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Berlin
Facebook investiert in Zivilcourage

Berlin. Das soziale Netzwerk Facebook ist in die Kritik geraten, weil es aus Sicht der Kritiker nicht energisch genug gegen Hassbotschaften vorging. Jetzt hat das Netzwerk eine europäische Initiative für Zivilcourage Online angekündigt und will eine Million Dollar für eine Öffentlichkeits-Kampagne sowie für Forschung und Projekte von Nicht-Regierungs-Organisationen ausgeben. Dies stellte Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg in Berlin vor. "Wir können Hassbotschaften nicht verschwinden lassen", erklärte sie, "wir können sie zwar runternehmen, das lindert nur die Symptome, aber nicht die Ursache."

Die neue Initiative will deswegen Gegenrede im Netz fördern. "Wer keine Totalzensur im Internet will, kann Löschen nicht als Lösung nehmen", unterstrich Professor Peter Neumann das Ziel. Sein Institut wird Teil der Initiative und will in diesem Bereich stärker forschen: "Sämtliche Studien zeigen, dass Gegenrede hilft. Wir müssen herausfinden, wann aus Online-Hass tatsächlich Offline-Gewalt wird." Zu den vereinbarten Regeln gehört auch, dass rechtswidrige Kommentare nach 24 Stunden gelöscht werden.

Facebook wird vorgeworfen, nicht genug Mitarbeiter für die Kontrolle gemeldeter Kommentare einzusetzen. Das Unternehmen arbeitet künftig mit der Bertelsmann-Tochter Arvato zusammen, bei der ein Team in dreistelliger Personalstärke von Berlin aus Kommentare im sozialen Netzwerk vorfiltern wird. Die letzte Entscheidung über die Löschung trifft aber weiterhin Facebook selbst.

"Es ist für uns nur logisch, dass wir ein Team in Deutschland aufbauen", kommentierte Sandberg die Entscheidung. "Von den 27 Millionen Nutzern nutzen fast 90 Prozent Facebook täglich. Das ist deutlich mehr als im weltweiten Schnitt."

(dafi)
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