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Düsseldorf/Berlin
Experten loben Düsseldorfer Airport

Düsseldorf/Berlin. Während der Bund Düsseldorfs Flughafen degradiert, loben Profis die Verbindungen. Die Grünen sind skeptisch. Von Jan Drebes und Reinhard Kowalewsky

Die Zukunft des Flughafens Düsseldorf ist zu einem wichtigen Thema nicht nur der Landespolitik sondern auch der Bundespolitik geworden. Dies ist klar, nachdem Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die Fachwelt mit der Bemerkung aufschreckte, Düsseldorf sei anders als Frankfurt, München und Berlin nicht als national bedeutsamer Umsteigeflughafen, sondern nur als wichtiger Zubringerflughafen zu sehen. "Das ist eine erstaunliche Einstufung", erklärt dazu Peter Berster vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Denn aktuell habe Düsseldorf viel mehr Flüge außerhalb Europas anzubieten als die zwei Flughäfen Berlins zusammen. Und es gebe viel mehr Umsteiger.

Der Begriff Zubringerflughafen sei "missverständlich", sagt der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV, Ralph Beisel. Fachleute würden darunter einen Regionalflughafen verstehen, von dem Verkehre in Drehkreuze abgehen. "Düsseldorf spielt mit seinen wichtigen Langstreckenverkehren in der höchsten Spielklasse", betonte Beisel und stellte den Flughafen damit auf eine Stufe mit Frankfurt, Berlin und München.

Doch wer nur an Wortspielereien denkt, irrt. So sagt Beisel: "Auch wenn rechtlich aus einer solchen Kategorisierung keine unmittelbaren Folgen entstehen, so ist das doch ein unpassendes Signal. Aufgabe des Bundesverkehrsministers sollte es hingegen sein, dem Flughafen Düsseldorf im laufenden Planfeststellungsverfahren den Rücken zu stärken." Konkret geht es darum, dass der Airport die Kapazitäten um 19 Prozent erhöhen will.

Dabei lobt Beisel das Ziel des Bundes, sich mehr für den Luftverkehr einzusetzen. Das neue Konzept werde "wegweisend" sein. Allerdings sollte die Einstufung von Düsseldorf korrigiert werden.

Völlig anders sieht das Arndt Klocke, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Landtag: "Aus grüner Sicht gibt es ein klares Nein, aus Düsseldorf ein Luftverkehrs-Hub (Drehkreuz) zu machen." Er will zusätzliche Flüge verhindern.

Laut Branchenangaben steigen in Düsseldorf rund zehn Prozent der nach Übersee fliegenden Passagiere aus einem anderen Flug zu, wogegen in Berlin nur rund sechs Prozent Umsteiger sind.

Matthias von Randow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, interpretiert dies so: "Wir haben vier internationale Drehkreuze, und Düsseldorf gehört mit Frankfurt, München und Berlin ohne Zweifel dazu. Das ist unter Experten unbestritten."

Bund und NRW-Landesregierung versuchen, die Diskussion herunterzuspielen. So erklärt das Bundesverkehrsministerium, immerhin komme Düsseldorf wie Köln auf eine Positivliste national wichtiger Airports, die gestärkt werden sollen. Nun ja, man hat ja auch 130 Langstreckenverbindungen pro Woche.

Das NRW-Verkehrsministerium ergänzt, man wolle prüfen, welche Folgen die Äußerungen von Dobrindt genau für die Luftfahrtstrategie des Bundes haben und wie er sie gemeint habe. Damit reagiert das Land auch auf eine gestern versandte Erklärung von Thomas Schnalke, dem Leiter des Flughafens Düsseldorf. Er fordert darin von der Landesregierung, dass sie sich in Berlin "sehr klar für die luftverkehrspolitischen Interessen und damit für ein wesentliches Stück der Zukunft unseres Bundeslandes" einsetzt.

Zum Teil reflektiert Schnalkes Äußerung die Tatsache, dass sich NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) nicht klar dazu äußert, ob er die Kapazitätserweiterung nun unterstützt oder nicht.

Quelle: RP
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