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Frankfurt/M.
EZB: Zinsen im Euro-Raum bleiben noch lange niedrig

Frankfurt/M.. Die Europäische Zentralbank (EZB) wartet bei ihrer Geldpolitik ab und hält sich alle Türen offen. Sie hat gestern die Zinsen nicht weiter gesenkt, das Anleihekaufprogramm nicht ausgeweitet und nicht verlängert. Aber sie ist bereit, ihre Instrumente auszuweiten und noch mehr billiges Geld in die Märkte zu geben. EZB-Präsident Mario Draghi sagte, wenn es nötig sei, habe die Notenbank "den Willen, die Macht und die Fähigkeit zu handeln".

Doch dazu sei es noch zu früh. Die Volkswirte der EZB haben ihre Voraussagen zu Wirtschaftswachstum und Inflationsrate zwar leicht gesenkt. Sie rechnen jetzt 2017 und 2018 nicht mehr mit jeweils 1,7 Prozent Wachstum, sondern nur noch mit je 1,6 Prozent. Und die Inflationsrate werde nächstes Jahr nicht auf 1,3, sondern auf 1,2 Prozent steigen. Das läuft für die EZB zwar alles in die falsche Richtung. Sie hätte gern schnelleres Wachstum und höhere Inflationsraten gehabt. Aber: "Die Veränderungen sind nicht gravierend", sagte Draghi: "Wir mussten nicht handeln." Außerdem funktioniere die Geldpolitik gut. Bestes Zeichen: Alle Zinsen seien deutlich gesunken. Darin komme auch zum Ausdruck, "dass die außergewöhnliche Unterstützung durch die Geldpolitik anhält."

An den Märkten war spekuliert worden, die EZB wolle sogar Aktienfonds kaufen. Aber Draghi nahm das Wort Aktienkauf gar nicht in den Mund, sagte auf entsprechende Fragen nur, das bisherige Programm wirke. Bestes Beispiel sei die Kreditvergabe: Die Kredite erreichten nun nicht nur die Banken, sondern die Unternehmen und Haushalte. "Daraus schließe ich, dass unsere Politik sehr effektiv war", so Draghi.

Dass die Banken über die Niedrigzinsen meckern, weil ihnen der Zinsüberschuss als Einnahmequelle abhanden kommt, ließ Draghi an sich abtropfen: Die Zinsen seien nicht allein verantwortlich für die Probleme der Banken. Für Sparer und Anleger zeichnet sich ab, dass die EZB das Geld weiter eher verbilligen als verteuern wird. Sie sieht die größten Risiken immer noch in einem Abschwung, den sie mit neuem Zentralbankgeld wegschwemmen würde. Das für die Altersvorsorge zurückgelegte Geld bringt also weiter kaum Ertrag und damit keine Zinseszinsen. Wer ein wenig Rendite sehen will, dürfte an der Aktie kaum vorbeikommen. Kreditnehmer können sich noch für längere Zeit auf niedrige Zinsen einstellen.

(mib)
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