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Oslo
Facebook zensiert Vietnam-Foto

Oslo. Eine Zeitung durfte das Foto nicht zeigen, weil ein nacktes Kind zu sehen ist.

Facebook stellt nach massiver Kritik ein berühmtes Foto aus dem Vietnam-Krieg wieder online, auf dem ein unbekleidetes Mädchen nach einem Napalm-Angriff auf der Straße läuft. Das Online-Netzwerk hatte einen Zeitungsartikel mit dem Bild gelöscht und als Begründung auf das Verbot von Kinderpornografie verwiesen. Die betroffene norwegischen Zeitung "Aftenposten" warf Facebook Zensur und Missbrauch von Marktmacht vor.

Der Reihe nach: Am Morgen hatte "Aftenposten"-Chefredakteur Espen Egil l Hansen in einem offenen Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg geschrieben: "Ich finde, dass Sie Ihre Macht missbrauchen, und ich tue mich schwer damit zu glauben, dass Sie das gründlich durchdacht haben." Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg veröffentlichte das Vietnam-Bild aus Solidarität ebenfalls auf ihrer Facebook-Seite und kommentierte, das Unternehmen "ziehe die falschen Schlussfolgerungen, wenn es solche Fotos zensiert".

Facebook begründete die Löschung zunächst mit dem Kampf gegen Kinderpornografie. Aber es handelte sich nicht um die Arbeit eines automatischen Löschprogrammes. Die norwegische Redkation war vom Hamburger Facebook-Büro aufgefordert worden, das Bild zu entfernen. Und der Konzern hatte das Foto schon einmal gesperrt, als dessen Fotograf es selbst veröffentlicht hatte.

Mit Unverständnis reagiert Justizminister Heiko Maas. Er befürwortet zwar, dass Facebook gegen extremistische Inhalte oder Kinderpornografie vorgeht, rät aber zur Abwägung: "Wenn solche Fotos gelöscht werden, trifft es genau die Falschen. Strafbare Inhalte sollten aus dem Netz verschwinden, nicht Fotos, die die ganze Welt bewegen."

Am Abend reagierte Facebook dann auf die Welle der Kritik. Obwohl auf dem Bild ein unbekleidetes Kind zu sehen sei, erkenne man die historische Bedeutung des Fotos an, erklärte Facebook. Das Teilen des Bildes habe daher einen höheren Stellenwert als der Schutz der Gemeinschaft durch Löschung. Die Systeme sollen nun so angepasst werden, dass das Bild auch in Zukunft nicht gelöscht werde. Das könne einige Tage dauern.

(dpa/rky)
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