmeinungen verstärkt und Minderheitsmeinungen weggedrückt werden" sagt Torsten Fricke, Autor des Buches "Die Akte Google". Schon heute würde der Internetkonzern durch seinen Algorithmus Wahlen beeinflussen.

Dass Google den eigenen Such-Algorithmus nicht auch auf sich selbst anwende, schadet aus Sicht der EU-Kommission auch dem Verbraucher: "Die Nutzer bekommen bei ihrer Suche nicht unbedingt die für sie relevantesten Preisvergleichsergebnisse zu sehen."

Quelle: RP
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