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Düsseldorf
Henkel verabschiedet Kasper Rorsted

Henkel: Hans Van Bylen folgt auf Kasper Rorsted
Henkel: Hans Van Bylen folgt auf Kasper Rorsted FOTO: dpa, fg tmk wst
Düsseldorf. Die Aktionäre in Düsseldorfs Stadthalle bejubeln und beweinen den zu Adidas wechselnden Chef. Derweil zeichnet sich ab, dass der Konzern digitaler wird: Telekom-Chef Höttges wird Aufsichtsrat. Ein internes Netzwerk hat viel Zuspruch. Von Reinhard Kowalewsky

Ein Bild sagt mehr als viele Worte: Zum Ende seiner Rede vor den Aktionären lässt der scheidende Henkel-Chef Kasper Rorsted nach vielen Charts über Zahlen und Ergebnisse ein Foto an die Wand der Düsseldorfer Stadthalle werfen. Es zeigt ihn mit Aufsichtsratschefin Simone Bagel-Trah und deren bis 2009 amtierendem Amtsvorgänger Albrecht Woeste. "Ich war elf Jahre im Vorstand, ich war acht Jahre Vorstandschef", sagt Rorsted und spricht von einer "sehr guten und erfolgreichen Zeit". Der Abschied falle ihm "daher nicht leicht". Bagel-Trah revanchiert sich: "Herr Rorsted hat sehr viel für uns erreicht. Henkel ist heute hervorragend aufgestellt. Der Börsenwert hat sich vervierfacht." Auf der weiß gestrichenen Bühne reicht sie ihm demonstrativ die Hand, umarmt ihn fast. Nicht nur Zahlen, auch Gefühle spielen anscheinend eine Rolle beim 140 Jahre alten Familienkonzern.

Wechselstimmung bei Henkel und großes Lob für den zu Adidas wechselnden Chef - so lässt sich die gestrige Versammlung zusammenfassen. "Wir Aktionäre bekommen bei Ihrer Bilanz feuchte Augen", sagt Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. So habe Rorsted die operative Umsatzrendite von zehn auf fast 15 Prozent gebracht, die Dividende liege mit 1,47 Euro je Vorzugsaktie so hoch wie nie. Auch der ansonsten sehr kritische Aktionärsvertreter Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung institutioneller Privatanleger spart nicht mit Enthusiasmus: "Es tut Ihnen doch gut, wenn wir Ihnen nachweinen, wir verneigen uns vor Ihnen."

Dabei machten die Profis auch kritische Anmerkungen: So habe sich Rorsted kein Ruhmesblatt damit verdient, dass der Umsatz in diesem Jahr wohl nur bei rund 18 Milliarden statt der angekündigten 20 Milliarden Euro liegen wird. Auch das Ziel, dass Wachstumsländer wie China oder Brasilien in diesem Jahr die Hälfte des Geschäftes machen würden, werde wohl nicht erreicht. Der Traum einer neuen großen Übernahme habe sich erst recht nicht realisiert. Doch genau dies habe angesichts gestiegener Preise für Unternehmen vielleicht auch sein Gutes, sagte Benner-Heinacher: "So blieb uns wenigstens ein Megaflop erspart."

Auch die knapp 50.000 Mitarbeiter bekamen Lob. "Sie arbeiten mit Motivation und Leidenschaft für Henkel", sagte Rorsted und wurde ungeplant von Beifall gerade der vielen Belegschaftsaktionäre unterbrochen. Mit der Formulierung "bitte zweimal" erbat er dann noch einmal Applaus für die Belegschaft, nachdem er ihr ausdrücklich gedankt hatte.

Vor der Versammlung hatte Betriebsratschef Winfried Zander schon öffentlich verkündet, er hoffe, dass der neue Henkel-Chef Hans van Bylen beim internen Rationalisieren einen etwas vorsichtigeren Kurs als Rorsted fahren werde. Nur so lasse sich die Motivation hoch halten. Seine neue Strategie wird van Bylen nun im November vorstellen - je höher die Renditeziele, umso mehr kommt der Konzern unter Druck.

Auf der Versammlung wurde auch deutlich, wohin die weite re Reise geht. Telekom-Chef Tim Höttges rückte neu in den Aufsichtsrat ein - das Thema Digitalisierung der Geschäftsprozesse und des Vertriebes wird also noch wichtiger.

Rorsted berichtete, wie die Plattform Yammer sich mit 20.000 angemeldeten Kollegen zu einer Art internem Facebook im Unternehmen entwickele. Großkunden können zunehmend online bestellen. Und in China wickelt der Bereich Beauty Care (Schönheitspflege) bereits ein Drittel des Umsatzes online ab - acht Prozent des Konzerngeschäftes entstammen digitalen Bestellungen.

Zuspruch bekam der scheidende Chef dafür, das angeschlagene USA-Geschäft saniert zu haben. Persil entwickelt sich zum Renner in Amerika. Das hat seinen Preis: Ein Spot im US-Fernsehen während des Endspiels im amerikanischen Football ("Super Bowl") kostete mehrere Millionen Dollar. Das erfuhren die Aktionäre auf Anfrage.

Quelle: RP
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