3,25 Prozent: Europäische Zentralbank erhöht Leitzins
zuletzt aktualisiert: 05.10.2006 - 17:54Paris/Frankfurt (rpo). Die Europäische Zentralbank erhöht den Leitzins um 0,25 Punkte auf 3,25 Prozent. Das ist die fünfte Erhöhung seit Dezember vergangenen Jahres. Somit werden einerseits Darlehen teurer, andererseits gibt es aber auch auf Spareinlagen mehr Zinsen. Experten rechnen im Dezember mit einer weiteren Erhöhung.
Die Europäische Zentralbank hält die Zinszügel im Euroraum weiter straff in der Hand. Der EZB-Rat hob am Donnerstag bei seiner turnusmäßigen Sitzung in Paris den entscheidenden Leitzins im Euro-Raum erwartungsgemäß um 0,25 Prozentpunkte auf 3,25 Prozent an. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet erklärte vor Journalisten, die Wirtschaft im Euroraum sei in guter Verfassung, und deutete weitere Zinsanhebungen an. Marktbeobachter rechnen für Dezember mit der nächsten Erhöhung.
Die EZB werde die Inflationsentwicklung weiter genau im Blick behalten, sagte Trichet. Mit ähnlichen Worten hatte Europas oberster Währungshüter in der Vergangenheit die Märkte auf Zinserhöhungen vorbereitet. Trichets Wortwahl zeige, dass die EZB mit ihrem Zinserhöhungskurs noch nicht am Ende angelangt sei, sagte der Analyst Marco Kramer von der HypoVereinsbank.
Trichet erklärte, die Wirtschaftserholung im Euroraum erscheine nun stärker, als dies frühere Berechnungen hätten erwarten lassen. "Sie hat eine breitere Basis und wird vor allem von der Binnennachfrage unterstützt." Auch in den nächsten Monaten sei mit einem robusten Wirtschaftswachstum zu rechnen. Die Entwicklung der Weltwirtschaft eröffne der europäischen Exportindustrie weiter gute Chancen. Eine weitere wesentliche Konjunkturstütze ist nach Trichets Worten die rege Investitionstätigkeit der Unternehmen, die von den günstigen Finanzbedingungen, den Restrukturierungen, guten Gewinnen und Produktivitätssteigerungen profitierten.
Auch die Nachfrage der privaten Verbraucher wird sich nach Trichets Einschätzung verstärken. Bei den Erwerbseinkommen und auf dem Arbeitsmarkt gebe es ebenfalls positive Anzeichen.
Risiken gehen nach Worten des obersten europäischen Währungshüters nach wie vor vom Ölpreis aus. Hier müsse sich erst noch zeigen, ob der jüngste Preisrückgang dauerhaft sei. Langfristig stellten zudem globale Ungleichgewichte im Handel und protektionistische Tendenzen eine Gefahr für eine stabile Preis- und Wirtschaftsentwicklung dar.
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