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Schwacher Euro hilft
Der Vize-Exportweltmeister Deutschland steht vor einem Rekordjahr

Exporte in Deutschland laufen weiter auf Hochtouren
Deutschlands Exporte profitieren vom schwachen Euro. FOTO: dpa, Arne Dedert
Frankfurt/Main . Deutsche Exporte laufen weiter auf Hochtouren. Zwar gab es zu Jahresbeginn eine Delle. Doch im Gesamtjahr erwartet die Branche einen weiteren Rekord. Fragen und Antworten zum Themenkomplex.

Was treibt die deutschen Exporte?

Egal ob Luxusschlitten oder High-Tech-Maschinen: Deutsche Produkte haben weltweit ein gutes Image. "Die deutsche Industrie hat einen hervorragenden Ruf und steht für Qualität wie kein anderes Land", sagt der Chef-Ökonom des Kreditversicherers Euler Hermes, Ludovic Subran.

Was sind die wichtigsten Absatzmärkte?

Wichtigster Handelspartner nach Ländern ist seit vielen Jahren Frankreich. Auf Rang zwei liegen die USA, gefolgt von Großbritannien und China. 37 Prozent der deutschen Exporte gehen in Länder der Eurozone - und damit fast zwei Drittel in Staaten, in denen nicht mit dem Euro bezahlt wird.

Welche Rolle spielt der Euro-Kurs?

Die Gemeinschaftswährung hat gegenüber anderen wichtigen Währungen wie Dollar, Yen oder Schweizer Franken seit vergangenem Jahr deutlich an Wert verloren. Ein schwacher Euro hilft Firmen aus der Eurozone, die Waren außerhalb des Währungsraums verkaufen wollen. Ihre Autos oder Maschinen werden auf den Weltmärkten günstiger - etwa in wichtigen Märkten wie Asien oder Amerika. Das kann wie ein zusätzliches Konjunkturprogramm wirken. "Der schwache Euro hilft allen in Europa, vor allem der deutschen Wirtschaft mit ihrem hohen Exportanteil", sagte Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise jüngst der Deutschen Presse-Agentur.

Wie groß ist der Effekt?

Das hängt auch davon ab, welche Waren hauptsächlich ausgeführt werden. "In der Regel werden Staaten, die überwiegend standardisierte Konsumgüter exportieren, stärker von einer Abwertung profitieren, da die Nachfrage nach diesen Gütern eine relative hohe Preissensitivität aufweist", heißt es in einer Analyse der Postbank. Bei Investitionsgütern - wie sie Deutschland vor allem herstellt - stünden dagegen eher qualitative Aspekte und weniger der Preis im Vordergrund. Der Effekt durch die Euro-Abwertung sei in einigen Ländern des gemeinsamen Währungsraumes daher größer als in Deutschland.

Wie wird sich der Export in diesem Jahr entwickeln?

Der Außenhandelsverband BGA sagt für dieses Jahr ein Exportplus von 4,5 Prozent und damit einen weiteren Rekord voraus. Ökonomen der Deutschen Bank sind ähnlich optimistisch: "Dank der Abwertung des Euro und der weiteren moderaten Erholung der Weltwirtschaft im Jahresverlauf dürften die deutschen Ausfuhren mit 4,4 Prozent ein leicht höheres Wachstum als im Vorjahr verzeichnen." 2014 waren die deutschen Ausfuhren um 3,7 Prozent auf 1134 Milliarden Euro gestiegen. Die Exporte übertrafen damit die Höchstwerte von 2012.

Warum schwächelt der Euro?

Die Europäische Zentralbank flutet im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche die Märkte mit Geld. Der Leitzins liegt praktisch bei Null, im März starteten die Währungshüter zudem ihr billionenschweres Anleihekaufprogramm. Die US-Notenbank beendet dagegen schrittweise ihre ultralockere Geldpolitik und steuert auf die erste Zinserhöhung seit der Finanzkrise zu. Für Investoren ist es daher attraktiver, Geld in Dollar als in Euro anzulegen.

Welche Faktoren beeinflussen noch den Export?

Die Konjunkturentwicklung in wichtigen Absatzmärkten spielt eine große Rolle. Läuft die Wirtschaft dort rund, können Verbraucher und Unternehmen mehr Produkte kaufen.

Wie entwickelt sich die Konjunktur in wichtigen Märkten?

Der Euroraum hat seine Wachstumsschwäche zwar noch nicht überwunden, wird nach Einschätzung von Ökonomen in diesem Jahr aber in Schwung kommen. Auch die Aussichten für die US-Wirtschaft gelten als gut. Der Boom in China verliert dagegen an Kraft. Die chinesische Regierung plant für dieses Jahr ein Wachstum von etwa sieben Prozent - das wirkt auf den ersten Blick viel, es wäre aber der geringste Anstieg seit Anfang der 1990er Jahre. Euler Hermes zufolge könnte das schwächere Wachstum die deutschen Exporteure rund fünf Milliarden Euro Umsatz kosten.

(dpa)
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