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Berlin
Experten: Deutschland verfehlt seine Klimaziele

Berlin. Kurz vor dem Weltklimagipfel fordert eine Kommission verstärkte Anstrengungen zur Reduzierung des Treibhausgases.

Kurz vor dem Weltklimagipfel Ende November in Paris sehen Experten die Klimaschutzziele der Bundesregierung "erheblich" in Gefahr. Der Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid könne bis 2020 nicht im geplanten Umfang begrenzt werden, wenn nicht weit mehr unternommen werde, heißt es im Bericht einer Expertenkommission zum Stand der Energiewende, der gestern bekannt wurde. Als positiv wird in dem Bericht vermerkt, dass nach Jahren steigender Energiepreise für viele Unternehmen und Privathaushalte die Stromkosten sinken.

Die Bundesregierung will den nationalen CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 senken. Damit will Deutschland beim Klimagipfel in Paris als Vorreiter glänzen. Um die Klimaschutzziele zu schaffen, sollen in Deutschland auch alte Braunkohlekraftwerke abgeschaltet und als Reserve gehalten werden. Das kostet den Steuerzahler 1,6 Milliarden Euro.

Doch die Abschaltung und andere Maßnahmen reichen aus Sicht der Experten nicht aus. "Festzustellen ist, dass das zentrale Ziel der Bundesregierung, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren, erheblich gefährdet ist", schreiben die Wissenschaftler in ihrer Stellungnahme zum Monitoring-Bericht der Bundesregierung, mit dem sich das Kabinett gestern befasst hat. Die CO2-Emissionen dürften unter Berücksichtigung des Temperatureinflusses 2014 lediglich um 1,7 Prozent und nicht um 4,3 Prozent niedriger gewesen sein als 2013.

Der für die Industrie maßgebliche Börsenstrompreis sei 2014 um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken, heißt es in dem Monitoring-Bericht der Regierung zum Stand der Energiewende. Auch für private Stromkunden seien die Preise 2015 gegenüber 2014 leicht gefallen. Diese Tendenz wird sich 2016 allerdings nicht fortsetzen. Der Netzausbau und die verstärkte Förderung von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen werden die Netzentgelte steigern, die die Verbraucher im Rahmen ihrer Stromrechnungen mitbezahlen.

Unterdessen will Großbritannien bis 2025 alle Kohlekraftwerke im Land schließen. Das kündigte die Regierung gestern an. Das Vereinigte Königreich ist damit die erste große Volkswirtschaft, die ein konkretes Datum für das Ende von Kohlekraftwerken zur Reduzierung schädlicher Emissionen festlegt.

(mar/dpa)
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