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Frankfurt
EZB: Mehr Billiggeld, höherer Strafzins

Frankfurt. Für Donnerstag wird erwartet, dass die Europäische Zentralbank ihren Kurs verschärft. Das kommt bei Kritikern wie Bundesbank-Chef Jens Weidmann nicht gut an. Auch die Banken lehnen eine Ausweitung der Negativzinsen ab.

Mario Draghi hat mal wieder Hoffnungen geschürt: "Der EZB-Rat ist fähig, entschlossen und willens zu handeln. Wenn wir den Willen haben, unser Ziel zu erreichen, dann haben wir auch die Mittel dazu." Was der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) damit meint: Am Donnerstag könnte die Notenbank weitere Schritte im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche beschließen.

Was hat die EZB bislang getan?

Die Zinsen im Euroraum sind quasi abgeschafft. Der Leitzins liegt seit September 2014 bei 0,05 Prozent. Zudem kauft die EZB seit März 2015 Staatsanleihen und andere Wertpapiere für 60 Milliarden Euro pro Monat. Das Programm läuft bis mindestens März 2017. Das Geld soll über Geschäftsbanken als Kredit bei Verbrauchern und Firmen ankommen und die Wirtschaft ankurbeln.

Warum wollen die Währungshüter nun nachlegen?

Oberstes Ziel der EZB sind stabile Preise. Die definieren die Währungshüter bei einer Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent. Doch davon ist die Inflation trotz der Geldflut der Notenbank weiterhin meilenweit entfernt. In Deutschland drückte der erneute Absturz der Ölpreise die jährliche Teuerungsrate im Februar nach vorläufigen Zahlen auf Null. Im Euroraum fielen die Verbraucherpreise erstmals seit einem halben Jahr sogar wieder. Das dürfte die EZB nach Einschätzung von Commerzbank-Analyst Christoph Weil bestärken, ihre Inflationsprognosen zu senken: "Dies macht den Weg frei für weitere expansive Maßnahmen."

Was könnte die EZB noch tun?

Viele Ökonomen gehen davon aus, dass die Währungshüter den Strafzins nochmals verschärfen, den Banken bezahlen müssen, wenn sie kurzfristig Geld bei der Notenbank parken. Seit Dezember liegt er bei 0,3 Prozent. Möglich wäre auch eine Staffelung dieses Zinses je nach Höhe der Einlagen. Müssen Banken mehr für das Bunkern von Liquidität zahlen, so die Theorie, bringt sie das eher dazu, das Geld als Kredit weiterzureichen. Theoretisch könnte die EZB auch ihre monatlichen Wertpapierkäufe aufstocken.

Was bringt das für die Konjunktur?

Ökonomen raten zu mehr Besonnenheit: Hauptgrund für die niedrige Inflation sei der Absturz der Ölpreise - und der sei zugleich ein Konjunkturprogramm. "Der niedrige Ölpreis lässt der Inflation keinen Raum zum Atmen. Doch die Lage ist nicht so gravierend, wie die Gesamtrate glauben macht", sagt KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Da die Finanzmärkte eine Erholung der Rohölpreise erwarteten, sei für 2017 im Durchschnitt eine Inflationsrate von rund zwei Prozent wieder realistisch. "Deshalb sollte die EZB über die aktuelle Flaute hinwegsehen", rät Zeuner. "Vor allem eine weitere Absenkung des bereits negativen Einlagensatzes erscheint mir per Saldo wenig wirksam."

Was sagen die Experten?

Seit Jahren befeuert das billige Geld der Zentralbanken die Aktienmärkte; die Nachfrage nach Immobilien boomt. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hält daher nichts von einer weiteren Ausweitung des ultralockeren Kurses: "Eine solche geldpolitische Reaktion kann längerfristige Risiken und Nebenwirkungen haben, die nicht einfach ausgeblendet werden können." Hätten sich Regierungen erst einmal an das billige Zentralbankgeld gewöhnt, "könnte der Druck zunehmen, das geldpolitische Programm länger aufrechtzuerhalten, als es für die Preisstabilität geboten wäre", warnt Weidmann.

Auch DZ-Bank-Chef Kirsch fordert eine Ende der Geldflut: "Ich würde mir wünschen, dass Herr Draghi mal einen zeitlichen Endpunkt definiert. Diese Phase muss doch endlich zu Ende gehen."

(dpa)
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